Sonntag, 13. Januar 2019

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 24

Während des Unterrichts offenbarte Narius Dreizack seinem Schüer das Vorhaben:
Wenn du etwas tatsächlich über die Natur lernen willst, müssen wir in die Natur gehen. Hier im geschlossenen Raum oder im Internet kann man vielleicht Theoriewissen anhäufen, aber die Natur muss man erleben.“
Was meinen Sie damit, Herr Dreizack?“, wollte Robin wissen.
Morgen machen wir einen Ausflug in den Wald. Das ist schon mit Herrn Argon abgesprochen.“
Halten Sie das wirklich für klug?“, hakte der Siebzehnjährige nach. „Sie wissen noch, was das letzte Mal passiert ist, als ich mit Ihnen draußen war.“
Aber dieser Kelvin ist doch mittlerweile hinter Schloss und Riegel“, argumentierte der dicke Lehrer.
Das ist wahr, aber ich vermute ja, dass er garnicht der Drahtzieher ist.“
Sondern?“, wollte Herr Dreizack wissen.
Robin überlegte kurz, ob er den Namen des Rektors nennen sollte. Aber er wusste ja, dass dies Dreizacks Vorgesetzter war und er ihn auch für diese Stelle vorgeschlagen hatte. Vielleicht steckten die beiden ja unter einer Decke. Also blieb er lieber still und antwortete:

Eigentlich haben Sie recht. Es wird schon nichts passieren. Ich freue mich auf morgen, mal hier raus zu kommen.“

Später erzählte er das alles seinen Freunden im Gruppenchat:

Robin:
Morgen mache ich mit meinem netten Privatlehrer einen Ausflug in den Wald.
Iggy:
Wieso das denn?
Robin:
Er meint, dass man die Natur erleben und nicht nur theoretisch aus Büchern erlernen muss. Daher gehen wir raus.
Aria:
Das ist doch schön, dass du mal wieder aus deinen vier Wänden herauskommst.
Robin:
Ihr wisst ja noch, was das letzte Mal passiert ist, als ich mit ihm draußen war und mich mit Marina verabredet habe.
Marina:
Da hat uns Herr von Zimmenthals Sohn angegriffen. Meinst du, Dreizack hatte etwas damit zu tun?
Robin:
Ich weiß es nicht, aber etwas komisch kommt es mir schon vor. Und außerdem hat Herr von Zimmenthal ihn für mich als Privatlehrer engagiert.
Marina:
Du könntest recht haben. Dann steckst du in großer Gefahr.
Jojo:
Vielleicht solltest du Herrn Argon Bescheid geben.
Robin:
Ehrlich gesagt, will ich es darauf ankommen lassen. Ich habe keine Angst vor Herrn Dreizack.
Marina:
Bist du wahnsinnig! Das ist viel zu gefährlich, Robin.
Robin:
Deshalb möchte ich ja auch, dass ihr morgen ebenfalls dahin kommt. Ich halte euch auf dem Laufenden. Und wenn was sein sollte, kommt mir mein genialer Zirkel zu Hilfe. :-D
Marina:
Ich finde die Idee nicht gut.
Iggy:
Ich finde es klasse, Robin! Ich bin auf jeden Fall dabei.
Marina:
Und das sagst du, Iggy? Hattest du nicht genug Ärger in letzter Zeit?
Iggy:
Eben! Und so kann ich es endlich jemandem heimzahlen.
Jojo:
Also ich weiß auch nicht, was ich dazu sagen soll. Egal, wie du dich entscheidest, Robin, ich bin für dich da.
Aria:
Ich auch.
Marina:
Gibt es irgendwas, was dich aufhalten könnte, Robin?
Robin:
Nein! ;-)
Marina:
Also gut. Aber ich lasse mir etwas einfallen, falls etwas schief zu gehen scheint.

Am gleichen Abend saßen Jojo, Aria, Iggy und Marina zusammen in der Biobliothek und wälzten die Bücher. Sie waren auf der Suche nach einem Ritual, welches Sie einsetzen konnten, um Robin eventuell zu helfen.
Denkt daran, nach einem zu suchen, der nur mit uns Vieren funktioniert“, flüsterte die Wasser-Elementaristin ihren Freunden zu.
Die meisten funktionieren nur zu viert“, antwortete Iggy. „Es gibt kaum Zirkel wie uns, der zusätzlich ein Elementum aufweist.“
Marina nickte zustimmend. Und das war aber auch das, was ihr ein wenig Sorge bereitete. Mit einem Elementum im Zirkel waren sie stärker und ihre Kräfte wirkten besser. Ohne Robin waren sie ein normaler Zirkel und noch lange nicht so geübt. Vielleicht würde ihr Ritual dann gar nicht funktionieren. Dann hatten sie ein Problem.
Ich habe etwas“, rief Aria zu laut und kassierte von anderen Schülern, die in der Biobliothek waren, einen bösen Blick.
Die Bibliothek war ein Ort der Ruhe, in dem Schüler aus dem Haus 4E hingingen, um zu lernen. Da durfte man nicht so laut reden.
Was hast du gefunden?“, hakte Marina gespannt nach.
Es ist ein Ritual zur Blockade von elementaren Kräften. Wenn man ihn einsetzt, kann man jemanden für eine gewisse Zeit seine Fähigkeiten entziehen.“
Das ist super!“, lobte Jojo. „Wenn Dreizack Robin angreift, können wir ihn so stoppen.“
Dann lasst uns diesen ganz genau durchgehen“, schlug Marina vor.
Und dann machten sich die vier Freunde an das genaue Studium dieses speziellen Rituals. Er musste ganz genau durchgeführt werden, sonst funktionierte er nicht. Deshalb mussten sie sich sehr konzentrieren.
Später verließen sie gemeinsam die Bibliothek und da sagte die kluge Wasser-Elementaristin:
Eigentlich sollten wir das Ritual einmal erprobt haben.“
Du hast Recht“, stimmte Jojo zu, „aber wer würde sich freiwillig die Kräfte entziehen lassen, auch wenn es nur zeitweise war?“
Alle überlegten kurz und da fiel Marina die Lösung ein:
Ich frage mal meine Mitbewohnerin Ilayda. Sie ist eine ganz Liebe. Vielleicht tut sie uns den Gefallen.“
Wenn du das glaubst“, sagte Aria, „dann frage sie. Meine Mitbewohnerin würde mir den Vogel zeigen.“
Marina wollte es probieren und ging daher sofort auf ihr Zimmer, wo sich ihre Mitbewohnerin bereits befand. Sie lag auf ihrem Bett und laß mal wieder ein Buch.
Hallo Ilayda! Darf ich dich kurz stören?“
Die schüchterne Wasser-Elementaristin legte ihr Buch zur Seite und schaute Marina erwartungsvoll an.
Ich habe eine ungewöhnliche Bitte. Meine Freunde und ich möchten ein Ritual ausprobieren.“
Wie bitte?“, fragte das stille Mädchen nach.
Das ist schwer zu erklären, aber mein Zirkel muss eventuell den Mörder von Herrn Quinn aufhalten. Und da haben wir nach einem Ritual in der Bibliothek gesucht.“
Du bist in einem Zirkel?“
Äh ja... Ich weiß, dass wir Schüler das nicht tun sollten, aber es ist wirklich wichtig.“
Ilayda schaute ihr Gegenüber mit großen Kulleraugen an und entgegnete leicht verängstigt:
Ich weiß nicht...“
Du brauchst keine Angst haben. Das ist nicht unser erstes Ritual. Ich verspreche dir, dir wird nichts passieren.“
Da sie viel zu schüchtern war, um abzulehnen, stimmte die dunkelhaarige Schülerin letztendlich zu. In der Nacht schlichen sich sodann die fünf Jugendlichen aus dem Internat. Sie gingen in den Grüneburgpark, in dem sie schon einmal ein Ritual durchgeführt hatten. Dort war es in der Nacht menschenleer und so dunkel, dass sie keiner beobachten konnte.
Vielen Dank nochmal, dass du mitmachst“, sprach Marina zu ihrer Mitbewohnerin. „Stell dich bitte in die Mitte von uns. Robin, du gehst wieder da rüber in den Süden. Jojo, du stellst dich ihm gegenüber in den Norden. Aria geht in den Osten und ich selbst in den Westen.“
Alle folgten Marinas Anweisungen. Ein kalter Wind wehte durch die Bäume, sodass sie laut raschelten. Der Mond leuchtete hell, sodass sie ein wenig sehen konnten.
Ich bin ganz aufgeregt“, sagte Aria. „Dies ist ein aktives Ritual, nicht wahr?“
Richtig“, bestätigte die Wasser-Elementaristin. „Damit beeinflussen wir schließlich einen anderen Menschen.“
Bei aktiven Ritualen braucht man scheinbar nie irgendwelche zusätzlichen Utensilien“, kommentierte Jojo.
Das ist nicht ganz richtig, aber heute brauchen wir tatsächlich keines.“
Dann legten sie los. Da sie es vorher genau studiert hatten, wussten sie, was zu tun war.
Auf Drei!“, kündigte Marina an. „Eins! Zwei! Drei!“
Und in diesem Moment riefen alle drei gleichzeitg ihre Elemente an:
Kraft des Feuers!“
Kraft der Luft!“
Kraft der Erde!“
Kraft des Wassers!“
Alle vier Jugendlichen richteten ihre Hände in die Luft über Ilaydas Kopf. Dann schleuderten sie einen Strahl ihres jeweiligen Elements dahin, sodass alle vier Elemente dort aufeinander trafen. Und dann riefen alle vier ebenfalls gleichzeitig:
Elemente, wir rufen euch, entzieht dieser Person die Kraft!“
Plötzlich erleuchtete über Ilayda ein heller Schein und dieser wurde scheinbar von den Elementen über ihren Kopf absorbiert.
Das Mädchen schrie los, was die anderen erschreckte. Sofort hörten sie auf und rannten zu dem Mädchen, dass mittlerweile auf den Knien am Boden saß.
Ilayda!“, rief Marina. „Geht es dir gut?“
Die schüchterne Wasser-Elementaristin atmetete schwer.
Oh nein“, rief Aria verzweifelt. „Was haben wir getan?“
Doch dann meldete sich Ilayda:
Schon gut. Es geht wieder.“
Das Mädchen rappelte sich mit Hilfe von Jojo wieder auf. Sie rieb sich den Schmutz von der Hose und stand wieder aufrecht vor ihnen.
Und?“, hakte Iggy nach. „Hat es funktioniert?“
Ich weiß es nicht“, antwortete Ilayda kleinlaut. „Ich merke keinen Unterschied.“
Versuche mal einen Wasserstrahl zu erzeugen“, forderte Marina auf.
Und das tat sie dann auch. Nichts passierte.
Ich kann es nicht“, sagte die dunkelhaarige Schülerin schließlich.
Dann hat es geklappt“, rief Aria erfreut aus.
Sieht so aus“, bestätigte Marina und atmete erleichtert aus.
Sie hätte es sich nie verzeihen können, wenn sie ihre Mitbewohnerin verletzt hätte.
Und wann kann ich meine Kräfte wieder einsetzen?“
Spätestens morgen Früh, wenn du wieder aufstehst“, antwortete die schlaue Wasser-Elementaristin.
Hoch motiviert und stolz auf sich selbst machten sich die fünf Jugendlichen wieder auf den Weg zurück ins Haus 4E. Am nächsten Tag hatten sie eine Menge vor, falls Robins Vermutungen stimmten. Es würde vielleicht sogar gefährlich werden. Daher wollten sie sich wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf gönnen.
Aber sie waren bereit!