Sonntag, 20. Januar 2019

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 25

Am nächsten Tag war es soweit. Narius Dreizack holte Robin aus der Zentrale der E-Wehr mit seinem Kleinwagen ab. Gemeinsam fuhren sie los und stiegen irgendwann an einem Waldrand aus.
Was soll ich denn heute genau lernen?“, fragte das Elementum misstrauisch nach. Doch der Wasser-Elementarist blieb gelassen und antwortete:
Heute schauen wir uns die Bäume in diesem Wald ganz genau an. Zwar sind die meisten noch ohne Blattwerk, aber an der Rinde kannst du auch schon ausmachen, um welchen Baum es sich handelt.“
Robin glaubte der ganzen Sache natürlich nicht. Heimlich informierte er seine Freunde, wo er sich genau befand. Zwischendurch filmte er sogar eine kleine Sequenz, damit sich die anderen daran orientieren konnten und ihn wiederfanden, wenn sie sich selbst durch den Wald bewegten.
Anfangs begegneten sie noch Spaziergängern, die mit ihrem Hund eine Runde durch den Wald liefen. Doch sie gingen immer tiefer in den Wald, dass sie schon bald keiner Menschenseele mehr begnet waren. Herr Dreizack redete die ganze Zeit über und erklärte Dinge über Bäume und Pflanzen. Der Siebzehnjährige hörte garnicht richtig hin, weil er sich schon dachte, dass es sich um ein Ablenkungsmanöver handelte. Stattdessen schaute er immer wieder auf sein Handy und schickte seinen Standort via GPS an seinen Zirkel.

Einige Zeit später kamen sie an eine Lichtung. Da blieb der Privatlehrer plötzlich stehen und hörte auf zu reden.
Was ist los?“, fragte Robin nach.
Hören Sie das?“
Jetzt wusste das Elementum, dass es losgehen würde und er machte sich innerlich bereit. Die Falle würde zuschnappen und der dicke Lehrer würde ihn wahrscheinlich angreifen.
Doch stattdessen traten vier andere Personen von allen Seiten auf die Lichtung. Robin erschrak und schaute sich um. Er kannte drei der Personen nicht, doch als er die vierte erblickte, krampfte alles in ihm zusammen.
Herr von Zimmenthal!“
Genau!“, entgegnete der neue Schulleiter gut gelaunt. „Schön, Sie wieder zu sehen, Herr Held.“
So ein Blödsinn“, rief der Siebzehnjährige aufgebracht. „Ich weiß ganz genau, dass Sie hinter allem stecken. Sie haben Herrn Quinn umbringen lassen.“
Da liegst du aber falsch“, lachte der Wasser-Elementarist laut. „Ich war es sogar selbst, der ihn ermordet hat.“
Wusste ich es doch!
Sie Mistkerl!“, beleidigte der Schüler den bösen Elementaristen. „Und darf ich raten, Sie anderen sind die neuen Lehrer im Haus 4E.“
Sehr gut kombiniert“, antwortete Silvia Lehmann irre grinsend.
Narius Dreizack blieb die ganze Zeit über still. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Er stand noch immer neben dem Elementum und fühlte sich dabei sehr unwohl. Die anderen Lehrer um sie herum wirkten nämlich sehr bedrohlich.
Was wollen Sie von mir?“, fragte Robin weiter.
Dich endlich loswerden“, gab der Rektor zur Antwort. Und dann schleuderte er einen Wasserstrahl auf den Siebzehnjährigen.
Robin bückte sich zur Seite, sodass Narius Dreizack getroffen und auf den Boden geschleudert wurde. Dabei schrie er laut los.
Hören Sie sofort damit auf!“, forderte Robin den Wasser-Elementaristen auf. Doch er wusste, dies war vergeblich.
Narius Dreizack hievte sich schwer atmend auf und lief ängstlich davon. Die anderen Lehrer ließen ihn gehen.
Jetzt, liebe Freunde“, sprach Tiberius von Zimmenthal, „lasst uns beginnen und diesem Wicht den Gar ausmachen.“
Robin erschrak, als er diese Worte hörte. Jetzt begann er, Panik zu bekommen. Sein Herz pochte. Er befürchtete, dass er keine Chance gegen vier ausgebildete Elementaristen hatte. Einer von ihnen war ja schon stark genug – aber vier? Was sollte er nun tun?
In diesem Moment schleuderten alle vier ihre Kräfte auf ihn. Von Herrn Zimmenthal kam wieder ein Wasserstrahl, von Frau Lehmann ein Strahl aus Erdmasse, von Herrn Hott ein Feuerstrahl und von Herrn Wynton ein Luftstoß. Robin sah schon sein ganzes Leben an ihm vorbeiziehen, als die vier Kräfte auf ihn zurasten.
Doch im letzten Moment kam ihm blitzartig eine Idee. Er richtete seine Hände schnell auf den Boden und nutze das Element der Luft, um von der Erde abzuheben. Er schleuderte sich selbst in die Luft und die vier Elemente krachten aufeinander. Da er sich nicht genug konzentrierte schleuderte er weg und fiel hinter Herrn Hott in einen blattlosen Busch.
Autsch“, rief er schmerzerfüllt. Das tat richtig weh, als er hart aufschlug. Der Feuer-Elementarist drehte sich um und warf einen Feuerball auf ihn, doch Robin reagierte geistesgegenwärtig und lenkte den Ball um, sodass er an einen Baum prallte und sich in Rauch auflöste.
Bevor die anderen Elementaristen auf ihn zustürmten, löste er ein Erdbeben aus, sodass alle ins Wanken gerieten und hinfielen. Das junge Elementum stand schnell auf und lief davon. Er rannte, was das Zeug hielt, um den vier Lehrern zu entkommen.
Hinter ihm her!“, hörte er Herrn von Zimmenthal rufen.
Jetzt war er wirklich in höchster Gefahr. Er rannte über Stock und Stein und schaute dabei nicht zurück. Er musste ihnen entkommen.
Plötzlich wurde er von einer Windhose ergriffen und in die Luft geschleudert. Er schrie los und da erschien der Lehrer mit dem weißen, wirren Haaren. Erion Wynton setzte seine elementaren Kräfte ein und Robin konnte sich gar nicht bewegen.
Lassen Sie mich gefälligst runter“, forderte der Siebzehnjährige den Luft-Elementaristen auf.
Niemals“, antwortete Wynton und lachte irre los.
Gut gemacht!“, lobte ihn Tiberius von Zimmenthal, der mittlerweile wieder aufgetaucht war – zusammen mit den anderen aus seinem Zirkel.
Dann ließ der Luft-Elementarist von dem Jungen ab und ließ ihn zu Boden fallen. Auf allen Vieren lag er vor den bösen Lehrern und ihm taten alle Knochen weh.
Der Schulleiter baute sich dann vor dem Jungen auf, bückte sich und schnappte ihn beim Kragen.
Jetzt reicht es mir“, sprach er sehr bedrohlich. „Ich bringe dich mit meinen eigenen Händen um.“
Aufhören!“, rief dann plötzlich eine Mädchenstimme schrill.
Es war Marina. Mit ihr traten Jojo, Iggy und Aria aus dem Wald hervor. Sie erblickten entsetzt die Szene, die sich ihnen bot.
Was tun Sie da?“, fragte Aria, als ob sie es nicht wüsste.
Ihr auch hier?“, rief Frau Lehmann schockiert.
Tun Sie ihm nicht weh“, flehte Marina.
Da ließ von Zimmenthal den Jungen fallen und wendete sich den vier Jugendlichen zu.
Sie hätten nicht hierher kommen sollen. Jetzt werden Sie das Schicksal Ihres Freundes teilen.“
Nein“, stieß Aria erschrocken aus.
Da stellte sich Jojo beschützend vor seine Freunde.
Das werden wir nicht zulassen“, sagte er energisch. Dann hob er seine Hände und holte aus.
Alle blickten sich verwirrt an, denn nichts passierte.
Was ist los?“, fragte der Muskelprotz sich selbst. Er blickte auf seine Handflächen und wiederholte anschließend sein Vorhaben. Doch es tat sich wieder nichts.
Marina kapierte als erstes was los war. Auch sie versuchte, ihr Element zu beschwören, doch es funktionierte nicht.
Oh nein“, sagte sie kleinlaut.
Marina“, fuhr sie Aria an, „sag bloß nicht, es ist das, was ich denke.“
Leider doch“, antwortete die Wasser-Elementaristin panisch. „Wir haben uns unsere eigenen Kräfte entzogen.“
Voller Angst sahen sie sich die vier jugendlichen Elementaristen an.
Schließlich schleuderte Enjo Hott einen Feuerball auf die Jugendlichen. Jojo stellte sich breithändig vor seine Freunde und wurde getroffen. Stöhnend ging er zu Boden.
Jojo!“, schrie Aria. Sie kniete sich neben ihm und begutachtete die Verletzung. An seiner Brust war auf seiner Jacke ein großes Loch gebrannt. Darunter war seine Brust zu sehen, die Verbrennungen aufwies. „Das wirst du büßen!“, drohte die Luft-Elementaristin und versuchte, einen Luftstoß auf den Lehrer zu schleudern. Doch auch sie schaffte es nicht.
Was ist denn da los?“, fragte Silvia Lehmann provokativ. „Haben Sie etwa keine elementaren Kräfte mehr?“
Arias Augen begannen zu Tränen. Sie sah keine Chance mehr, gegen diese skrupellosen Erwachsenen anzukommen.
Jetzt ist es aus, dachte sie sich.
Nun lasst es uns zuende bringen“, begann Tiberius von Zimmenthal. „Wir fangen mit den vier Schwächlingen an und der Höhepunkt wird das Elementum bilden.“
Die vier Lehrer bauten sich vor die vier Schüler auf. Jeder übernahm einen. Silvia Lehmann stellte sich vor den auf dem Boden liegenden Jojo. Erion Wynton kam Aria gefährlich nahe, sodass sie quasi seinen fauligen Atem riechen konnte. Enjo Hott stellte sich breitbeinig vor Iggy. Und der neue und böse Schulleiter Tiberius von Zimmenthal trat als letztes vor seine Lieblingsschülerin Marina.
Die vier Jugendlichen zitterten vor Angst. Robin wusste auch nicht, was er tun sollte. Geschwächt kauerte hinter den Lehrern auf dem Boden. Er hatte sich überschätzt, dachte er. Nun bereute er es, dass er nicht Florian Argon informiert hatte und hier im Alleingang versuchte, diese Verbrecher aufzuhalten. Das musste schief gehen, auch wenn er angeblich ein mächtiges Elementum war.
Enjo Hott war der erste, der Flammen in seinen Händen erschienen ließ. Mit ihnen wollte er Iggy endgültig erledigen. Der junge Rotschopf zitterte vor Angst und ballte seine Fäuste. Da merkte er, dass seine Hände warm wurden. Verblüfft registrierte er, dass er seine Kräfte noch hatte.
Dann bin ich wohl doch nicht so ein Versager, wie ich dachte.
Mit diesem Gedanken konzentrierte er sich, entflammte Feuerbälle in seinen Händen und schleuderte sie mit aller Kraft gegen den bösen Feuer-Elementaristen.
Enjo Hott schrie auf, als er zu Boden ging. Die anderen Lehrer drehten sich zu Iggy um. Dieser fackelte nicht lange und schleuderte weitere Feuerbälle auf die Lehrer. Auch Silvia Lehmann und Erion Wynton wurden getroffen und gingen zu Boden. Nur Tiberius von Zimmenthal konnte in letzter Sekunde den nahenden Feuerball mit Wasser löschen.
Da nutzte Robin die Chance. Er nahm alle seine Kraft zusammen und erhob sich wieder.
Ich unterstütze dich, Kumpel“, rief er Iggy zu.
Das gefiel dem bösen Schulleiter garnicht. Er wendete sich wieder dem Elementum zu, erschuf einen Wasserstrahl und verwandelte ihn in einen Speer aus Eis, wie es einst sein Sohn Kelvin getan hatte.
Von dir hat sich dein Sohn das also abgeschaut“, stellte der Siebzehnjährige fest.
Da feuerte der Wasser-Elementarist den Speer mit voller Wucht ab.
Halt!“, rief Iggy und schleuderte einen Feuerstrahl auf den Speer, der sofort dahinschmolz und als Pfütze auf dem Boden landete.
Danke, Iggy“, rief Robin, der ebenelfalls seine Hände hob und einen Feuerstrahl auf den Lehrer schleuderte.
Bevor Tiberius von Zimmenthal zum Gegenschlag ausholen konnte, griff Iggy von hinten an und nutzte ebenfalls sein Feuer. So wurde der Bösewicht im wahrsten Sinne des Wortes von beiden Seiten gegrillt. Er schrie wie am Spieß.
Da packte jemand Iggy am Bein. Es war Enjo Hott. Doch der junge Feuer-Elementarist schüttelte ihn ab und brüllte:
Ihr haltet mich nicht mehr auf! Jetzt reicht es mir endgültig!“
Genau!“, schrie Robin ebenfalls wütend.
Beide Jungs fingen am ganzen Körper zu glühen an. Herr Hott ließ sofort von Iggy ab, als ob er eine heiße Herdplatte angelangt hätte.
Marina und Aria zogen Jojo beiseite und weg von dem Kampf. Iggy und Robin setzten plötzlich alles in Flammen, bis die bösen Lehrer in einem Feuerkreis eingesperrt waren.
Ihr kleinen Ratten“, schrie Tiberius erschöpft.
Sei endlich still“, befahl Robin, der mit Hilfe seiner Luftkräfte einen Stein vom Boden hob und damit den fiesen Schulleiter niederschlug. Ohnmächtig fiel er zu Boden.
Gerade als die anderen Lehrer etwas sagen wollten, verstärkten die beiden Schüler die Flammen des Feuerkreises.
In diesem Augenblick trat plötzlich eine Gestalt aus den Flammen. Es sah aus wie eine riesige Echse aus Feuer.
Marina starrte erstaunt dahin und flüsterte:
Das ist ein Elementarwesen. Es ist der Salamander.“
Das Wesen umschloss die beiden Jungs und etwas glühte auf ihrer Brust, sodass sie gleich ihre Hand darauf hielten. So schnell wie das Feuerwesen erschienen war, verschwand es auch wieder. Die beiden Jungs schauten sich erstaunt an. Dann öffnete Robin seine Jacke und zog den Kragen seines Shirts nach unten. Direkt neben dem Symbol des Wassers, welches ein Dreieck war, dessen Spitze nach unten zeigte, erschien ein zweites Dreieck direkt daneben. Doch die Spitze des zweiten Dreiecks zeigte nach oben.
Iggy war ganz aufgeregt, als er das sah. Er öffnete ebenfalls seine Jacke und offenbarte schließlich seine Brust. Auch da war das gleiche Symbol zu sehen. Beide grinsten sich freudestrahlend an.
Die Flammen verschwanden, doch glücklicherweise lagen alle vier Lehrer ohnmächtig auf dem Boden. Robin fackelte nicht lange, schnappte sich sein Handy und rief Robin Argon an.
Mit quietschenden Reifen kam die E-Wehr kurze Zeit später an. Eine ganze Truppe kämpfte sich durch den Wald. Sie nahmen die vier bösen Elementaristen fest und die Jugendlichen atmeten erleichtert auf. Endlich war der Spuk vorrüber.