Sonntag, 17. November 2019

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 7


Manchmal bekamen die Schülerinnen und Schüler aus dem Haus 4E Post von zuhause. Gerade zu besonderen Anlässen wie dem Geburtstag gab es liebevolle Briefe und Päckchen mit Geschenken. Jojo hatte auch Post bekommen und er dachte, es war noch ein Nachzügler von seinem Geburtstag. Doch es war etwas völlig anderes.
 Im Aufenthaltsraum zeigte er den Umschlag seinen Freunden.
»Was ist das?«, wollte Iggy sofort wissen.
Robin sah als erste den Absender und erschrak.
»Das ist doch von…«
»Nun sag schon«, forderte ihn Aria auf. »Ihr macht es total spannend.«
»Arno Mosel«, antwortete Jojo knapp.
»Was will der denn?«, wunderte sich Marina.
Der muskulöse Erd-Elementarist holte den Brief aus dem Umschlag und präsentierte ihn den anderen.
»Es ist eine Einladung zu einer Wahlveranstaltung«, erklärte er.

»Verstehe«, sagte Marina. »Er möchte die Wählerinnen und Wähler überzeugen, ihn zu wählen. Du bist jetzt volljährig und demnach wahlberechtigt. So etwas ist ganz normal.«
»Und?«, hakte Iggy nach. »Gehst du hin?«
»Nö«, antwortete Jojo knapp.
»Aber es wäre schon interessant, was er so plant«, mischte sich Robin ein.
»Ich habe aber kein Interesse an ihn«, widersprach der Erd-Elementarist.
»Es würde uns vielleicht einen Wissensvorsprung verpassen, Jojo. Du solltest echt hingehen.«
Jojo stöhnte. Er wollte sichtlich nicht. Daher argumentierte Robin weiter:
»Ich würde es selbst so gerne wissen, aber ich bin nicht eingeladen. Ich bin erst siebzehn. Bitte geh für mich dahin. Dann kannst du mir berichten, was er so erzählt hat. Du würdest mir einen großen Gefallen tun.«
Der Muskelprotz haderte mit sich. So sonderlich politisch interessiert war er nicht und wahrscheinlich wäre ihm die Veranstaltung viel zu langweilig. Und dann kam noch hinzu, dass er ebenfalls an Arno Strobel zweifelte, weil er der Lebensgefährte von Elma von Zimmenthal war. Er mochte ihn nicht und würde ihn niemals wählen.
»Komm schon«, bettelte Robin. Er schaute ihn mit großen Kulleraugen an.
Dann konnte Jojo nicht mehr ablehnen. Er nickte resigniert und das Elementum freute sich riesig.
»Danke dir, mein Freund!«
In diesem Moment ertönte die Stimme von der Rektorin aus den Lautsprechern:
»Herr Robin Held, kommen Sie bitte in mein Büro.«
»Hast du was verbrochen?«, fragte Iggy gespielt entsetzt.
»Nein. Ich weiß nicht, was sie will. Wir sehen uns später.«
Der Siebzehnjährige stand auf und ging davon.

Als Robin vor dem Büro der Schulleiterin stand, klopfte er an. Es dauerte nur einen Moment und die Frau mit den wuchtigen, roten Locken öffnete die Tür. Sie trug einen dunkelroten Hosenanzug.
»Kommen Sie herein und setzen Sie sich, Herr Held.«
Er tat, wie es ihm aufgetragen wurde.
»Wir schicken Sie mal wieder übers Wochenende weg«, sprach die Feuer-Elementaristin. »Dieses Mal treffen Sie einen Erd-Elementaristen.«
»Super, vielen Dank!«
»Mir müssen Sie nicht danken. Das alles wird wieder von Elma von Zimmenthal bezahlt.«
»Wie bitte?«, hakte Robin verärgert nach.
»Sie wissen doch, dass ihr die Taten ihres Ex-Mannes und ihres Sohnes leidtun und Sie Ihnen als Entschädigung die besonderen Seminare bei mächtigen Elementaristen sponsert.«
»Und Sie wissen, was ich von dieser Dame halte. Ich befürchte noch immer, dass sie mit drin steckt.«
»Ich weiß, dass Sie Zweifel haben und kann Ihre Befürchtungen gut verstehen. Aber wir sind als Internat sehr dankbar, wenn einige Kosten von anderen übernommen werden, zumal wir in diesem Schuljahr einige Reparaturen hatten.«
»Und wenn wieder ein Anschlag auf mich ausgeübt wird?«, wollte das Elementum von seiner Serafina Funke unbedingt wissen.
»Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Ich begleite Sie dieses Mal höchstpersönlich, Herr Held. Was halten Sie davon?«
Er musste nachdenken. Bei seinem letzten Ausflug hatte ihn die Lehrerin für das Element Luft begleitet – Frau d’Air. Sie konnte den Angriff nicht verhindern, aber zumindest konnte sie ihm dabei helfen, heil wieder rauszukommen. Und wenn nun die Schulleiterin persönlich bei so etwas dabei war, würde sie bestimmt auch an Elma von Zimmenthal zweifeln und zukünftig nicht mehr zulassen, dass sie irgendwas für Robin arrangierte. Also antwortete er:
»Also gut. Ich bin einverstanden.«
Damit war die Sache geklärt.
»Dann halten Sie sich am Samstagmorgen bereit. Wir fahren mit dem ICE nach Erfurt.«
»Und wen treffen wir dort?«
»Das sage ich Ihnen dann erst dort. Die Spannung sollte doch zumindest etwas gehalten werden.«
Damit geleitete die Schulleiterin mit den roten Locken ihren Schützling zur Tür. Sie verabschiedeten sich mit einem Handschlag und Robin kehrte zurück zu seinen Freunden, um ihnen alles zu erzählen.
»Bitte bleib auf der Hut, Robin«, bat ihn seine Freundin Marina. »Wer weiß, ob dieser Erd-Elementarist wieder eingreift.«
Da machte es Klick beim Elementum.
Erd-Elementarist.
Die anderen bemerkten, dass er innehielt.
»Was ist los?«, wollte Aria wissen. »Sag schon!«
Schließlich sprach er seine Gedanken aus:
»Der Ausflug am Wochenende mit Frau Funke geht zu einem Erd-Elementaristen. Das hat sie mir zumindest schon verraten.«
Alle schauten sich gegenseitig schockiert an.
»Das ist doch der Beweis!«, rief Iggy wütend. »Und unsere Rektorin liefert dich einfach so aus.«
»Wir sollten uns beruhigen«, warf Marina ein. »Vielleicht ist es nur Zufall. Schließlich gibt es nur vier Elemente. Da ist es doch möglich, dass das zwei verschiedene Personen sind.«
»Das sagt gerade die, die am Anfang noch zu Robin meinte, er soll auf der Hut bleiben«, entgegnete ihr Iggy sarkastisch.
So errötete das Mädchen mit den langen braunen Haaren und der Nerdbrille.
»Marina hat aber recht«, verteidigte sie ihr Freund. »Und ich kann sowieso nichts daran ändern. Sonst müsste ich Frau Funke sagen, was uns passiert ist.«
»Aber wenn du wieder angegriffen wirst«, warf Iggy ein. »Das nächste Mal sind wir nicht dabei.«
»Aber Frau Funke. Sie ist eine unheimlich starke Feuer-Elementaristin. Ich vertraue ihr.«
Iggy seufzte und die anderen schwiegen betreten.
»Wir hoffen mal, dass alles gut geht«, sprach Aria.
»Halt uns auf dem Laufenden«, forderte die Wasser-Elementaristin.
»In Ordnung«, versprach er seinen Freunden.