Sonntag, 23. Dezember 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 22

Am nächsten Morgen klopfte Florian Argon in aller Frühe an Robins Tür. Noch recht verschlafen öffnete er sie und ließ seinen Mentor hinein.
Was machst du jetzt schon hier?“, fragte er den Feuer-Elementaristen müde.
Heute Nacht haben wir deinen Kumpel Ignaz Brenner festgenommen.“
Wie bitte?“ Schlagartig war der Siebzehnjährige wach.
Er war mit einem Mitschüler und zwei weiteren Jugendlichen, die keine Elementaristen sind, unterwegs und sie haben eine Mülltonne in Brand gesteckt. Als sie die Frankfurter Polizei angesprochen hat, setzte der andere seine Kräfte gegen die Polizisten ein.“
Was?“, stieß Robin entsetzt aus. „Das darf doch nicht wahr sein!“
Es tut mir echt leid, aber damit haben die beiden Jungs gegen die Gesetze der Gemeinschaft der Elementaristen verstoßen. Das ist kein Kavaliersdelikt.“
Mist!“ Robin schlug sich mit seiner flachen Hand gegen die Stirn. Er konnte nicht fassen, was er da hörte. Wie konnte sein bester Freund nur da hineingeraten? Als er sich einigermaßen wieder im Griff hatte, fragte er seinen Mentor:
Meinst du, ich kann auch mal mit Iggy sprechen? Ich möchte wissen, was da vorgefallen ist.“

Robin, so einfach geht das nicht.“
Bitte, Florian! Es ist mir ganz wichtig.“
Puh“, atmetete der rotbärtige Mann aus. „Du kannst froh sein, dass wir keine gewöhnliche Polizei sind. Da wäre so etwas ganz bestimmt nicht so einfach möglich.“
Danke dir vielmals! Ich schulde dir etwas.“

Etwas später befand sich Robin wieder in dem Raum, den er schon von dem Gespräch mit Kelvin von Zimmenthal her kannte. Doch dieses Mal saß ihm sein bester Freund gegenüber.
Was hast du angestellt?“, fragte er ihn vorwurfsvoll.
Gar nichts, Robin. Das musst du mir glauben. Ich bin da nur irgenwie reingerutscht.“
Was? Jetzt erzähle mir nicht, das war alles ein Versehen?“
Es lief außer Kontrolle. Ich wollte das nicht und ich habe auch die ganze Zeit versucht, Patrik davon abzuhalten. Aber er hört nicht auf mich.“ Iggy klang aufrichtig, was sogar Herr Argon mitbekam, der auch dieses Mal an der Tür stand und aufpasste.
Dann erzähle mir mal, wie es wirklich war“, forderte ihn das junge Elementum auf.
Als mir Patrik seine Freunde vorstellte, fand ich sie echt cool. Sie geben nichts auf die Meinung anderer und machen, was sie wollen. Mit ihnen kann man sich echt frei fühlen.“
Iggy legte eine kurze Pause ein und seufzte laut auf. Dann fuhr er fort:
Und Oliver... Er sieht echt gut aus.“
Du hast dich verknallt“, stellte Robin sachlich fest.
Iggy lief rot an, was Robins Aussage bestätigte.
Wir haben uns geküsst“, eröffnete ihm der rothaarige Elementarist schließlich, was Robin ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Auch Iggy musste nun ein wenig lächeln.
Jedenfalls war uns kalt und da hat Patrik eine Mülltonne angezündet. Ich habe ihm gesagt, dass er das nicht tun soll, aber er hat einfach nicht auf mich gehört. Dann kamen die beiden Polizisten. Ich glaube, er hatte auch ein wenig Angst und wusste sich nicht anders zu helfen. Alles ging so schnell und da lagen die beiden Männer auch schon auf dem Boden.“
Patrik hat seine Kräfte also wirklich eingesetzt, aber du nicht. Oder?“
Nein, ich habe sie nicht eingesetzt. Wirklich nicht!“
Robin glaubte seinem besten Freund.
Dann sind wir weggerannt“, beendete der junge Feuer-Elementarist seine Ausführungen.
Das ist wirklich harter Tobak“, kommentierte der Siebzehnjährige.
Es tut mir auch wirklich leid“, entgegnete Iggy schuldbewusst.
Ich versuche mal, ein gutes Wort für dich einzulegen.“
Danke dir!“
Damit verabschiedeten sie sich voneinander. Iggy wurde von einem Wachmann abgeführt und Robin blieb mit Florian vor der Tür stehen.
Du hast alles mitangehört, oder?“, fragte das Elementum seinen Mentor.
Ja, das habe ich.“
Kannst du etwas für ihn tun?“
Ich versuche es, aber ich kann nichts versprechen. Ganz sicher war das Ganze jugendlicher Leichtsinn. Aber das dürfen wir Elementaristen uns nicht leisten. Das könnte uns alle in große Gefahr bringen.“
Ich weiß“, bestätigte Robin.
Jetzt wissen nicht nur zwei junge Punker etwas von uns, sondern auch zwei Staatsbeamte. Die Polizisten werden die vier suchen. Und wenn sie die beiden anderen Jugendlichen finden, dann werden Fragen aufkommen.“
Das klingt übel.“
Zwei Punkern wird man nicht glauben, aber wenn zwei Polizisten das alles bestätigen, wird es kritisch.“
Robin konnte sich nur vorstellen, was Florian Argon meinte. Wahrscheinlich würden bald ein paar Polizisten vorm Haus 4E stehen und Untersuchungen anstellen wollen. Wenn das passierte, konnte das Internat auffliegen und die Menschheit von der Existenz von Elementaristen erfahren. Das war gar nicht gut. Und es passierte nur, weil ein paar Jugendliche nicht über die Konsequenzen nachgedacht hatten.
Kurz darauf verabschiedeten sich die beiden Elementaristen voneinander. Robin ging zurück in sein kleines Appartement und informierte seine Freunde über den Vorfall. Diese hatten sich schon gewundert, dass sie Iggy an diesem Tag noch nicht gesehen hatten. Entsetzt reagierten sie auf Robins Bericht. Gleichzeitig gaben sie auch Herrn von Zimmenthal die Schuld, weil er dafür sorgte, dass sich Iggy mit Patrik ein Zimmer teilen musste und so erst in die ganze Sache reingerutscht war. Hätte er sich weiterhin mit Robin ein Zimmer geteilt, wäre das alles nicht passiert.
Aber die Zeit ließ sich leider nicht zurückdrehen. Die vier Freunde hofften nur, dass Iggy unbeschadet aus der ganzen Sache herauskam. Sie wollten nicht, dass er deswegen vom Internat flog. Aber Robin versprach, dass Florian ein gutes Wort für ihn einlegte. Er war sich sicher, dass sein Mentor da etwas hinbiegen konnte.
Mensch, Iggy...