Sonntag, 30. September 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 12

Die Prüfungen waren nun überstanden und das zweite Halbjahr hatte begonnen. Alle waren gespannt, was sie nun in Zukunft erwartete, denn schließlich stand das Internat unter einer neuen Leitung.
Gerade als Robin und Iggy sich auf den Weg in die erste Unterrichtsstunde machen wollten, begegneten sie Herrn von Zimmenthal.
Herr Held, würden Sie mir bitte in mein Büro folgen?“
Das Elementum schaute seinen besten Kumpel fragend an, doch dieser schüttelte lediglich unwissend den Kopf. Also ging Robin dem Lehrer nach.
Als sie in Quinns altem und nun von Zimmenthals neuem Büro ankamen, saß bereits Florian Argon auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch.
Hey Florian!“, begrüßte ihn Robin erfreut. „Was machst du denn hier?“
Hallo Robin! Das wird dir dein Schulleiter gleich verraten.“
Nehmen Sie bitte Platz!“, forderte der Wasser-Elementarist den Schüler auf, während er sich selbst an seinen Schreibtisch setzte.
Robin folgte der Anweisung und nahm auf dem Stuhl neben Florian Platz. Dann fuhr der neue Schulleiter fort:

Herr Held, können Sie mit bitte sagen, warum das Haus 4E unter besonderem Schutz der E-Wehr steht?“
Wie meinen Sie das?“
Warum sind hier so viele Wachmänner auf dem Gelände?“
Na ja“, entgegnete der Siebzehnjährige, „wir werden gewissermaßen bedroht.“
Wen meinen Sie mit wir?“, wollte Herr von Zimmenthal genauer wissen.
Die Schüler und auch die Lehrer“, antwortete Robin verwirrt.
Warum werden wir denn bedroht?“
Der Schüler überlegte kurz, bis er endlich kapierte, worauf sein Lehrer hinauswollte.
Jemand will mir persönlich an den Kragen.“
Ganz richtig“, bestätigte der Rektor nickend. „Und das kann ich als Schulleiter nicht gutheißen. Wir mussten bereits ein Opfer bringen, als Herr Quinn kaltblütig ermordet wurde.“
Man weiß noch nicht“, warf Florian Argon ein, „ob dies miteinander zusammenhängt.“
Das ist richtig“, erwiderte Tiberius von Zimmenthal, „aber es ist sehr wahrscheinlich, denn zuvor wurde das Haus 4E noch nie so attackiert. Ich möchte verhindern, dass noch weitere solcher Anschläge verübt werden.“
Was wollen Sie mir damit sagen?“, fragte Robin misstrauisch nach.
Ich habe beschlossen, dass Sie das Internat verlassen. Danach kann hier endlich wieder Frieden einkehren.“
Wie bitte?“
Robin traute seinen Ohren nicht. Er sollte von der Schule geworfen werden? Dabei konnte er doch nichts dafür, dass er im Fokus eines Feindes stand. Er selbst hatte doch nichts Böses getan, was einen Rauswurft rechtfertigte.
Natürlich liegt uns Ihre Bildung sehr am Herzen und mir fällt es sehr schwer, Sie fortzuschicken, aber ich sehe keine andere Möglichkeit.“
Das Elementum glaubte diesen heuchlerischen Worten des Rektors nicht. In Wirklichkeit war er seiner Meinung nach doch froh darüber, ihn loszuwerden. Am liebsten wäre er ihm ins Gesicht gesprungen. Doch er riss sich zusammen und ließ den Lehrer aussprechen.
Ich habe bereits alles mit Herrn Argon besprochen“, fuhr Herr von Zimmenthal fort. „Sie werden bei der E-Wehr untergebracht. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Das Haus 4E ist aus der Schusslinie gebracht und Sie stehen dafür unter besonderem Schutz der Wachmänner.“
Das ist nicht Ihr ernst“, rief der Schüler aufgebracht. „Sie können mich doch nicht einfach rausschmeißen!“ Er sprang auf und ballte die Fäuste.
Da hielt ihn Florian am Arm fest und sprach mit ruhiger Stimme:
Bleib gelassen, Robin. Setz dich wieder!“
Widerwillig befolgte er den Rat seines Mentors.
Selbstverständlich werden Sie weiterhin auf das Abitur vorbereitet. Ich habe Ihnen einen Privatlehrer engagiert, der täglich zur E-Wehr kommt und Sie unterrichtet.“
Auch das noch!
Robin schaute seinen Mentor Florian an und sprach verzweifelt:
Jetzt sag doch auch mal was! Das kann er doch nicht mit mir machen.“
Der Feuer-Elementarist atmete tief durch, bevor er antwortete:
Ehrlich gesagt meine ich auch, dass das die richtige Entscheidung ist. Es ist für alle Beteiligten das Beste.“
Robin wusste nicht mehr, was er dazu noch sagen sollte. Ihm fiel einfach nur die Kinnlade herunter. Anscheinend hatte sich die ganze Welt gegen ihn verschworen.
Sie dürfen jetzt in aller Ruhe packen und dann fahren Sie mit Herr Argon mit zur E-Wehr“, erklärte der Schulleiter ruhig.
Darf ich mich wenigstens von meinen Freunden verabschieden?“
In der Mittagspause dürfen Sie das. Bis dahin haben Sie Zeit, Ihre Sachen zusammenzusuchen.“
Robin nickte. Er gab auf, da er sowieso keine Argumente hatte, die den Rektor hätten umstimmen können. Wohl oder übel musste er sein Schicksal annehmen.
Verärgert und ohne sich zu verabschieden verließ er das Büro.

Wo warst du denn während des Unterrichts“, fragte Marina, als sie mit den anderen auf den Innenhof kam, wo Robin bereits mit gepackten Taschen stand.
Und warum zum Teufel hast du hier dein ganzes Gepäck herumstehen?“, wollte Iggy wissen.
Lass mich raten“, mischte sich Aria ein. „Du gehst wieder auf eine Reise zu einem besonderen Elementaristen, der dir etwas beibringt, oder?“
Normalerweise machst du das aber doch am Wochenende“, gab Jojo zu bedenken.
Robin fiel es schwer zu antworten, aber er musste es ihnen beichten:
Ich werde das Haus 4E verlassen und in ein Zimmer bei der E-Wehr ziehen.“
Was?“, fragten alle vier Freunde gleichzeitig.
Das ist nur ein Scherz“, rief Iggy aufgebracht.
Leider nein“, entgegnete das Elementum. „Herr von Zimmenthal ist der Meinung, dass meine Anwesenheit alle hier in Gefahr bringt. Daher muss ich weg.“
Gibt er dir etwa die Schuld für den Mord an Quinn?“, wollte Aria wissen.
Irgendwie schon“, antwortete der Siebzehnjährige. „Er will nicht, dass noch mehr wegen mir sterben müssen.“
Das klingt so, als ob du Verständnis dafür hättest?“, hakte Marina nach. „Aber dir ist doch klar, dass das Mist ist? Du kannst absolut nichts dafür.“
Ja, ich weiß, aber mir bleibt nichts anderes übrig. Florian nimmt mich gleich mit zur E-Wehr. Dort bekomme ich auch Privatunterricht.“
Das ist schrecklich“, schluchzte die Wasser-Elementaristin plötzlich los und fiel ihrem Freund um den Hals.
Du kannst nicht abhauen“, warf Iggy ein. „Du kannst mich nicht alleine lassen. Ohne dich kriege ich doch nichts gebacken. Meine schlechte Leistung bei der Prüfung zeigt doch, dass ich deine Unterstützung brauche.“
Vielleicht sollten wir noch mal mit Herrn von Zimmenthal reden“, schlug Aria vor.
Als ob das was bringen würde“, entgegnete Iggy sarkastisch.
Leute“, sagte Robin schließlich, „wir haben doch alle Handys. Wir schreiben uns einfach in einem Gruppenchat. So halten wir uns auf dem Laufenden. Und vielleicht können wir uns zwischendurch auch mal sehen. Ich bin schließlich kein Gefangener.“
Alle reagierten mit einem stummen Nicken. Dann umarmten sie ihren Kumpel nacheinander. Marina wollte ihn gar nicht mehr loslassen und weinte bitterlich. Aber das Elementum musste sich irgendwann losreißen. Florian Argon wartete bereits im Auto und daher musste er schließlich gehen.
Der Abschied fiel ihm schwer. Vor allem bedrückte ihn, dass er nicht wusste, ob er jemals wieder zurückkehren durfte. Er hoffte innerlich darauf, dass es nur zeitweise war. Aber das wusste man nicht.
Wenn Sie nur den Mörder schnappen würden...