Mittwoch, 15. Mai 2019

[ESC] 1. Semifinale 2019

Gestern Abend fand das erste Seminfinale des Eurovision Song Contest 2019 statt. Für mich ist der ESC jedes Jahr ein absolutes Highlight, was ich mehr zelebriere als meinen Geburtstag oder Weihnachten. Ich freue mich auf die Songs, auf die Performances und die außergewöhnlichen Bühnenbilder. Allerdings war das gestrige Spektakel meiner Meinung nach etwas enttäuschend. Viele Songs haben mir nicht so gut gefallen.

Ich sitze jedes Jahr mit meiner Liste da und vergebe ebenfalls Punkte. Daraus entsteht meine persönliche Top Ten. Leider haben es nur sechs aus meiner Liste wirklich ins Finale geschafft, wobei ich bei einem Act etwas traurig bin. Bei den anderen hält sich meine Enttäuschung in Grenzen.

Zunächst einmal gehe ich hier auf die zehn Länder ein, die es tatsächlich ins Finale geschafft haben, wobei ein paar Überraschungen dabei waren.

Nicht überrascht war ich bei dem Song "Replay" von Tamta aus Zypern. Sie war die erste Kandidatin und der Up-Tempo-Song ist der perfekte Start für eine ESC-Party. Zwar hört sich das Lied an, als ob Zypern ihn zum x-ten mal einreicht, aber bei mir funktioniert er.

Slowenien war für mich eine deutliche Überraschung, weil ich sie bei mir auf dem letzten Platz gesetzt hatte. Das Lied "Sebi" von Zala Kralj und Gasper Santl ist totlangweilig. Die Melodie verändert sich gefühlt überhaupt nicht. Es gibt keinen Höhepunkt und auch die Performance war... wie soll ich sagen... nicht vorhanden. Die beiden Interpreten standen sich gegenüber: Sie singend und er mit der Gitarre in der Hand. Das Lied ist zum Einschlafen und trotzdem hat es wohl ein paar Zuschauern gefallen. Ich vermute das lag an dem jungen Mann auf der Bühne, der ziemlich attraktiv war.

Die Tschechische Republik hatte ich auch auf dem Schirm. "Friend of a Friend" von Lake Malawi ist ein Gute-Laune-Popsong mit einem durchaus guten visuellen Spektakel. Mich haut der Song nicht vom Hocker, aber er ist auch nicht schlecht. Durchschnitt halt. Für das Finale hat es gereicht.

Mein Favorit des Abends war "Like it" von Zena aus Weißrussland. Die Sängerin ist für ihre 16 Jahre sehr selbstbewusst, kann super performen und das Bühnenbild war ebenfalls grandios. Das Lied gefiel mir an dem Abend am besten.

Serbien hatte ich nicht auf dem Schirm, aber wenn man sich die Ballade "Kruna" von Nevena Bozovic mehrmals anhört (was man ja durch die Wiederholungen des Schnelldurchlaufs zwangsläufig macht), kann man ihr langsam etwas abgewinnen. Die Stimme der Sängerin ist auf jeden Fall schön.

Seit der Berechtigung der Teilnahme dieses Landes, schaffte es Australien immer ins Finale. Auch dieses Jahr. "Zero Gravity" von Kate Miller-Heidke hat aber meiner Meinung nach nicht durch den langweiligen Song brilliert, sondern wegen des Schauspiels auf der Bühne: Die Sängerin und zwei Tänzerin schwebten auf einer 5m-hohen Stange über die Bühne und ihm Hintergrund sah man den Planeten. Das war visuell gesehen super und hat wohl die Zuschauer zum Anrufen animiert. An den Song kann ich mich jetzt schon nicht mehr erinnern.

Mal was ganz anderes bietet Island mit dem Song "Hatrid mun sigra" von Hatari. Mir haben die visuellen Geschehnisse auf der Bühne sehr gefallen. Diese Fetisch-Kostüme mit dem roten Licht fand ich sehr interessant. Dem "Gesang" konnte ich leider überhaupt nichts abgewinnen. Dieses Gekreische des Hauptsängers ist nicht auszuhalten. Und der Typ, der den "Refrain" singt, haut alle Töne daneben.

"Storm" von Victor Crone aus Estland ist ein öder, stinknormaler Country-Popsong. Da hat mich überhaupt nichts beeindruckt und trotzdem hat er es ins Finale geschafft. Ich kann mir nicht erklären, warum. Gewöhnlichkeit siegt doch meistens nie.

Bei Griechenland verhält es sich ähnlich wie bei Australien. "Better Love" von Katerine Duska ist ein Song, den man sofort wieder vergisst. Aber die märchenhafte Bühnenperformance mit der riesen Blüte im Hintergrund, tanzende Feen und ausfallende Kostüme bleiben im Gedächtnis.

Zuletzt schockierte mich, dass es Serhat aus San Marino mit dem Song "Say Na Na Na" ins Finale geschafft hat. Er trat als letztes auf und ich fand die ganze Performance trashig. Da steht ein über 50jähriger Mann ohne Stimme auf der Bühne und winkt den Zuschauern zu einem Happy-Gute-Laune-Lied zu. Kitschig hoch zehn und es passt alles einfach nicht zusammen. Trotzdem im Finale. Krass!

Das sind also die ersten zehn Finalisten. Nicht geschafft hat es meiner Meinung nach leider Ungarn. Joci Papai trat schon vor zwei Jahren mit einem super Song auf und dieses Jahr hat mir "Az en apam" auch gut gefallen. Er war meine Nummer 2 an dem Abend, aber er darf leider nicht zum Finale. Dass Darude mit "Look Away" aus Finnland nicht ins Finale kam, hat mich ebenfalls gewundert. Ich dachte, allein wegen seines Fames würde er es schaffen. Ups! Bei "Fire of Love" von Tulia aus Polen war ich zwiegespalten. Entweder dachte ich mir, dass dieser Song ein Hit wird oder dass er total floppen wird. Letzteres ist geschehen, obwohl ich den Song nach mehrmaligem Hören irgendwie interessant finde. Auch auf dem Schirm hatte ich persönlich Portugal mit dem Lied "Telemoveis" von Conan Osiris, weil die Performance so durchdacht und interessant wirkte. Aber scheinbar fanden das nicht so viele.

Auch wenn mir viele Leider nicht gefallen haben, genoss ich den Abend. Super fand ich übrigens auch den Auftakt mit der Siegerin aus dem letzten Jahr, Netta und ihrem Lied "Toy". Außerdem trat Dana International, die Siergein von 1998, auf und sang "Just the way you are" von Bruno Mars. Dabei gab es eine "Kiss-Cam" und die Zuschauer mussten knutschen, wenn sie auf sie gerichtet war. Das hat mich total berührt. Sehr schön.

Nun freue ich mich auf Donnerstag. Ich glaube, das zweite Seminfinale wird besser, da schon zwei meiner Favoriten dabei sind.