Sonntag, 14. Oktober 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 14

Robin Held konnte sich zumindest darüber glücklich schätzen, dass er keinen üblen Zimmergenossen bekam. Stattdessen hatte er sogar ein kleines Appartement für sich ganz alleine.
Die kleine Wohnung bestand aus zwei Zimmern, einer kleinen Küche mit einem Kühlschrank, einer Kochplatte und einer Mikrowelle sowie einem kleinen Badezimmer mit einer Dusche. Im ersten Zimmer befand sich ein Bett und ein Kleiderschrank. In dem anderen war ein kleines Sofa, ein Mini-Fernseher und ein Schreibtisch mit Stuhl untergebracht. Das Elementum hätte niemals gedacht, dass er so schnell für sich alleine sorgen müsste.
Die ganze Sache stank in seinen Augen zum Himmel. Als er dann auch noch von seinen Freunden erfuhr, was im Haus 4E abging, war er zutiefst bestürzt. Er traute Herrn von Zimmenthal nicht und war überzeugt, dass der neue Rektor einen fiesen Plan verfolgte. Aber da er nichts beweisen konnte, behielt er seine Gedanken zunächst für sich.
Heute war sowieso kein guter Tag, denn ab heute würde sein Privatunterricht beginnen. Der Privatlehrer, den Tiberius von von Zimmenthal angefordert hatte, kündigte sich an. Heute würde er ihn kennenlernen und dabei hatte er kein gutes Gefühl.

Gegen 08:00 Uhr traf der neue Lehrer ein. Florian war so nett und brachte ihn direkt vor Robins Haustür. Als der Siebzehnjährige die Tür öffnete, bekam er einen kleinen Schrecken.
Guten Tag, mein Name ist Narius Dreizack. Ich bin Ihr neuer Privatlehrer.“
Guten Tag“, begrüßte ihn Robin, vermied es aber ihm die Hand zu reichen. Er führte den Mann ins Wohnzimmer und bat ihm einen Sitzplatz an.
Dieser Mann wird mich jetzt unterrichten?
Narius Dreizack sah nicht gerade sympathisch aus. Er war ein sehr dicker Mann in den Fünfzigern. Obwohl er einen hohen Haaransatz hatte, liefen ihm seine fettigen Haare hinter den Ohren fast bis zu den Schultern hinunter. Zudem waren sie fast komplett grau, aber mit Rückständen von brauner Haartönung. Sein Gesicht war rot und er hatte eine dicke Knollennase. Seine Zähne wirkten auch sehr ungepflegt – vor allem der eine seitliche Schneidezahn, der nur noch ein schwarzer Stummel war. Dass er ein weißes Hemd mit einem schwarzen Sakko darüber trug, machte seine Erscheinung auch nicht besser. Robin ekelte sich regelrecht vor dem Mann.
Bevor wir mit dem Unterricht beginnen, erkläre ich ihnen am besten den Ablauf.“
Das Elementum nickte stumm.
Wir halten prinzipiell die Schulzeiten des Hauses 4E ein. Allerdings können wir ein wenig variieren, falls wir uns beispielsweise mit einer Aufgabe länger beschäftigen wollen. Übrigens sind meine Fächer Geschichte und Mathematik. Aber meine Kenntnisse reichen aus, um sie auch in den anderen Fächern ausreichend beschulen zu können.“
Verstehe“, entgegnete Robin.
Was die Lektionen im Praxisschwerpunkt betrifft, stehen wir vor Herausforderungen. Herr von Zimmenthal berichtete mir bereits, dass Herr Argon Ihnen mit dem Element Feuer zur Seite steht und sie darin lehrt. Ich werde mit Ihnen das Element Wasser bearbeiten. Die anderen beiden Elemente müssen allerdings erst einmal vernachlässigt werden.“
Was?“, rief der Siebzehnjährige entsetzt.
Anders ist es gerade leider nicht möglich, Herr Held. Herr von Zimmenthal überlegt sich eine Lösung. Aber wir können die Großzügigkeit der E-Wehr nicht überstrapazieren und verlangen, dass Sie hier noch von irgendwem in den Elementen Luft und Erde unterrichtet werden.“
Robin seufzte resigniert. Da konnte man wohl nichts machen. Damit musste der Schüler wohl leben. Vielleicht würde er ja die Möglichkeit bekommen, noch mal mit Frau Fossil oder Frau Stürmer zu sprechen. Dann würde er sie darum bitten, ihn zu unterstützen. Solange musste er sich mit der jetzigen Situation abfinden.

Währendessen ahnten die Schüler im Haus 4E nicht, dass sie auch einen neuen Lehrer bekommen würden.
Marina wartete mit ihrer neuen Klasse, die allesamt aus Wasser-Elementaristen bestand, auf Herrn von Zimmenthal, der übergangsweise den Literatur- und Grammatikunterricht weiterführte. Doch heute brachte er scheinbar endlich seinen Nachfolger mit.
Er betrat den Klassenraum mit einem recht jungen Mann. Marina vermutete, dass er etwa Mitte zwanzig sein musste. Er war sehr schmal, hatte ein langes Gesicht und braunes Haar, dass er zu einer Elvis-Tolle frisiert hatte. Er hatte Grübchen, was ihm eine gewisse Kindlichkeit verlieh.
Und dann bekam sie einen regelrechten Schock. Sie war sprachlos und fing zu zittern an. Der junge Mann, der da neben ihrem neuen Schulleiter stand, war der Kerl, gegen den sie am Main gekämpft hatten. Am liebsten wäre sie aufgesprungen und hätte alle gewarnt, aber sie blieb starr vor Panik.
Guten Morgen“, begrüßte der neue Schulleiter die Klasse mit einem strengen Ton. „Ich habe Ihnen den neuen Lehrer für die Fächer Grammatik und Literatur sowie des Praxisschwerpunkts Wasser mitgebracht.“
Alle begutachteten den neuen Lehrer ganz genau. Mit seiner roten Jacke und seiner Jeans wirkte er nicht gerade sehr seriös.
Herr von Zimmenthal fuhr mit der Vorstellung fort und Marina hatte den Eindruck, dass er sie ganz besonders bei den folgenden Worten fixierte:
Es ist niemand Geringeres als mein Sohn Kelvin von Zimmenthal, der hier sein Referendariat absolvieren wird.“
Es traf Marina wie ein Schlag ins Gesicht.
Sein Sohn!
Also hatte ihr verhasster Lehrer doch etwas mit der ganzen Sache zu tun. Er steckte die ganze Zeit dahinter. Wie konnte sie nur jemals etwas anderes gedacht haben? Und nun war ein weiterer seines Schlags an der Schule. Das ertrug sie nicht.
Eigentlich hatte sie gehofft, dass sie zumindest im Unterricht einen guten Lehrer haben würde, als Tiberius von Zimmenthal die Stelle als Schulleiter angenommen hatte. Doch nun wurde ihr sein Sohn vorgesetzt, was einerseits schon schlimm genug wäre. Aber dazu kam, dass er der Angreifer ihres Freundes und der eventuelle Mörder ihres geachteten Rektors war. Oder steckte der Vater selbst dahinter, wie es Iggy vermutet hatte.
Jedenfalls wusste sie, dass jetzt nur alles Schlimmer werden würde – und das betraf nicht nur den Unterricht. Natürlich hatte Tiberius von Zimmenthal seinen Sohn perfekt eingewiesen, dass der Unterricht kein Zuckerschlecken für sie sein würde. Aber darüber hinaus war es noch ein vermeintlicher Verbrecher, der da vorne stand.
Hallo“, begrüßte nun auch Kelvin von Zimmenthal lapidar die Klasse. Er hatte ein schiefes Grinsen auf dem Gesicht, welches Unheil versprach. Marina musste unbedingt ihre Freunde und auch Robin informieren. Sie mussten etwas unternehmen.