Sonntag, 5. Mai 2019

[Elementum 4] Heiße Luft - Kapitel 8


Arm in Arm schlenderten Brisa und Jojo aus dem Kino. Der Abend war sehr schön, obwohl es noch recht kühl war.
     »Wie hat dir der Film gefallen?«, fragte die Luft-Elementaristin, ohne Jojo wirklich eine Chance zur Antwort gegeben zu haben, denn sie sprach einfach weiter. »Mir hatte ja der erste Teil besser gefallen, aber dieser war jetzt auch nicht schlecht. Am Anfang war er etwas langweilig, aber später wurde es dann noch richtig spannend. Die Action-Szenen waren gut gemacht. Der Film hätte sich bestimmt auch in 3D gelohnt, obwohl ich ja 3D-Filme nicht so gerne schaue. Mir wird nach einer gewissen Zeit schlecht, wenn ich diese Brille aufhabe.«
     Brisa redete ohne Punkt und Komma, aber das störte den Erd-Elementaristen nicht, da er ja eher der ruhige Typ war und nicht so gerne sprach.
     »Wollen wir vielleicht noch eine Pizza essen gehen?«, fragte die hübsche Blondine den muskulösen Erd-Elementaristen.
     Er nickte lächelnd und so liefen sie ein paar Schritte zur nächsten Pizzeria. Sie setzten sich hin und bestellten sich eine Cola. Die Kellnerin brachte ihnen eine Karte.
     »Ich weiß schon, was ich nehme. Eine Pizza mit Thunfisch. Und du?«, fragte sie ihren Freund.
     »Ich nehme eine vegetarische Pizza«, antwortete er.
     Sie gaben die Bestellung auf und warteten. Da Jojo von selbst kein Gesprächsthema anschnitt, tat dies eben Brisa.
     »Sag mal, Jojo, du verstehst dich gut mit Aria, oder?«
     Er nickte, ohne weitere Erklärungen abzugeben.
     »Wie kommt das?«
     »Robin brachte uns eben zusammen – also ihn, Iggy, Marina, Aria und mich.«
     »Wenn ich das mal so sagen darf«, begann die Luft-Elementaristin, »seid ihr ein seltsames Gespann.«
     Jojo schaute nur irritiert und wusste nicht, was seine Freundin damit meinte. Dann fuhr das Mädchen fort, wobei es fast so aussah, als würde sie zu sich selbst sprechen und nicht zu Jojo:
     »Robin beherrscht alle vier Elemente, Iggy ist ein Feuer-Elementarist, Marina eine Wasser-Elementaristin, du bist ein Erd-Elementarist und Aria eine Luft-Elementaristin...«
     »Ja«, entgegnete der Muskelprotz einfach.
     »Was ein Zufall«, sagte Brisa mit einem skeptischen Unterton in der Stimme.
     Dann rückte Jojo mit der Sprache raus und erzählte ihr, was sie hören wollte:
     »Robin hat einen Zirkel zusammengestellt und so kam das.«
     »Wie bitte?«, erwiderte Brisa ihm gespielt entrüstet. »Das ist doch viel zu gefährlich für so unerfahrene Schüler wie euch.«
     »Wir sind vorsichtig.«
     Brisa dachte kurz nach und für einen Moment war Stille zwischen den beiden. Dann brachte die Kellnerin ihre Pizzen. Jojo begann, sich eine Ecke zu nehmen und ein großes Stück davon abzubeißen. Gierig aß er, während Brisa noch immer dasaß und Jojo interessiert anstarrte. Als der Erd-Elementarist dies bemerkt, schluckt er den Bissen herunter, legte das Pizzastück zurück auf den Teller und sagte knapp:
     »Was ist?«
     »Ich möchte dazugehören«, platzte es aus ihr heraus.
     »Wozu?«, fragte Jojo nach, der auf der Leitung stand.
     »Zum Zirkel natürlich. Ich will dazugehören und Teil eures Zirkels sein.«
     »Das geht nicht«, erwiderte er, »denn es kann je nur ein Elementarist für jedes Element in einem Zirkel sein. Und wir haben bereits eine Luft-Elementaristin.«
     »Du meinst Aria?«, gab Brisa leicht verächtlich zurück. »Sie ist doch schwach. Wenn ich eurem Zirkel angehören würde, wärt ihr besser dran.«
     »Aria ist doch nicht schwach«, verteidigte er sein Teammitglied. »Ich finde nicht in Ordnung, wie du über sie sprichst. Sie ist eine gute Freundin von mir. Außerdem würden die anderen das ebenfalls nicht zulassen, Aria einfach auszutauschen.«
     Innerlich ärgerte es die Luft-Elementaristin, wie Jojo reagierte. So viel hatte er quasi noch nie am Stück in ihrer Gegenwart gesagt und dann ging es dabei noch um ihre verhasste Ex-Zimmergenossin. Doch sie ruderte schnell zurück, da sie Jojo nicht verprellen wollte:
     »Es tut mir leid, Jojo. So hatte ich das gar nicht gemeint. Ich bin nur ein wenig eifersüchtig auf euch. Ich wäre auch so gerne in einem Zirkel, aber mir ist bewusst, dass ich mir irgendwann einmal wohl mein eigenes Team um mich scharen muss.«
     Damit beschwichtigte sie ihren Freund wieder ein wenig und er nickte lächelnd.
     »Und nun lass uns die Pizza genießen«, schlug sie vor und schnappte sich das erste Stück.

Währenddessen lagen Iggy und Robin auf ihre jeweiligen Betten und lasen ein Buch für ihren Literaturunterricht. Sie kämpften sich durch ein Buch von Franz Kafka, was ihnen absolut keinen Spaß bereitete.
     Da klingelte Robins Handy. Auf dem Display sah er, dass es Florian Argon war.
     »Hallo, Flo!«, begrüßte ihn das Elementum.
     »Hey, Robin! Ich rufe an, weil dein nächster Wochenendausflug ansteht. Die Exfrau von Tiberius von Zimmenthal hat ihn organisiert.«
     »Das heißt nichts Gutes«, erwiderte Robin resigniert.
     »Wieso? Was meinst du?«
     »Hallo? Eine von Zimmenthal hat ihre Finger im Spiel. Das führte in der Vergangenheit immer zu Problemen.«
     »Ach Quatsch«, wehrte Florian Argon ab. »Sie ist nicht wie ihr Exmann. Die beiden können sich nicht ausstehen und deshalb hatten sie sich ja geschieden. Von ihr geht keine Gefahr aus.«
     »Das meinst du. Ich traue der ganzen Sache nicht. Warum mischt sie sich jetzt ein, wenn sie doch angeblich keine Verbindung zu ihrem Mann hat. Dann müsste sie sich doch auch nicht für seine Taten verantwortlich fühlen.«
     »Das tut sie auch nicht. Es ist eher wegen ihres Sohnes. Es soll eine Widergutmachung sein.«
     »Siehst du«, sprach der Siebzehnjährige. »Mit ihrem Sohn ist es doch das selbe.«
     »Aber er hat doch nur die Drecksarbeit für seinen Vater gemacht. Und das heißt Elma von Zimmenthal nicht gut. Ich glaube, sie macht sich selbst Vorwürfe, dass sie ihren Sohn nicht davon abhalten konnte.«
     »Ich bin nicht davon überzeugt«, entgegnete Robin seinem Mentor von der E-Wehr.
     »Tiberius und sie haben gar keine Verbindung mehr zueinander. Sie hat einen neuen Partner, der sogar sehr vermögend ist. Sie hat es doch gar nicht nötig, in üble Machenschaften verwickelt zu sein.«
     »Als würde es dabei um Geld gehen«, wehrte der Jugendliche ab. »Tiberius von Zimmenthal hatte es finanziell bestimmt auch nicht nötig, mich abzumurksen. Aber gut, mein Freund, wenn du so überzeug bist. Wohin geht denn die Reise dieses Mal?«
     »Es geht ins Ausland.«
     »Wie bitte? Ins Ausland? Das ist ja cool!«
     »Du wirst eine Luft-Elementaristin in London treffen, die als sehr mächtig gilt. Von ihr kannst du bestimmt einiges zum Element Luft lernen.«
     »Wie bitte?«, hakte Robin überrascht nach. »Ich werde nach England fahren?«
     »Was?«, mischte sich nun Iggy neugierig von der Seite ein.
     »Nicht fahren«, antwortete Florian. »Am Samstagmorgen geht dein Flug und am Sonntagabend fliegst du zurück. Es ist ein kurzer Aufenthalt, aber der Flug ist recht kurz.«
     Damit hatte das Elementum nicht gerechnet. Er würde nach London fliegen, was echt cool war. Damit waren seine skeptischen Gedanken schon wieder vergessen. Stattdessen kam Freude auf.
     »Nun erzähl schon«, kam es wieder von Iggy. Er war mittlerweile aufgesprungen und hatte sich zu Robin aufs Bett gesetzt. »Du fliegst wirklich nach England?«
     »London«, flüsterte er seinem besten Freund zu und hörte dann wieder auf Florians Worte:
     »Wahrscheinlich wirst du aber nicht viel von der Stadt sehen. Vielleicht habt ihr am Abend etwas Zeit.«
     »Das ist egal«, entgegnete Robin fröhlich. »Hauptsache ich fliege da überhaupt hin. Das ist so aufregend.«
     »Nun gut, dann bereite dich darauf vor und wir hören uns.«
     »Bis dann«, sprach der Siebzehnjährige ins Handy und legte auf.
     »Super, Robin! Du fliegst nach London. Ich bin so neidisch.«
     »Ich kann es kaum fassen«, erwiderte der blonde Elementarist und umarmte seinen besten Freund hoch erfreut.