Sonntag, 9. Dezember 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 21

Robin:










Hallo, Freunde! Wie läuft der Unterricht mit den neuen Lehrern?
Aria:
:-(
Iggy:
Schrecklich! Nichts ist, wie es mal war.
Aria:
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fehlt irgendwie die Wärme in deren Unterrichtsstil. Sie sind alle so kalt wie Generäle bei der Armee.
Jojo:
Das hast du gut ausgedrückt. Obwohl dieser Wynton lustig ist. Er ist total durch den Wind und chaotisch. Irgendwie bringt er ständig alles durcheinander.
Marina:
Ja, das ist wahr. Mir fällt es schwer, seinem Unterricht zu folgen und zu verstehen, wovon er redet.
Aria:
So geht es mir auch bei dieser Lehmann. Die ist immer so drüber, als ob sie Drogen genommen hätte. Stets voller Euphorie und so laut.
Jojo:
Der einzige, der ein bisschen taugt, ist Herr Hott. Er hat die Ruhe in sich, aber irgendwie hat man bei ihm den Eindruck, man dürfe gar nichts nachfragen und müsse die ganze Zeit still sitzen. Seht ihr das auch so?
Iggy:
Ja...
Marina:
Ja.
Robin:
Das klingt nicht so schön. Aber seid getröstet, mein Lehrer ist auch furchtbar. Herr Dreizack redet sehr viel und stresst total. Ich komme niemals zur Ruhe. Und im Praxisschwerpunkt ist er eine Katastrophe. Er bringt mir Dinge bei, die ich schon lange kann.
Aria:
Wir wollen unsere alten Lehrer wieder!!! :-(
Iggy:
Ich muss jetzt los.
Jojo:
Wohin denn?
Iggy:
Ich bin noch verabredet.
Jojo:
???
Iggy:
Patrik und ich treffen ein paar Freunde.
Robin:
Wer ist Patrik?
Marina:
Das ist Iggys neuer Mitbewohner. Ihr seid ja ganz schon dicke miteinander geworden.
Iggy:
Kann schon sein. Ich bin dann mal weg! Bye!

Iggy hat sich ausgeloggt.


Gemeinsam liefen die beiden jungen Feuerelementaristen zum Main. Heute waren sie direkt dort mit Dela und Oliver verabredet. Iggy war besonders aufgeregt, Oliver wiederzutreffen. Er hatte so ein Kribbeln im Bauch, bevor sie sich sahen.
Da seid ihr ja endlich“, begrüßte sie die tätowierte Dela mürrisch.
Hallo Robin“, sprach Oliver ganz besonders freundlich und umarmte den Feuer-Elementaristen herzlich. „Wir haben Bier besorgt!“
Sie zeigten auf einen Beutel, den sie auf einer Bank abgestellt hatten. Patrik ging darauf zu, schaute hinein und sah die vielen Glasflaschen. Er nahm sich eine heraus und fragte:
Hat jemand ein Feuerzeug, damit ich die Flasche öffnen kann?“
Du bist doch das Feuerzeug“, antwortete Oliver scherzhaft.
Da fingen alle an zu lachen. Sogar die sonst so ernste Dela lachte mit.
Iggy zögerte kurz, aber dann schnappte er sich auch ein Bier und trank mit den anderen ausgelassen.
Sie alberten und lachten, sprangen umher, als ob sie kleine Kinder wären. Iggy genoss die Zeit und konnte das ganze Chaos mit den neuen Lehrern im Haus 4E vergessen. Hier konnte er einfach so richtig abschalten.
Und das Bier floss nur so dahin, sodass sie nach nicht einmal zwei Stunden nichts mehr hatten. Die Dunkelheit hatte sie mittlerweile vollends erreicht und der kalte Wind wehte über den Fluss. Oliver setzte sich ans Ufer und ließ seine Füße über den Rand baumeln. Iggy fasste seinen Mut zusammen, wobei ihm der Alkohol in seinem Körper half, und setzte sich direkt neben dem hübschen Punker.
Ist es nicht wunderschön hier?“, fragte ihn Oliver lächelnd.
Ja“, antwortete Iggy schüchtern.
Du bist auch wunderschön“, fuhr Oliver fort, ohne den Blick vom Wasser abzuwenden.
Sofort lief der Rotschopf rot an. Damit hatte er nicht gerechnet und es war das erste Mal, dass ihm jemand so ein Kompliment machte.
Ohne große Umschweife drehte Oliver plötzlich seinen Kopf zu Iggy und gab ihm einen Kuss auf den Mund. Der rothaarige Schüler war zunächst völlig perplex. Er starrte sein Gegenüber erschrocken an.
Oh, es tut mir leid“, entschuldigte sich Oliver schnell.
Nein!“, entgegnete Iggy sofort. „Das muss dir nicht leidtun!“
Das verstand Oliver als Aufforderung. Er nahm Iggys Kopf zwischen seine Hände. Das Herz des Rotschopfs begann zu rasen. Dann gab ihm der Junge einen richtigen, langen Kuss.
Beide schlossen ihre Augen und genossen den Moment. Der Halbmond erleuchtete die Szene ein wenig und das Wasser des Flusses schimmerte.
Doch in diesem Moment zerstörte Dela den romantischen Augenblick:
Hey, ihr beiden! Sucht euch ein Zimmer!“
Leicht beschämt ließen die beiden Jungs voneinander ab und standen auf. Sie liefen zurück zu den anderen beiden und setzten sich zu ihnen auf die Bank.
Das Mädchen mit den Piercings und Tattoos rieb sich die Hände.
Frierst du etwa?“, fragte sie Patrik.
Es ist so kalt“, klagte sie.
Das können wir ändern“, kündigte der Punker mit den kirschroten Strubbelhaaren an.
Er stand auf und stellte sich an den Mülleimer, der sich neben der Bank befand.
Was hast du vor?“, wollte Iggy wissen.
Doch Patrik antwortete nicht. Stattdessen erzeugte er einen Feuerball in seiner Hand und schleuderte ihn in die Tonne. Sofort fing der Inhalt an zu lodern.
Was machst du denn?“, rief Iggy erschrocken.
Unsere Freundin hier friert. Ich habe uns nur etwas eingeheizt.“
Aus dem Mülleimer stieg eine Flamme und Rauch auf.
Stell dich hier hin, Dela, und wärme dich auf“, forderte Patrik sie auf. Das Mädchen sprang sofort von der Bank und hielt ihre Hände wärmend gegen dem Mülleimer.
Wenn das jemand sieht“, ermahnte Iggy.
Alles ist gut“, erklärte Oliver ruhig. „Mach dir keine Sorgen.“ Sein liebes Lächeln beruhigte den rothaarigen Elementaristen tatsächlich und er hörte auf, etwas einzuwenden.
Leider bemerkten die vier Jugendlichen nicht, dass sich zwei Polizisten näherten.
Schönen guten Abend“, sprach der eine bestimmt.
Erschrocken drehten sich die vier zu den Polizisten.
Haben Sie das Feuer entfacht?“, fragte der uniformierte Mann ernst.
Uns war kalt“, antwortete Patrik frech.
Patrik!“, ermahnte ihn Iggy flüsternd.
Die beiden Polizisten hatten die typische blaue Polizeiuniform an. Beide hatten eine sportliche Figur und waren etwa um die Dreißig. Einer der beiden war etwas größer als der andere, doch beide hatten recht breite Schultern.
Sie wissen schon, dass das gefährlich ist“, sprach nun der andere Polizist. „Zudem beschädigen Sie gerade Eigentum der Stadt Frankfurt.“
Patrik stand auf und stellte sich vor die beiden Polizisten. Iggy ahnte Schreckliches.
Es ist doch garnichts passiert. Bleiben Sie doch mal locker.“
Wie bitte?“, hakte nun einer der beiden Männer in Blau mit erhobener Stimme nach.
Gehen Sie einfach weiter und suchen Sie richtige Verbrecher. Hier in Frankfurt gibt es genug davon.“
Wie sprechen Sie eigentlich mit uns?“, sprach der zweite.
Am besten wir nehmen Sie mit zur Polizeiwache“, drohte nun der größere der beiden.
Das glaube ich nicht!“
Lass es gut sein“, ermahnte Iggy seinen Zimmergenossen von hinten. Er wollte verhindern, dass sein Kumpel seine Kräfte einsetzte. Patrik war einfach zu leichtsinnig und ein wenig größenwahnsinnig.
Die beiden Polizisten schauten sich an. Dann forderte der eine:
Jetzt nehmen Sie schön einmal die Hände auf den Rücken. Sie sind festgenommen.“ Gerade wollte er seine Arme ergreifen, da holte der junge Punker aus und schleuderte die beiden Polizisten mit Feuerbällen weg.
Im hohen Bogen flogen sie nach hinten und schrien dabei laut los.
Patrik!“, rief Iggy entsetzt.
Doch ohne abzuwarten rannten Dela, Oliver und Patrik los. Iggy zögerte zuerst. Er fragte sich, ob er den beiden Polizisten helfen oder seinen neuen Freunden folgen sollte.
Iggy!“, rief Oliver schließlich. „Komm schon!“
Und so rannte auch der junge Feuer-Elementarist los und den anderen drei Jugendlichen hinterher.
Sie liefen so weit ihre Füße sie trugen in die Stadt hinein. Wenige Minuten später hörten sie die Sirenen eines Polizeiautos und da beschleunigten sie ihr Tempo.
Iggys Herz raste erneut, aber diesmal vor Panik und Aufregung. Er begriff noch gar nicht so richtig, was passiert war. Patrik hatte zwei Polizisten mit seinen Kräften niedergestreckt. Wenn das kein böses Nachspiel haben würde, dann wusste er auch nicht.

Einige Zeit später blieben die Jugendlichen stehen, weil sie davon ausgingen, die Polizei abgehängt zu haben.
Am besten wir trennen uns jetzt“, schlug Patrik vor.
Es ist sowieso Zeit, nach Hause zu gehen“, sprach Oliver. „Wir sehen uns hoffentlich morgen.“
Damit gab er Iggy einen Kuss auf die Wange, was den Rotschopf erneut erröten ließ. Die beiden anderen lachten los.
Dann reichten sie sich die Hände und verabschiedeten sich. Iggy und Patrik machten sich auf den Weg ins Haus 4E.
Als sie dort ankamen, stand ein Fahrzeug der E-Wehr vor den Toren.
Was ist hier denn schon wieder los?“, fragte Patrik scherzend. „Wurde hier schon wieder ein Schulleiter ermordet?“
Doch als sie durch die Tür kamen, stand Florian Argon da mit zwei weiteren Wachmännern und Tiberius von Zimmenthal.
Wo waren Sie?“, fragte der Rektor die beiden Jungs streng.
Ein wenig spazieren“, antwortete Patrik gespielt unschuldig.
Da wurde von Zimmenthal lauter:
Herr Argon von der E-Wehr hat über den Polizeifunk etwas mitbekommen. Vier Jugenliche haben zwei Polizisten angegriffen und dabei schleuderte einer von ihnen Kugeln aus Feuer auf sie. Können Sie mir erklären, wie so etwas passieren kann?“
Warum fragen Sie uns?“, antwortete Iggys Zimmergenosse frech.
Sie beide sind die einzigen, die sich um diese Uhrzeit noch herumtreiben. Alle anderen sind in ihren Betten. Zudem sind gerade Sie zufällig Feuer-Elementaristen. Alles spricht gegen Sie“, erklärte der Schulleiter den beiden Jugendlichen.
Iggy bekam es mit der Angst zu tun. Schuldbewusst ließ er die Schultern hängen.
Nun mischte sich Florian ein:
Wir müssen Sie beide leider mitnehmen.“
Das können Sie nicht machen“, rief Patrik entsetzt. „Wir haben nichts getan.“
Das können Sie dann in der Zentrale zu Protokoll geben.“
Iggys schlimmsten Befürchtungen waren eingetroffen. Nun bekamen sie einen riesigen Ärger. Er befürchtete furchtbare Konsequenzen wie einen Verweis vom Internat. Und was würden seine Eltern dazu sagen? Seine Gedanken flogen durcheinander und er war sprachlos vor Angst.
Die ganze Fahrt über im Fahrzeug der E-Wehr meckerte Patrik lautstark herum, er wäre unschuldig und verlangte nach einem Anwalt. Iggy wusste, dass da das Bier noch aus ihm sprach. Er selbst wurde langsam wieder nüchtern und da nahm er den starken Geruch des Alkohols im Wagen war. Das war wahrscheinlich noch so ein kleiner Beweis für ihre Schuld.
Nun durften sich die beiden Schüler auf etwas gefasst machen.