Sonntag, 8. Dezember 2019

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 10


Nach dem zufälligen Treffen von Jojo und Tara auf der Wahlveranstaltung von Arno Mosel verging kein Tag, in dem sie sich nicht liebevolle Nachrichten geschrieben haben. Ein paar Mal hatten sie sich auch getroffen, wobei sie dabei kaum miteinander sprachen, sondern ganz anderen Dingen nachgingen.
Auch an diesem Nachmittag saß Jojo wieder im Aufenthaltsraum in einem Sessel und konnte seine Augen nicht von dem Display seines Smartphones nehmen. Er schrieb wieder mit Tara, wo viele küssende Emoticons und Herzchen verwendet wurden. Der Erd-Elementarist war wahrlich verliebt.
»Was machst du denn schon wieder?«, sprach ihn plötzlich Iggy von der Seite an. Der Feuer-Elementarist war ebenfalls in den Aufenthaltsraum gekommen und setzte sich zu seinem Kumpel. »Schreibst du wieder mit der Frau aus dem Club?«
Jojo lächelte lediglich und errötete dabei.
»Das gibt es ja nicht!«, staunte der Rotschopf. »Da läuft ja wirklich was zwischen euch.«
»Ja«, stimmte Jojo zu. »Stell dir vor, sie ist auch eine Elementaristin.«
»Wirklich? Wie kam das denn heraus? Habt ihr euch gegenseitig das Geheimnis verraten oder wie?«

»Sie war auch bei Arno Mosels Wahlveranstaltung. Da haben wir uns wiedergesehen.«
»Das ist ja mal ein Zufall. Wie hieß sie denn noch mal?«
»Tara Jordan«, antwortete Jojo knapp.
»Und weiß du mittlerweile, wie alt sie ist?«, hakte Iggy skeptisch nach.
»Natürlich.«
Der Feuer-Elementarist wartete darauf, dass sein Freund ihm verriet, wie alt sie war, aber scheinbar hatte er es nicht vor. Also musste er noch weiter bohren.
»Und? Wie alt ist sie nun?«
»Dreißig«, antwortete der Muskelprotz erneut kurz.
»Dreißig? Mensch, Jojo, das ist doch wirklich etwas zu alt für dich.«
»Das geht dich nichts an«, raunte der Erd-Elementarist ein wenig verärgert.
»Das hat doch keine Zukunft. Du solltest dir vielleicht lieber ein Mädchen in deinem Alter suchen.«
»Iggy, es ist meine Sache. Ich mag sie sehr und für mich zählt nur das.«
»Du scheinst wirklich verliebt in sie zu sein«, erwiderte der Rotschopf mit den Sommersprossen resigniert. »Aber bitte pass auf, dass dein Herz nicht gebrochen wird.«
Jojo war sich sicher, dass dies nicht passieren würde. Im Gegensatz zu den Mädchen in seinem Alter war Tara eine reife, gestandene Frau. Sie war nicht so kindisch, sondern eher verantwortungsbewusst. Das konnte eher was Festes werden, als mit einem jüngeren Mädchen. Sie sind doch meistens noch sehr unreif. Das hatte er an Brisa gesehen, mit der er kurzzeitig zusammen war.
»Nun gut, dann lasse ich euch zwei Turteltauben mal wieder alleine«, sagte Iggy und zeigte dabei abwechselnd mit dem Finger auf Jojo und sein Handy. Dann verließ er den Aufenthaltsraum wieder.
Doch kaum war der muskulöse Schüler erleichtert darüber, sah er, dass mittlerweile Peter ebenfalls im Raum war. Auf ihn hatte er jetzt überhaupt keine Lust. Aber natürlich kam sein Mitschüler auf dem direkten Weg auf ihn zu:
»Hey, Jojo! Wir geht es dir?«
»Gut«, antwortete Jojo aus Höflichkeit.
»Es tut mir leid, aber ich habe ein wenig von eurem Gespräch mitbekommen«, gestand der schwarzhaarige Erd-Elementarist, der wieder mal einen schicken Blazer trug, obwohl es recht warm draußen war.
Das war ja klar, dachte sich der Muskelprotz. Es schien fast so, als ob ihn sein ehemaliger Zimmergenosse verfolgte.
»Ich muss gestehen, dass ich es auch nicht gut finde, dass du dir eine Ältere gesucht hast«, erklärte Peter.
»Ich habe sie nicht gesucht, sondern gefunden«, widersprach Jojo.
»Wie auch immer«, wehrte Peter leichtfertig ab. »Das ist doch nichts für dich. Was werden deine Eltern überhaupt sagen? Das hat doch keine Zukunft, das musst du dir doch eingestehen.«
»Nichts muss ich«, gab der hünenhafte Schüler nun wieder etwas gereizt zurück. Er hatte keine Lust, dass ihn nach Iggy noch jemand damit nervte. Und dieses Mal war es auch noch jemand, auf dessen Meinung er mal so gar keinen Wert legte.
»Jetzt werde doch vernünftig, Jojo. Das kann nicht gutgehen.«
Jetzt platzte es endgültig aus dem sonst so ruhigen Erd-Elementaristen heraus:
»LASS MICH IN RUHE!«, schrie er seinen Mitschüler an und sprang auf. Er drohte nun mit dem Finger und fuhrt etwas leiser fort: »Wie oft soll ich dir noch sagen, dass dich mein Leben nichts angeht? Wir sind keine Freunde und werden auch niemals welche sein. Hör auf, mir hinterher zu laufen. Ich habe kein Interesse an Jungs und schon drei Mal nicht an dir. Merk dir das endlich!«
Peter riss die Augen auf. So hatte er Jojo noch nie erlebt. Er war richtig verunsichert.
»UND JETZT HAU AB!«, schrie der Muskelprotz wieder laut und wütend, dass die Erde bebte.
Schnell sprang Peter auf und lief aus dem Raum. Alle anderen Mitschüler, die beispielsweise gerade am Kicker Tischfußball spielten, hielten inne und hatten ihren Blick auf Jojo gerichtet.
Doch er ließ sich einfach wieder auf den Sessel plumpsen und las die mittlerweile neu eingegangenen Nachrichten seiner Freundin Tara. Er musste sich wieder etwas beruhigen. Warum zweifelte man an seiner Beziehung? Das ging doch niemanden etwas an außer Tara und ihn. Das mussten alle anderen respektieren. Er nahm sich vor, sich nicht mehr da hinein reden zu lassen und folgte lieber seinem Herz.