Sonntag, 11. November 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 17

Seit der Trennung läuft der Unterricht für jeden einzelnen des eingeschworenen Zirkels schleppend. Als sie noch eine Klasse besuchten, hatten sie Freude an der Schule. Doch jetzt kam ihnen alles so matt vor, als ob ein grauer Schleier über der Welt läge. Besonders Robin fiel es schwer, da er nun Privatunterricht hatte und sich so die ganze Zeit konzentrieren musste. Er konnte nicht einen Moment abschalten, wie es in einer gewöhnlichen Schulklasse möglich war.
Jeden Nachmittag freute er sich, wenn er mit seinen Freunden schreiben konnte.

Robin:
Leute, ihr müsst mir unbedingt etwas erzählen. Ich komme mir so abgeschottet vor.
Aria:
Meine Mitbewohnerin ist ätzend.
Iggy:
Das wussten wir ja schon.
Marina:
Robin, wir sind in Gedanken immer bei dir. Du bist nicht alleine.
Jojo:
Mich nervt Peter auch. Er lässt mich einfach nicht in Ruhe.
Iggy:
*lol*
Jojo:
Das ist nicht witzig. Und außerdem habe ich das dir zu verdanken.
Iggy:
Muahahaha...
Jojo:
:-(
Robin:
Leute, ihr seid so witzig! Genau, dass habe ich gebraucht. Danke!!!


Als Jojo sein Handy auf sein Nachtschränkchen ablegte, sprach ihn Peter unvermittelt an:
Sag mal, hat das eigentlich wirklich gestimmt?“
Was meinst du?“ Jojo hatte keine Ahnung, worauf er anspielte.
Na dass du mit Aria zusammen bist. Das war doch nur ein Witz, nicht wahr?“
Jojo war nicht der Typ, der log. Er konnte es einfach nicht und daher antwortete er:
Nein, ich bin nicht mit ihr zusammen.“
Wusste ich es doch“, freute sich der andere Erd-Elementarist.
Uff“, stöhnte der Muskelprotz lediglich.
Und gibt es da jemanden, der dich interessiert?“
Jojo war es sehr unangenehm, dass sein neuer Zimmergenosse so intime Fragen stellte.
Nein“, antwortete er daher kurz angebunden.
Niemanden?“, hakte der Blumenzüchter nach Bestätigung suchend nach.
Wirklich nicht.“
Super“, grinste er.
Der Erd-Elementarist mit einem Faible für Orchideen freute sich innerlich. Er rechnete sich tatsächlich Chancen bei dem muskulösen Mitschüler aus.

Iggy und Patrik trafen sich an diesem Abend erneut mit Dela und Oliver im Park. Oliver konnte man seine Freude regelrecht ansehen, als er sah, dass Patrik wieder Iggy mitgebracht hatte, denn er sprang dem rothaarigen Feuer-Elementaristen regelrecht um den Hals.
Schön, dass du da bist!“
Iggy lächelte schüchtern.
Dann setzten sie sich wieder auf die gleiche Bank, als eine Gruppe von Jugendlichen im Anmarsch war. Sie schienen betrunken zu sein und benahmen sich ziemlich laut. Es waren fünf Jugendliche mit Bierflaschen in den Händen. Als sie an Iggy und den anderen vorbei kamen, quatschten sie Dela blöd an:
Hey Schlampe! Wie siehst du denn aus?“
Halt's Maul“, gab das tätowierte Mädchen frech zurück.
Hey, wie sprichst du mit mir?“, fragte der Kerl sie und kam mit aggressiven Posen näher auf sie zu.
Lass sie in Ruhe!“, mischte sich nun Patrik ein.
Halt du dich da raus!“, erwiderte der Kerl.
Genau!“, kam es von den anderen Fremden.
Der alkoholisierte Jugendliche hatte kurzes, dunkles Haar und einen Dreitagebart. Seine buschigen Augen hatte er heruntergezogen, sodass er sehr agressiv wirkte. Er baute sich direkt vor Dela auf und sagte mit erhobener Stimme:
Jetzt entschuldigst du dich bei mir!“
Verpiss dich!“, war die Antwort des Mädchens.
Wie redest du mit mir?“, schrie der Typ sodann. Patrik und Oliver standen sofort von der Bank auf, um notfalls dazwischen zu gehen. Auch Iggy erhob sich.
Da kamen die anderen Kerle ebenfalls näher.
Lass sie in Ruhe, habe ich gesagt“, bedrohte sie Patrik.
Was willst du eigentlich, Schwuchtel?“
Der Kerl drehte sich um und schubste Patrik nach hinten.
Hey!“, rief der Feuer-Elementarist böse.
Schließlich bauten sich alle fünf Jungs vor sie auf und wirkten so, als ob sie gleich zuschlagen würden.
Ich glaube, ihr braucht eine Abreibung“, sagte einer von ihnen.
Da holte der erste auch schon aus und wollte Patrik mit der Faust ins Gesicht schlagen. Doch dieser reagierte blitzschnell und feuerte einen Feuerball auf ihn, sodass er nach hinten flog und auf dem Boden landete. Die anderen Jungs wichen erschrocken zurück.
Was war das denn?“, fragte einer von ihnen.
Verdammt!“, schrie derjenige, der auf dem Boden lag. „Er hat mir meine Jacke verkohlt.“ Und da prangte tatsächlich ein riesiges verkohltes Loch auf seiner Körpermitte.
Hat der einen Flammenwerfer dabei oder was?“, fragte ein weiterer erschrocken.
Iggy beobachtete das ganze Schauspiel und zitterte dabei. Er wollte keinen Kampf mit den unbekannten Jungs. Er wusste zwar, dass sie keine Chance gegen ihn hatten, aber der Einsatz von elementaren Kräften bei normalen Menschen würde ein Nachspiel nach sich ziehen.
Das wirst du bezahlen!“, drohte der Kerl erneut, als er sich wieder aufrappelte. Sofort sprintete er auf Patrik zu und wollte ihm wieder eine verpassen. Doch der Feuer-Elementarist setzte erneut seine Kräfte ein und schleuderte sie auf den Angreifer.
Die anderen schrien panisch los und rannten davon. Auch der agressive Kerl war plötzlich so ängstlich wie eine Maus. Zunächst krabbelte er ein Stück weg. Dann stand er schnell auf und rannte seinen Freunden hinterher.
Was hast du gemacht?“, raunte Iggy Patrik zu.
Ich denke, ich habe sie verjagt.“
Das kannst du nicht machen! Wir dürfen unsere Kräfte nicht gegen normale Menschen einsetzen. Was ist, wenn sie es weitererzählen?“
Ach, sie waren doch so betrunken, dass ihnen das keiner glauben wird. Wahrscheinlich denken sie morgen selbst, sie hatten eine Haluzination.“
Du kannst das doch nicht so leichfertig abtun“, klagte Iggy vehement.
Jetzt bleib locker! Das habe ich dir schon einmal gesagt. Wir sind jung und frei. Warum sollten wir uns nicht mit unseren Kräften verteidigen dürfen?“
Wenn das beispielsweise die E-Wehr herausbekommt, sind wir dran.“
Das wird keiner herausfinden.“
Iggy war ziemlich aufgebracht. Er ballte die Fäuste. Da stellte sich Oliver ihm zur Seite und streichelte ihm tröstend den Rücken. Sofort beruhigte sich der rothaarige Schüler ein wenig und lächelte den Jungen neben sich an. Oliver entgegnete ihm ebenfalls ein liebevolles Lächeln.
Trotzdem zogen die vier Jugendlichen weiter. Sie befürchteten, dass die Jungs Freunde oder sogar die Polizei holten und zu ihnen zurückkehrten. Sie liefen los Richtung Main.
Beim Rennen sprangen und jubelten sie. Sie lachten und fühlten sich einfach frei. Es war sogar so, dass es irgendwann auf Iggy überschwappte und er es tatsächlich ebenfalls genoss.
Nach den ganzen Problemen der letzten Wochen hatte er ein wenig Glück gut gebrauchen können. Zuerst verliebte er sich unglücklich in einen Lehrer, der sich als Fiesling erwies und später folgten lauter Streitigkeiten mit seinem besten Freund. Auch die Sache mit Herrn von Zimmenthal als Schulleiter und dessen gefährlichen Sohn belasteten ihn sehr.
Jetzt gönnte er sich ausnahmsweise Spaß. Es tat ihm gut und er fühlte sich endlich mal wieder ausgelassen. Nun war er auch Patrik nicht mehr böse. Er erwähnte garnicht mehr, dass er seine Aktion nicht gutgeheißen hatte. Bis in die Nacht blieben sie zusammen und erfreuten sich ihres Lebens.