Sonntag, 23. Juni 2019

[Elementum 4] Heiße Luft - Kapitel 14


Iggy war noch vor Robin wach und brachte daher ihre Freunde auf den neusten Stand. Im Aufenthaltsraum trommelte er Aria, Marina und Jojo zusammen.
     »Warum humpelst du?«, wunderte er sich, als Aria den Raum betrat.
     »Ach, das wird schon wieder«, wehrte sie leichtfertig ab.
     Dann erzählte er ihnen alles, was er von Robin in der Nacht erfahren hatte. Marina war aufgebracht und entsetzt. Sie sorgte sich sehr um ihren Freund und ließ sich nicht davon abhalten, zu ihm zu stürmen.
     Wie wild klopfte sie an seine Tür. Davon wurde er geweckt und stöhnte:
     »Wer ist da?«
     Da schoss sie ins Zimmer und schmiss sich quasi auf das Elementum.
     »Marina?«, rief er verwirrt.
     »Geht es dir gut? Ich habe mir solche Sorgen gemacht.«
     »Woher weißt du…?«
     »Iggy hat uns alles erzählt.«
     Robin richtete sich verschlafen auf. Sein Haar war zerzaust. So wollte er nicht, dass seine Freundin ihn sah.
     »Mir geht es gut, Marina. Frau d’Air und ich hatten alles unter Kontrolle.«
     »Das ist doch unglaublich«, sprach das Mädchen erregt. »Wie konnte so etwas passieren? Ich dachte, wir seien nun endlich außer Gefahr und das passiert so was.«
     »Ich werde Florian gleich anrufen und ihn informieren. Mal sehen, was er dazu sagt.«
     »Das ist eine gute Idee. Dann lass ich dich wieder allein. Wir sehen uns später.«


Nachdem Robin sich frisch gemacht hatte, schnappte er sich sein Smartphone und wählte Florian Argons Nummer. Nach dem dritten Klingeln nahm er das Gespräch an.
     »Hey Robin, wie geht es dir?«
     »Ich habe einen Flugzeugabsturz überlebt. Also gut.«
     »Ja, ich habe schon davon gehört. Deine Schulleiterin hat uns informiert. Wir werden Frau d’Air und dich dazu noch genauer befragen. Ein Elementarist hatte da seine Finger im Spiel.«
     »Ja, er wollte, dass wir sterben. Ich denke, Frau von Zimmenthal hat ihn engagiert.«
     »Jetzt halt mal den Ball flach. Das ist eine Anschuldigung, für die wir keine Beweise haben. Offiziell hatte das Flugzeug einen technischen Defekt. Somit ist der Fall für die gewöhnliche Polizei abgeschlossen. In den Nachrichten wird von einem Wunder berichtet, da alle Passagiere überlebten. Den Piloten wird wahrscheinlich ein Orden verliehen werden.«
     »Dabei hätten ihn Frau d’Air und ich verdient. Wir sorgten dafür, dass das Flugzeug sicher auf der Erde ankam.«
     »Das finden wir auch großartig. Das habt ihr toll gemacht. Nun müssen wir diesen Verbrecher finden, der dafür verantwortlich ist.«
     »Werdet ihr auch Frau von Zimmenthal befragen?«, hakte Robin interessiert nach.
     »Nein, dafür gibt es keinen Grund.«
     »Aber sie hat den Flug doch bezahlt. Sie sorgte dafür, dass ich in dem Flugzeug saß. Ich bin sicher, sie wollte mich töten lassen.«
     »Ich glaube dir ja«, sprach Florian Argon, »aber dafür gibt es eben keine Beweise. Es könnten auch zig andere Gründe geben. Vielleicht warst du gar nicht das Ziel und der Elementarist wollte einen terroristischen Akt verüben. Es hätte nur Zufall sein können, dass du auch im Flugzeug warst. Oder ganz jemand anderes hat ihn beauftragt. Wir wissen es nicht.«
     »Das ist doch Humbug«, widersprach der Siebzehnjährige vehement. »Ihr müsst doch dieser Sache nachgehen. Warum wollt ihr den Tatsachen nicht ins Auge sehen?«
     »Robin, ich weiß, wie du dich fühlst. Und ich kann mir vorstellen, dass dir die von Zimmenthals nicht geheuer sind. Aber wir sind auch nur eine Behörde und müssen nach Vorschrift handeln.«
     Das Elementum stöhnte. Er konnte es nicht fassen. Für ihn lag es ganz klar auf der Hand und es nicht das erste Mal, dass man ihm nicht glaubte. Wieder einmal tat man nichts, um den eigentlichen Übeltäter zu schnappen. Wieder wurden seine Bedenken ignoriert.
     »Und was ist mit Narius Dreizack?«, wollte der blonde Jugendliche zumindest wissen.
     »Was soll mit ihm sein?«
     »Er weiß doch bestimmt auch etwas. Wird er befragt?«
     »Für ihn gilt dasselbe wie für Elma von Zimmen-thal. Es gibt keine stichhaltigen Beweise, ihn in die Mangel zu nehmen. Wir können jetzt nicht irgendwelche Leute befragen, nur weil du ein persönliches Problem mit ihnen hast.«
     In Robin stieg eine Wut auf, aber er versuchte sie zu unterdrücken.
     »Und wie geht es nun weiter?«
     »Wir werden euch um eine detaillierte Beschreibung des Elementaristen von euch bitten. Dann wird es eine europaweite Fahndung nach ihm geben. Mehr werden wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht tun können.«
     Robin war entsetzt darüber, aber er hatte keine Lust mehr, dagegen zu argumentieren. Er wusste, dass es sinnlos sein würde.
     »Die Elementaristin, die du in London treffen solltest, wird nun übrigens zu dir nach Frankfurt kommen und dort mit dir trainieren.«
     »Wie bitte?« Robin traute seinen Ohren nicht.
     »Elma von Zimmenthal hat das organisiert. Sie findet es schade, wenn du diese Chance versäumen würdest.«
     »Wie um alles in der Welt weiß sie denn schon von dem Vorfall?«, reagierte das Elementum aufgebracht. »Da muss sie doch etwas damit zu tun haben. Oder Narius Dreizack hat es ihr gleich mitgeteilt.«
     »Jetzt beruhige dich. Von dem Absturz wurde in allen Medien berichtet. Frau von Zimmenthal schaut auch fern, hört Radio oder liest Zeitung. Daher weiß sie es. Dann hat sie sich sofort bei mir gemeldet und versprochen, dass sie das organisieren wird. Sie kann sich nämlich kaum vorstellen, dass du dich nach diesem Vorfall wieder so schnell in ein Flugzeug traust.«
     »Du glaubst aber auch alles. Das ist doch wieder eine Falle. Wahrscheinlich wird mich diese Luft-Elementaristin auch ermorden wollen. Und ihr lasst das einfach so zu.«
     »Wenn du willst, werde ich bei diesem Training dabei sein. Dann beschütze ich dich im Notfall.«
     »Also gut.«
     »Dann hören wir uns später. Und jetzt mach dir nicht mehr so viele Sorgen. Alles wird gut.«
     Robin glaubte nicht daran. Als er auflegte, war er frustriert und enttäuscht. Am liebsten würde er die Exfrau seines ehemaligen verhassten Lehrers selbst zur Rede stellen. Er war überzeugt, dass sie dahinter steckte, aber ihm schien niemand zu glauben. Zum Glück hatte er seine Freunde, auf die er sich verlassen konnte.
     Sofort machte er sich auf den Weg zu ihnen und brachte sie auf den neusten Stand. Sie waren ebenso schockiert wie er. Sie schworen sich, hinter Robin zu stehen und auch Narius Dreizack im Auge zu behalten. Ihnen war die ganze Sache nicht geheuer.
     »Wir halten zu dir«, versprach Marina und die anderen drei Elementaristen stimmten zu.
     »Danke, Freunde. Ohne euch würde ich mich wahrscheinlich in dieser Situation sehr einsam fühlen.«
     »Und dabei hattest du in der Vergangenheit immer so einen guten Riecher bewiesen«, lobte ihn Iggy. »Sie sollten mehr auf deine Instinkte vertrauen.«
     Im Innern sah das Robin selbst genauso. Wie oft hatte er die E-Wehr vor Tiberius von Zimmenthal gewarnt, aber keiner hatte ihm geglaubt. Er befürchtete, dass sich das alles wiederholte. Und das störte ihn. Aber er war wohl machtlos und das musste er zu diesem Zeitpunkt akzeptieren.