Montag, 7. Dezember 2020

[HÖRBUCH] Ich bin Linus: Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war von Linus Giese


Inhalt:
Linus Giese ist transident. Er hatte sein Coming-Out erst im Alter von Anfang dreißig. Wie es dazu kam, was er dabei fühlte und mit welchem Hass er danach zu kämpfen hatte, erfährt man in diesem Buch.

Meine Meinung: Nach einer Empfehlung im Internet wurde mein Interesse an diesem Werk geweckt. Ich bin immer darauf aus, mich mit dem Thema Gender zu beschäftigen und daher war meine Neugierde geweckt. Linus Giese ist transident und outete sich mit Anfang dreißig, nachdem er seit seiner Kindheit her daran litt, als Frau gelebt zu haben. Hier berichtet er aus seinem Leben und seinen Erlebnissen, besonders in der Zeit, nachdem er sich auch öffentlich geoutet hatte. Er erzählt, welchen Schwierigkeiten er gegenüberstand und heute noch gegenübersteht. Dabei erfährt man, wie er einige Dinge sieht und welche Wünsche er für sich, aber auch für die Gesellschaft für die Zukunft hat. Seine Erlebnisse berühren mich sehr, machen mich traurig und sogar sehr wütend. Die Diskriminierungen und der Hass, den er im wahren Leben, aber auch im virutellen Leben erfährt, machen mich sprachlos. Allerdings gibt es einige Punkte, mit denen ich nicht konform mit ihm gehe. So spricht er davon, dass Transidentität keine Krankheit ist, was ich nicht so sehe. Aus medizinischer Sicht ist es durchaus eine (psychische) Krankheit und dass dies so in der Gesellschaft deklariert ist, ist für trans Menschen sehr wichtig, sonst würden sie keine medizinische Behandlung (Hormontherapie, Operationen etc.) bekommen. Außerdem finde ich nicht gut, dass er das biologische Geschlecht negiert, als ob das Geschlecht rein sozial konstruiert sei. Dabei bezieht er nicht mit ein, dass das soziale Geschlecht auf vielen biologischen Gegebenheiten (zumindest teilweise) konstruiert ist. Es gibt eben nicht nur Menschen mit Hautlappen und Menschen ohne Hautlappen - die beiden Geschlechter unterscheiden sich biologisch durch noch viel mehr Merkmale. Manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass er sich widerspricht. So würde er sich die Unterscheidung von trans und cis Menschen wünschen, aber an anderer Stelle findet er die Bezeichnung "Männer*", die trans und cis Männer vereint, unpassend. Da würde er bevorzugen, wenn man keine Unterscheidung trifft und nur "Männer" schreibt. Auf persönlicher Ebene finde ich das Werk daher sehr wertvoll, weil es sehr gut die Gefühlswelt eines trans Mannes beschreibt. Auf der sachlichen Ebene finde ich es allerdings nicht gut durchdacht.

Fazit: 3 von 5 Punkten.
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Laufzeit: 6 Stunden 11 Minuten
Sprecher: Linus Giese
Verlag: Lübbe Audio
Erscheinungsjahr: 2020
ASIN: B08KW91RRV
Seitenzahl der Printausgabe: 224