Sonntag, 10. November 2019

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 6


Es ist Wochenende und die fünf jugendlichen Elementaristen gehen endlich Jojos Geburtstag nachfeiern. Aria hat ihnen einen Club ausgesucht, in dem gemischte Musik lief, sodass für jeden was dabei war. Außerdem öffnete er bereits um zwanzig Uhr, sodass sie vier Stunden abtanzen durften. Nach Mitternacht dürfen Siebzehnjährige offiziell nicht mehr in einem Club sein. Also hätte nur noch Jojo bleiben dürfen. Sie fuhren mit der Bahn abends dahin. Es war nicht viel los, aber das störte die Freunde nicht.
Aria war die erste auf der Tanzfläche, während sich die anderen erst einmal was zu trinken holten. Iggy, Robin und Jojo bestellten sich Bier, während Marina für Aria und sich einen Sekt bestellten. Zwar hätten sie gerne mal einen Cocktail oder Longdrink bestellt, aber das war sie ebenfalls nicht erlaubt.
Dann ging die Party auch schon für sie los. Sie amüsierten sich, auch wenn sich der muskulöse Erd-Elementarist schwer tat. Er wippte eher nur hin und her.

Der Club wurde irgendwann zumindest ein wenig voller. Und da passierte es, dass eine Frau um die Dreißig Jojo antanzte. Er war total perplex, als die hübsche Frau mit den langen, welligen braunen Haaren ihm umgarnte. Er errötete richtig, worüber die anderen lachen mussten. Jojo wusste nicht, was er tun sollte, aber Robin gab ihm mit einem Blick zu verstehen, dass er ruhig darauf eingehen sollte.
Die Frau sah in Jojos Augen umwerfend aus. Sie hatte eine sehr sportliche Figur und trug ein kurzes und enges, leopardengemustertes Kleid. An den Beinen trug sie schwarze Stiefel, die ihr über die Knie reichten. Ihr Make-up war ausdrucksstark, aber man sah ihr an, dass sie viel älter war als Jojo.
Was will sie von mir?, fragte er sich verunsichert.
Irgendwann zog sie ihn an die Bar und bestellte zwei Drinks. Diese waren sichtlich nicht alkoholfrei. Als Jojo an seinem nippte, brannte es in der Kehle.
»Was ist los?«, fragte die Frau mit ihrer rauchigen Stimme. »Ist er dir zu stark?«
Diese Frage triggerte den Muskelprotz. Er arbeitete daran, stärker zu werden. Da ließ er sich doch nicht von so einer Flüssigkeit umhauen lassen. Daher nahm er noch einen großen Schluck und mimte den starken Mann.
Die Freunde beobachteten dies amüsiert. Sie sahen es als Spaß an, dass sich eine ältere Frau für Jojo interessierte. Sie nahmen es nicht ernst und ließen ihn machen. Schließlich hatte er Geburtstag gehabt und etwas Spaß verdient.
Zwei oder drei Drinks später saßen Jojo und seine neue Bekannte auf einer Bank an der Seite der Tanzfläche und knutschten miteinander herum. Die anderen staunten nicht schlecht.
»Wow!«, rief Iggy. »So kenne ich Jojo ja gar nicht. Er lässt wohl nichts anbrennen.«
»Unsere Femme fatale ist aber auch nicht Ohne«, kommentierte Aria.
Kurz vor Mitternacht mussten sie die beiden küssenden Turteltauben aber voneinander trennen. Sie gaben ihrem Freund zu verstehen, dass es Zeit war zu gehen. Schnell tauschten Jojo und seine Flamme Nummern aus.
»Wie heißt du eigentlich?«, wollte sie schließlich von ihm wissen.
»Jojo«, antwortete er leicht lallend.
»Ich bin Tara«, hauchte sie ihm ins Ohr. »Bitte vergiss mich nicht.«
Dann gaben sie sich noch einen letzten Abschiedskuss und die Elementaristen verließen den Club.

Sie entschlossen sich, einen Fußmarsch bis zum Haus 4E zu machen. Sie müssten zwar etwa eine Stunde laufen, aber das Wetter war fantastisch. Und wenn sie noch eine Dönerbude auf dem Weg fanden, würden sie noch eine Kleinigkeit essen.
Auf dem Weg kamen sie in einen kleinen Park, der sich in der Mitte von zwei Straßen befand. Der Park war von Büschen und Bäumen umgeben. In der Mitte befand sich ein kleiner Weiher und eine Wiese. Wege führten um das Wasser und über die Wiese. Wahrscheinlich würde dieser Park eher für Leute benutzt, die ihre Hunde ausführten. Ein paar Laternen leuchteten fahl. Keine Person war zu sehen.
Die Jugendlichen waren ausgelassen und lachten laut. Sie machten sich auch ein wenig über Jojo lustig und seiner neuen Liebe. Doch er ließ es über sich ergehen, da er sich auf das Laufen konzentrieren musste. Seine Beine waren wie Pudding und er schwankte ziemlich. Normalerweise trank er keinen Alkohol. Er war es einfach nicht gewohnt und jetzt war er ziemlich betrunken.
Die fünf jungen Elementaristen passierten den Weiher und liefen dann den Mittelweg entlang. Plötzlich erbebte die Erde und alle versuchten, sich auf den Füßen zu halten. Nur Jojo gelang es nicht und er landete auf dem Po.
»Was ist das?«, rief Aria entsetzt.
Da tauchte eine Gestalt vor ihnen auf, die komplett eingehüllt war in einem schwarzen Umhang. Eine Kapuze verdeckte das Gesicht, da es dadurch komplett im Schatten lag.
Die Jugendlichen wussten sofort, dass sie angegriffen wurden. Als das Beben aufhörte, stellten sie sich kampfbereit auf. Nur Jojo brauchte Hilfe beim Aufstehen.
»Wer bist du?«, brüllte Iggy. »Was willst du?«
Doch die Person hatte wohl keine Lust zu antworten. Stattdessen griff sie an. Sie schlug mit der Faust auf den Boden, sodass sich ein übler Riss darin bildete und die Erde aufspaltete. Dieser Riss kam auf die fünf Freunde zu. Alle sprangen zur Seite, um sich zu retten.
Der Feuer-Elementarist zögerte nicht und schleuderte ein paar Feuerbälle auf den Unbekannten. Diese wurden aber gekonnt durch ein Schutzschild aus Stein abgewehrt.
Marina füllte den Spalt in der Erde mit Wasser und ließ eine kraftvolle Welle auf den Angreifer los. Doch da schloss der Bösewicht den Boden wieder, sodass das Wasser darin versiebte.
Aria flog mit Hilfe ihrer Fähigkeiten in die Luft, drehte sich und erzeugte dadurch einen Wirbelsturm, den sie auf die dunkle Gestalt losließ. Dieser baute einen Erdwall auf, gegen das der Wirbelsturm flog und sich wieder auflöste. Jojo ging das alles viel zu schnell. Ihm drehte sich alles und er erkannte gar nicht, was das so richtig passierte. Robin kam dann die Idee, die eigenen Waffen gegen den Angreifer einzusetzen und errichtete weitere drei Wände um die Gestalt herum.
»Jetzt haben wir dich«, rief das Elementum siegessicher.
Doch die Person lief einfach durch diese Wände aus Erde, als wären sie Luft. Die fünf Jugendlichen schauten entsetzt, als sie das sahen.
»Das gibt es doch nicht!«, schrie Marina schockiert.
Der Bösewicht hob seine Hände in die Luft, womit ebenfalls einige Felsen aus der Erde nach oben schwebten. Robin und die anderen ahnten schon, was für ein Angriff kommen würde.
»Achtung!«, schrie er. »In Deckung!«
Und schon prasselten die Felsen auf sie nieder. Aria wich ihnen tänzelnd aus. Iggy sprang hinter einen Baum, wogegen ein riesiger Stein abprallte. Robin stellte sich schützen vor Marina und bekam direkt einen Fels in den Bauch. Er krümmte sich vor Schmerz.
»Robin«, schrie seine Freunden voller Furcht.
Jojo versuchte die Steine mit seinem Willen abzuhalten. Kurz vor seinem Gesicht blieben sie in der Luft hängen. Aber es fiel ihm schwer, weil er nicht klar denken konnte. In diesem Moment schwor er sich, niemals mehr Alkohol zu trinken.
Der Angreifer ließ von ihm ab und die Brocken fielen zu Boden. Doch er gab nicht auf. Mit der Hand formte die Gestalt einen großen Erdklumpen. Mit ihm rannte sie auf die Jugendlichen zu.
»Was soll das?«, rief Iggy.
Da schleuderte sie den Klumpen mit aller Macht auf den Feuer-Elementaristen. Bevor er ihn jedoch traf, ließ  Marina ihren Wasserstrahl auf den Klumpen los und verwandelte die Erde in Schlamm, welches auf den Boden platschte.
Diese Sekunde nutzte Aria aus und erzeugte einen heftigen Windstoß, der den Angreifer in der Kutte vom Boden riss und einige Meter nach hinten warf.
»Sehr gut, Aria«, lobte Robin, der sich wieder langsam aufrichtete.
Iggy wollte sich rächen und ließ einen gewaltigen Feuerstrahl auf den Bösewicht los. Dieser zog seinen Umhang zum Schutz über sich. Schließlich rannte er davon.
»Wir haben es geschafft«, freute sich Marina. »Wir haben ihn in die Luft geschlagen.«
»Aber wer war das?«, fragte Robin mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht.
»Er beherrschte auf jeden Fall das Element der Erde«, fügte Jojo hinzu, der nun langsam ernüchterte.
»Ich habe es gewusst«, fuhr das Elementum fort. »Die Gefahr ist nicht gebannt. Da steckt noch mehr dahinter, als wir dachten.«
»Du meinst, dieser Typ gehört zu den gleichen Leuten wie dieser komische Harry Känn, der dich entführt hatte?«, hakte Aria nach.
Der Luft-Elementarist, von dem sie spricht, saß nun hinter Gittern. Er hatte ein Flugzeug zum Absturz bringen wollen, in dem Robin saß. Das klappte nicht. Später entführte er ihn. Doch Aria konnte ihn finden und gemeinsam streckten sie den Mann nieder. Bis heute schweigt er über seinen Auftraggeber. Robin vermutet Elma von Zimmenthal dahinter, aber das konnte nicht bewiesen werden.
»Er war nur eine Marionette wie dieser Erd-Elementarist es auch ist. Da gibt es einen Auftraggeber dahinter. Oder vielmehr eine Auftraggeberin.«
Robin war sich sehr sicher.
»Dann weiß unser netter Herr Dreizack bestimmt auch etwas«, sprach Marina. »Blöd ist nur, dass wir nichts aus ihm herausbekommen können.«
Narius Dreizack war der Nachfolger von Tiberius von Zimmenthal für das Element Wasser im Haus 4E. Aria hatte ihn bei einem Telefonat belauscht und so herausgefunden, wo Robin bei seiner Entführung hingebracht wurde. Seitdem sind sich die Jugendlichen sicher, dass er ebenfalls Dreck am Stecken hat. Ihre Rektorin Serafina Funke glaubt ihnen zwar, aber ihr waren die Hände gebunden. Wachsam konnten sie aber trotzdem sein.
»Und was machen wir nun?«, wollte Iggy wissen. »Sagen wir es jemanden?«
»Nein«, bestimmte das Elementum. »Was wird man dann tun? Wieder ein besonderes Auge auf uns werfen und uns Ausgangssperre verpassen. Die E-Wehr fahndet dann wieder blind nach einer Person und wendet sich nicht an Elma von Zimmenthal. Das ist doch sinnlos. Lasst es uns zunächst für uns behalten.«
Die Jugendlichen verstanden ihren Freund und daher nickten sie ihm zustimmen zu.
»Gut«, sprach nun Aria. »Lasst und zurück ins Internat gehen, bevor wir noch Ärger bekommen, weil wir so lange unterwegs waren.«
»Ist alles okay, Robin?«, sorgte sich Marina um ihren Freund.
»Es geht schon.«
»Und bei dir, Jojo?«, wollte Iggy wissen.
Der muskulöse Erd-Elementarist war wieder voll da und konnte gerade laufen. Das Adrenalin in seinem Körper hatte vielleicht dafür gesorgt.
»Mir geht es wieder gut«, antwortete er.
So ging der tolle Abend mit einem bösen Kampf zu Ende. Dabei wollten die fünf Freunde doch nur ausgelassen den Geburtstag eines Freundes feiern. Jetzt wussten sie wieder, dass sie auf der Hut sein mussten. Es gab einen Gegner, der ihnen an den Kragen wollte. Vorsicht war geboten.