Donnerstag, 28. Mai 2020

[SHOW] Germany's Next Topmodel 2020

Die Model-Show von und mit Heidi Klum ging dieses Jahr in die 15. Runde und wieder wurde Deutschlands nächstes Topmodel gesucht. Ich habe mir diese Staffel wieder angeschaut und hier folgt mein Fazit.


Ich weiß, dass diese Show immer wieder in der Kritik steht und diese ist auch absolut berechtigt. Trotzdem fühle ich mich durch die schönen Fotoshootings, den tollen Kostümen (Kleidern) und zugegebenermaßen den Streitigkeiten zwischen den "Mädchen" gut unterhalten. Daher habe ich mir die Staffel auch dieses Jahr wieder angesehen.

Doch leider muss ich gestehen, dass ich diese Staffel als die schlechteste bisher empfinde. Die Fotoshootings waren mir zu gewöhnlich und ebenso die angehenden Models. Mich konnte so keine von ihnen richtig packen und daher war mir es völlig egal, wer nach und nach rausgeflogen ist. Ich hatte zwei oder drei Sympathieträgerinnen, aber unverhältnismäßig mehr junge Frauen, die ich unsympathisch fand.

Als erstes möchte ich auf dem Konzept der diesjährigen Staffel eingehen. Wie im letzten Jahr bestand die Jury nur aus einem einzigen festen Mitglied - Heidi Klum selbst. In jeder Show lud sie sich andere Gastjuroren ein, die teilweise so unheimlich unsympathisch waren, dass sie nicht umsonst einen Shitstorm im Internet kassierten. Vorne weg möchte ich das Supermodel Coco Rocha benennen, die sich so herabwertend und überheblich benommen hat, dass ich nur die Augen verdrehen konnte. Und das soll ein Supermodel sein? Sie ist definitiv kein Vorbild. Ebenso fand ich den Modedesigner Philipp Plein schrecklich, der fast schon agressiv auf die jungen Teilnehmerinnen eingeredet hat. Aber es gab auch andere, die den gerade mal volljährigen (oder teilweise sogar noch minderjährigen) Mädchen die "Wahrheit" direkt vor den Latz geknallt haben, ohne auf irgendwelche Gefühle Rücksicht zu nehmen. War diese Staffel dazu da, junge Frauen fertig zu machen?
Außerdem waren die Fotoshootings nichts Besonderes, weil es alles schon mal in Besser gab - wie beispielsweise das Unterwassershooting, was es schon im echten Meer mit echten Tieren gab. Hier gab es nur einen schnöden Pool. Das Nacktshooting in einer Kulisse voller Luftballons hätte höchstens einen Kindergeburtstag begeistern können. Für ein Shooting in der Höhe wurde für 50 Cent ein Kran gemietet - für mehr war wohl diesmal kein Geld vorhanden, weil man ja unbedingt tausend Tanz-Coaches wie Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls für viele Tanz-Challenges brauchte (sogar eine Folge im Stile von Let's Dance gab es... Macht man jetzt sogar Cross-Promotion mit dem Konkurrenz-Sender?). Wieso wurde dieses Jahr so viel Fokus auf das Tanzen gelegt, wenn ein Model und keine Tänzerin gesucht wird?

Aber auch unter den Kandidatinnen gab es unterirdisches Verhalten. Zum einen sei da die sogenannte "Austria-Gang" erwähnt, die sich den anderen, deutschen Mädchen überlegen gefühlt haben und deshalb ihre Herkunft immer wieder erwähnen mussten. Und das in einer Show, die sich GERMANY'S Next Topmodel nennt! Fühlten sie sich für ihre eigene nationale Version (Austria's Next Topmodel) zu gut? Das hat mir nicht gefallen. Zwei der Österreicherinnen haben es sogar ins Finale geschafft - aber wer hat gewonnen? Eine Deutsche! Pech gehabt.
Zum anderen möchte ich die beiden BFF's Lijana und Larissa benennen. Diese beiden haben sich wie freche Gören benommen, gegen die anderen intrigiert und sich herablassend geäußert. Wer nicht ihrer Meinung war, wurde mehr oder weniger an den Pranger gestellt. Vorneweg die "Einser-Abiturientin" Lijana, die beispielsweise klargestellt haben wollte, dass es ihr Verdienst war, dass eine andere Kandidatin weiter gekommen ist, weil sie ihr geholfen hat. Was muss man für ein schlechter Mensch sein, wenn man nicht aus Nächstenliebe handelt? Sie erhielt wohl den schlimmsten Shitstorm aller (GNTM-)Zeiten und zog sich dann im Finale freiwillig mit einer halbherzigen Entschuldigung, aber einer ausschweifenden Rede über Cybermobbing zurück. Jetzt stellt sie sich als Opfer hin und möchte gegen Cyber-Mobbing vorgehen - eine, die selbst Mobbing-Täterin ist. Ich nehme es ihr nicht ab (auch wenn ich Morddrohungen und Gewalttaten natürlich nicht für gut heiße).

Gewonnen hat den Wettbewerb übrigens die rothaarige Jacky, die anfangs mit Lijana und Larissa befreundet war, aber aus der Friendzone gekickt wurde, weil sie aus egoistischen Motiven bei einem Casting Larissa den Lockenstab vor der Nase weggeschnappt hat. Sie bestach durch angebliche Professionalität - ich würde eher behaupten, sie hatte einen Stock im Hintern. Mir war sie zu ernst, zu steif und viel zu langweilig. Sie stolperte geradezu durchs Finale (wofür eine andere Teilnehmerin ein paar Folgen zuvor von Philipp Plein eine Abmahnung erhielt) und gewann trotzdem.

Drei einigermaßen nette Lichtblicke seien hier erwähnt. Ich mochte das Transgendermodel Lucy, obwohl sie nicht laufen konnte. Meine persönliche Siegerin wäre die siebzehnjährige Julia gewesen, die durch Sympathie glänzte. Tamara (eine aus der Austria-Gang) fand ich mit ihrer übertriebenen Ghetto-Attitude ganz witzig.

Alles in allem war es aber eine schreckliche Staffel, bei der ich zum ersten Mal beim Schauen mehr auf mein Handy nach Ablenkung suchte oder sogar telefonierte und gar nicht richtig hinsah. Ich hoffe, in der nächsten Staffel werde ich mehr beeindruckt.