Sonntag, 26. April 2020

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 23


Am nächsten Morgen saßen die fünf Freunde gemeinsam beim Frühstück. Jojo sah sehr betrübt aus. Außerdem hatte er überall Schramme, aber er verriet nichts. Die anderen schauten sich irritiert an, doch nach dem gestrigen Chat traute sich niemand, ihn anzusprechen.
Anschließend haute Jojo einfach wieder ab und sagte seinen Freunden, dass er in seinem Zimmer noch trainieren wollte. Robin, Iggy, Aria und Marina waren mehr als verwundert über ihren muskulösen Mitschüler.

»Bin ich der einzige, der das nicht so akzeptieren will?«, fragte Iggy die anderen. »Langsam bin ich genervt.«
»Wieso genervt?«, wollte Aria wissen.
»Ich dachte, wir seien Freunde, aber er spricht nicht mit uns, obwohl es ihm sichtlich mies geht. Vertraut er uns nicht?«
»Ich glaube daran liegt es nicht«, entgegnete Marina. »Er ist ein sehr in sich gekehrter Typ. Probleme macht er lieber mit sich selbst aus und nicht mit Außenstehenden.«
»Aber vielleicht könnten wir ihm helfen«, schlug Aria vor.
»Wenn es um eine Beziehungskrise geht, kann ihm keiner von uns helfen«, erklärte die Wasser-Elementaristin.

Doch Robin konnte es nicht auf sich beruhen lassen. Er ging später an Jojos Zimmer vorbei und klopfte an. Doch keiner meldete sich.
»Hallo? Jojo, bist du da?«
Wieder keine Antwort. Das Elementum entschloss sich, einfach die Tür zu öffnen und zu schauen, ob das Zimmer wirklich leer war. Doch Jojo lag in seinem Bett, schaute auf und sprach:
»Ich möchte alleine sein.«
»Jojo, wir machen uns echt Sorgen. Bitte lass uns nicht hängen.«
»Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Jetzt geh bite.«
Gerade wollte Robin die Tür wieder schließen und gehen, da entschied er sich dagegen.
»Nein! Es reicht. Iggy hat recht. Wir sind ein Team, wir sind Freunde. Ich kann es nicht ertragen, dich so zu sehen. Bitte sprich mit mir. Was bedrückt dich? Ist es wegen Tara? Hat sie dich sitzen lassen?«
»Nein… Äh ja… Nein…«, stotterte der Erd-Elementarist.
»Was denn nun?«
»Ist doch egal«, antwortete er wieder knapp. »Bitte, Robin, lasst mich einfach in Ruhe.«
»Dann erklär mir doch wenigstens, warum du nicht mit mir sprechen willst? Dann lass ich dich in Ruhe. Wenn du meinst, wir können dir nicht helfen, dann akzeptiere ich das.«
Jojo seufzte und seine Augen wurden glasig, als er sprach:
»Wenn ich es euch sage, werdet ihr mich hassen.«
»Was? Nein! Wieso?« Der Siebzehnjährige war völlig irritiert.
»Ich habe große Fehler gemacht«, sprach der muskulöse Schüler weiter. Dabei floss ihm eine Träne die Wange hinunter. Er richtete sich auf und schaute Robin ins Gesicht. »Ich bin ein Vollidiot. Tara war es, die Iggy in der Nacht angegriffen hatte.«
»Deine Freundin?«
»Ich habe sie ins Haus gelassen. Es ist meine Schuld.«
»Jetzt verstehe ich.« Das Elementum war platt. Er setzte sich neben Jojo aufs Bett und schlug sich die Hand gegen die Stirn. »Sie ist auch eine Erd-Elementaristin. Und sie hat sich absichtlich an dich herangemacht, um an mich heranzukommen.«
Der Muskelprotz war erstaunt, dass sein Kumpel so schnell kapierte.
»Ich war so dumm. Ich hätte es wissen müssen. Du hast allen Grund sauer auf mich zu sein.«
»Mensch, Jojo, warum sollte ich das? Jeder hätte auf sie hereinfallen können. Mach dir bitte keine Vorwürfe.«
»Aber du hättest durch meine Dummheit tot sein können. Oder Iggy… Ich habe hier nachts einfach eine Fremde ins Internat geschleppt.«
»Das Tor ist die ganze Nacht offen. Sie hätte sich auch mit Leichtigkeit einfach selbst reinschmuggeln können. Jetzt hör auf. Ich bin dir nicht böse.«
»Da ist aber noch was«, warf der Achtzehnjährige ein. »Ich habe an illegalen Kämpfen teilgenommen.«
»Wie bitte?« Robin war erneut schockiert.
Da erzählte Robin ihm auch, wie er über Peter Töpfer zu den Kampfturnieren seine Vaters gekommen war und bereits einen Kampf ausgetragen hatte. Er erzählte auch, dass seine letzte Gegnerin zufälligerweise Tara war und wie er gegen sie verloren hatte. Erst dadurch erfuhr er sicher, dass sie eine miese Schlange war.
»Aber warum hast du das überhaupt gemacht? Brauchtest du das Geld?«
»Das war nicht der Hauptgrund«, verneinte Jojo. »Ich wollte stärker werden.«
»Noch stärker?«, hakte Robin nach. »Du bist der stärkste Typ, den ich kenne.«
»Ja, ich habe viele Muskeln. Aber ihr seid dennoch alle viel stärker als ich. Ihr wurdet alle von Elementargeistern gezeichnet, nur ich nicht. Ich bin das schwächste Glied des Zirkels.«
»Jetzt sag doch nicht so was«, widersprach das Elementum. »Deine Zeit wird auch noch kommen und dann wirst du gezeichnet. Da bin ich mir sicher.«
»Ich wollte es mit diesen Kämpfen beschleunigen.«
»Also jetzt muss ich sagen, dass dies wirklich dumm war«, lachte Robin seinen Kumpel aus Spaß aus. »Aber mal im Ernst. Wenn du erwischt worden wärst, hättest du vom Internat fliegen oder im Gefängnis landen können.«
»Das ist mir bewusst«, gab Jojo zu. »Ich war verzweifelt. Es lief alles aus dem Ruder und ich wusste mir nicht anders zu helfen.«
»Hoffentlich rückst du das nächste Mal früher mit der Sprach raus und frisst das nicht so in die rein. Wir stehen zu dir, egal, was ist.«
Robin reichte Jojo zum Zeichen die Hand. Der Muskelprotz erwiderte den Handschlag und lächelte dabei sogar ein wenig.
»Und jetzt erzählen wir es den anderen.«
Jojo nickte zustimmend.

Sie trafen sich wieder in Arias und Marinas Zimmer. Im Aufenthaltsraum waren sie nicht ungestört, da anderer Schülerinnen und Schüler dort Billiard oder mit dem Tischkicker spielten. Draußen im Innenhof waren ein paar Männer der E-Wehr aufgestellt. Auch diese sollten nichts mitbekommen. So blieb nur eines ihrer Zimmer.
In Kürze fassten Jojo und Robin alles für die Gruppe zusammen. Der Muskelprotz entschuldigte sich für alles. Alle verziehen ihm, genauso wie es Robin getan hatte. Doch Iggy konnte sich einen Spruch nicht verkneifen:
»Ich wusste, diese komische Frau war nichts für dich.«
»Und was machen wir nun?«, wollte Aria wissen.
»Wir müssen die E-Wehr informieren«, antwortete Marina.
»Nein«, wiedersprach Robin, »auf keinen Fall. Damit reiten wir Jojo in die Scheiße. Wenn herauskommt, dass er an illegalen Kampfturnieren teilgenommen hat, ist er dran.«
»Was sollen wir sonst tun?«, hakte die Wasser-Elementaristin nach.
»Wir müssen es mal wieder selbst in die Hand nehmen«, stellte das Elementum mit ernster Stimme fest.
»Willst du dieser blöden Kuh auflauern?«, fragte Aria.
»Ja, wir suchen Peters Vater auf und befragen ihn nach Tara. Vielleicht weiß er, wo sie ist. Und dann stellen wir sie. Uns wird sie nicht entkommen.«
»Das ist zu gefährlich«, warf Marina ein.
»Vielleicht«, entgegnete ihr Freund, »aber ich möchte nicht noch einmal darauf warten, bis sie uns attackiert. Gleich morgen machen wir uns auf den Weg zu dem Ort, wo die Kämpfe stattfinden.«
»Ich kann uns dahin bringen«, ergänzte der muskulöse Erd-Elementarist.
Der Plan war gefasst und wollte umgesetzt werden. Auch wenn jemand vielleicht zweifelte, wusste er oder sie, dass Robin recht hatte. Sie mussten ihren Gegner stellen. Und vielleicht würden sie die Chance erhalten, zu erfahren, wer Tara beauftragt hatte. Dann wäre auch dieses Geheimnis endlich gelüftet worden. Voller Tatendrang fassten sie den Entschluss und bereitete sich innerlich darauf vor. Der nächste Tag würde spannend werden.