Sonntag, 25. November 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 19

Die ganze Schule war in Aufruhr, weil sich mittlerweile herumgesprochen hatte, was passiert war. Ihr neuer Lehrer und gleichzeitig der Sohn des Schulleiters hatte einen Anschlag auf eine Schülerin und ihren Freund verübt. Das war ein absoluter Eklat.
Auch die Lehrkräfte waren beunruhigt. Sie machten sich Sorgen um ihre Schüler, aber auch um den Ruf der Schule. Zweifel machte sich breit und die Loyalität zum Schulleiter ging langsam verloren. Das spürte Tiberius von Zimmenthal und so berief er eine Konferenz ein.
Frau Funke, Frau Bottenberg und Frau d'Air nahmen am Konferenztisch in Büro des Rektors Platz. Erwartungsvoll blickten sie den Wasser-Elementaristen an.
Danke, dass Sie erschienen sind“, begann er. „Sie wissen sicher, warum wir uns hier zusammengefunden haben.“
Es geht um Ihren Sohn“, antwortete Frau Funke mit ernster Miene.
Ganz genau. Und gleich zu Anfang möchte ich Ihnen sagen, dass mir das alles sehr leid tut, aber ich habe absolut nichts davon wusste.“

Sie wollen also ernsthaft sagen, dass Sie von allem keine Ahnung hatten, was ihr Sohn getrieben hat?“, hakte die Feuer-Elementaristin mit den roten Locken nach.
Selbstverständlich hatte ich keine Ahnung. Sonst hätte ich da gleich eingegriffen.“
Tiberius von Zimmenthal bestritt vehement, dass er irgendwie mit den Taten in Verbindung stand. Doch die drei Lehrerinnen blieben skeptisch.
Ich hoffe inständig, dass mein Sohn nichts mit dem Mord an Herrn Quinn zu tun hat“, bekundete der Schulleiter.
Doch Serafina Funke schüttelte lediglich den Kopf.
Glauben Sie mir etwa nicht, verehrteste Kollegin Funke?“
Ich bin zugegebenermaßen sehr skeptisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nicht einmal etwas geahnt haben. Das klingt sehr mysteriös.“
Zweifeln Sie etwa an meiner Glaubwürdigkeit?“, wollte der Rektor wissen.
Ich muss gestehen, das tue ich“, bestätigte die Lehrerin.
Tja“, sprach der Wasser-Elementarist weiter, „das ist bedauerlich. Wie sehen das denn die anderen beiden? Frau Bottenberg und Frau d'Air?“
Beide Lehrerinen schwiegen zunächst und schauten sich verzweifelt an. Sie wussten auch nicht, was sie dazu sagen sollten. Schließlich nahm sich die korpulente Erd-Elementaristin als erste zusammen und antwortete:
Sehr gerne würden wir an Ihre Unschuld glauben, Herr von Zimmenthal. Aber mir erscheint das alles auch sehr merkwürdig.“
Isch kenne Sie tatsäschlisch noch nicht so lange“, warf die Lehrerin mit dem französischen Akzent ein, „aber für misch sind Ihre Erklärungen auch nischt überzeugend. Isch bin mir einfach nischt sischer.“
Und wie stellen Sie sich nun unsere Zusammenarbeit vor?“, fragte Tiberius von Zimmenthal nun etwas aufgebrachter. „Wenn Sie nicht hinter mir stehen, wird das ziemlich schwierig.“
Das sehen wir auch so“, bestätigte Serafina Funke. „Aber was haben wir für Alternativen?“
Nun“, sagte er wieder gefasster, „da fällt mir schon eine Möglichkeit ein. Da das Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben ist, werde ich Sie versetzen lassen.“
Wie bitte?“, riefen alle drei Damen gleichzeitig.
Das können Sie nischt machen!“, betonte die Luft-Elementaristin.
Wir gehören hierher“, unterstüzte Frau Bottenberg ihre Kollegin.
Sie glauben wohl kaum, dass ich wegen Ihrer Unvernunft meine Stellung als Rektor aufgebe. Wenn hier jemand gehen muss, dann sind das Sie. Ich werde sofort alles in die Wege leiten.“
Nein!“, schrie Frau Funke und haute mit ihrer flachen Hand auf den Tisch. „Das werden wir nicht zulassen.“
Bitte halten Sie sich zurück, werte Kollegin“, forderte der Schulleiter mit einer leichten Agressivität in der Stimme die Lehrerin auf. „Und bitte verlassen Sie jetzt mein Büro. Ich habe noch einiges zu tun.“
Fassungslos verließen die drei Lehrerinnen den Raum. Jetzt waren sie erst recht von der Schuld des Wasser-Elementaristen überzeugt. Aber leider konnten sie nichts gegen ihn unternehmen. Sie waren machtlos und das war das Schlimmste daran.

Robins Handy klingelte. Es war Florian Argon.
Hallo Florian! Gibt es etwas Neues?“
Tatsächlich habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche möchtest du zuerst hören?“
Die gute“, entschied Robin sich.
Das Messer, welches wir am Main mitgenommen hatten und welches Kelvin gehörte, ist wirklich die Mordwaffe. Damit wurde Benedikt Quinn erstochen.“
Also ist das ein Beweis, dass Kelvin schuldig ist.“
Genau“, bestätigte der Feuer-Elementarist. „Damit würde er so schnell nicht mehr aus dem Gefängnis kommen.“
Super!“, freute sich Robin. „Und was ist die schlechte Nachricht?“
Das wird nicht leicht für dich. Vielleicht solltest du dich setzen.“
Der Siebzehnjährige begann sich Sorgen zu machen. Was wollte sein Mentor ihm nur mitteilen? Das klang überhaupt nicht gut.
Spuck es nun endlich aus! Ich platze vor Spannung!“
Also gut, auf deine Verantwortung.“ Der bärtige Elementarist holte noch einmal tief Luft und sprach:
Tiberius von Zimmenthal hat die Versetzung von Frau Funke, Frau Bottenberg und Frau d'Air beantragt.“
Was?“, rief Robin laut aus. „Das ist nicht zu fassen!“
Anscheinend waren sie ihm auch im Weg.“
Aber wie kann er das denn so einfach machen? Das geht doch nicht.“
Leider doch. Als Schulleiter kann er das in die Wege leiten. Als Begründung ist ein Misstrauen ausgesprochen worden. Bei einem derartigen Verhältnis kann keine Schule geführt werden.“
Das ist eine reine Katastrophe.“
Ich weiß, was du meinst und ich hoffe, wir können das alles lösen.“
Danke dir, Florian, dass du mich angerufen hast. Ich muss das gleich meinen Freunden erzählen.“
Robin beendete das Telefonat und loggte sich sofort in den Gruppenchat ein, um die anderen zu informieren.


Robin:
Freunde, etwas Schreckliches ist passiert.
Iggy:
Schon wieder? Hast du nicht ein Mal gute Nachrichten?
Aria:
Was ist los? Nun schieß schon los?
Robin:
Herr von Zimmenthal lässt die Lehrerinnen querversetzen.
Aria:
Was?
Jojo:
Wen meinst du? Frau Bottenberg auch?
Robin:
Alle drei Lehrerinnen: Frau Bottenberg, Frau d'Air und Frau Funke.
Marina:
Bist du dir da sicher? Woher weißt du das?
Robin:
Florian rief mich gerade an und sagte es mir. Es herrscht ein Misstrauen zwischen den Lehrerinnen und von Zimmenthal. So kann keine Schule geführt werden und deshalb schickt er sie weg.
Aria:
Dieser Kerl ist doch unglaublich! Das darf doch nicht wahr sein.
Marina:
Wenn du denkst, es wird langsam alles gut, wird es es eher noch schlimmer.
Iggy:
Warum begreift denn niemand, dass er der Drahtzieher ist und nimmt ihn endlich fest?
Jojo:
Das frage ich mich auch.
Robin:
Sie haben leider keine Beweise gegen ihn. Zumindest wird sein Sohn jetzt einsitzen. Das Messer, dass er hatte, ist die Mordwaffe und damit ist bewiesen, dass er was mit dem Mord an Rektor Quinn zu tun hat.
Aria:
Zumindest etwas. Aber gibt es denn garnichts, was wir tun könnten? Irgendwie muss dieser Teufel doch aufgehalten werden.
Marina:
Da sind wir machtlos. :-(
Robin:
Langsam ist mein Latein auch am Ende. Dabei hatte ich nur Englisch und Französisch in der Schule.
Iggy:
Haha... Jetzt ist kein Zeitpunkt für Scherze. Die Lage ist ernst.
Robin:
Du hast ja recht. Aber ich bin auch verzweifelt.
Jojo:
Wir müssen einfach einen kühlen Kopf bewahren. Kommt Zeit, kommt Rat.
Iggy:
Du und deine Sprüche...
Robin:
Wir können nur auf ein Geständnis von Kelvin hoffen und dass er verrät, dass sein Vater an allem beteiligt war.
Marina:
Ich bin mir sicher, dass sein Sohn ihn nicht verraten wird. Das haben sie bestimmt irgendwann schon besprochen.
Aria:
Das denke ich auch.
Robin:
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht kann ich noch mal mit Florian sprechen. Ich habe da so eine Idee.
Jojo:
Was denn?
Robin:
Lasst euch überraschen. Und nun habt noch eine gute Nacht!