Sonntag, 23. September 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 11

Nun war es soweit. Es war der Tag der praktischen Prüfungen. Die ganze Schülerschaft war aufgeregt und irgendwie war die Stimmung noch immer bedrückt. Alles stand im Schein des Todes ihres Rektors. Doch trotzdem mussten sie dadurch.
Marina würde die Wasserprüfung, Aria die Luftprüfung und Jojo die Erdprüfung absolvieren. Nur Robin und Iggy hatten Glück, dass sie gemeinsam zur Feuerprüfung antreten durften.
Alle Schüler ihres Jahrgangs und ihres Elements kamen zusammen. Bei den Feuer-Elementaristen nahm Serafina Funke die Prüfung ab. Sie war die Tutorin der Feuer-Elementaristen. Mit ihrer warmherzigen Art war die Frau mit den roten Locken sehr beliebt bei den Schülern. Aber sie konnte auch streng sein, was jeder wusste. Und so hatten sie großen Respekt vor der Prüfung.
Hoffentlich schaffen wir das“, rief Iggy seinem besten Freund aufgeregt zu.
Aber sicher doch. Wir müssen zuversichtlich sein.“
Die Prüfung fand in der Sporthalle statt. Alle Schüler des Elements Feuer stellten sich am Rand auf. Serafina Funke trat vor sie und legte eine Reihenfolge fest. Da betrat Florian Argon die Halle.

Florian?“, rief Robin erstaunt. „Du hier?“
Ich muss doch meinen Schützling mental unterstützen. Ich wünsche dir viel Erfolg!“
Robin war sehr erfreut, als er seinen Mentor sah. Damit hatte er nicht gerechnet.
Vielen Dank!“
Wie nett von ihm“, kommentierte Iggy mit einem Hauch von Eifersucht in der Stimme.
Da boxte ihm das Elementum leicht auf die Schulter.
So, liebe Feuer-Elementaristen“, begann Frau Funke, „und liebes Elementum.“ Robin musste grinsen. „Nun beginnt Ihre allererste praktische Prüfung im Element Feuer. Ich erkläre Ihnen den Ablauf und rufe Sie anschließend in alphabetischer Reihenfolge auf.“
Alle hörten der Lehrerin gespannt zu. Sie wollten unbedingt wissen, wie die folgenen Aufgaben aussahen. Dann sprach sie weiter:
Als erstes werden Sie einen Feuerball erschaffen. Anschließend schleudere ich einen Feuerstrahl, den Sie in eine andere Richtung lenken müssen. Zuletzt müssen Sie einen meiner Feuerstrahlen abwehren. Ich beobachte dabei, wie souverän und wie schnell sie das hinbekommen und gebe Ihnen dafür eine Note.“
Das ist ja easy“, flüsterte Robin seinem Kumpel zu. Er war voller Zuversicht, da er diese Dinge schon mehrmals vollbracht hatte. Gerade während des Praktikums hatte er solche und noch viel schwierigere Dinge tun müssen. Iggy hingegen war nicht so überzeug von sich. Vor Aufregung fing er sogar zu schwitzen an.
Und dann musste er auch noch ausgerechnet beginnen. Sein Nachname Brenner war auf der Klassenliste an erster Stelle.
Na super“, seufzte er auf den Weg in die Mitte der Halle.
Sind Sie bereit, Herr Brenner?“
Innerlich dachte er sich, dass er nicht bereit war. Aber tatsächlich sagte er:
Ja, ich bin bereit.“
Dann starten wir nun mit der Prüfung. Als erstes erschaffen Sie einen Feuerball.“
Iggys Herz pochte. Er streckte seine flache Hand vor sich aus und versuchte sich zu konzentrieren. Alle Schüler starrten ihn an, was ihm unangenehm war. Er schloss die Augen. Es vergingen einige Sekunden, aber nichts passierte.
Entspannen Sie sich“, gab ihm Frau Funke als Tipp. Doch Entspannung war in einer derartigen Situation ziemlich schwer.
Er atmete noch einmal tief ein und aus und nahm all seine Kraft zusammen. Schließlich erschuf er eine kleine Kugel aus Flammen. Ungefähr eine Sekunde war sie auf seiner Hand erschienen, bis sie wieder verpuffte.
Entschuldigung“, sprach er unterwürfig zur Lehrerin. „Ich bin sehr aufgeregt.“
Das ist schon in Ordnung. Wir können mit der zweiten Übung fortfahren.“
Diesmal stellte sich die Leherin neben den jungen Elementaristen. Sie streckte ihre beiden Arme von sich und erschuf einen Feuerstrahl.
Lenken Sie ihn nun in eine andere Richtung!“, forderte Frau Funke ihren Schüler auf.
Iggy nahm seine Hände und versuchte den Strahl abzulenken. Doch nichts passierte. Wieder schloss er die Augen und versuchte es angestrengt. Mittlerweile war er von Kopf bis Fuß nassgeschwitzt.
Robin fragte sich, was mit seinem Freund los war. Er hatte schon schwierigere Dinge gemeistert, aber hier tat er sich schwer. Er verstand es nicht. Er drückte ihm aber die Daumen und hoffte, dass er es irgendwie hinbekam.
Warum klappt es nicht? Was ist los mit mir?
Iggys Gedanken flogen durcheinander. Dies stresste ihn nur noch mehr. Wenn er es nicht bald schaffte, würde er durch die Prüfung rasseln. Das durfte nicht sein. Mit letzter Energie und einem lauten Kampfschrei, schaffte er letztendlich, dass Frau Funkes Feuerstrahl auf den Boden gelenkt wurde.
Puh“, stieß er erschöpft aus.
Danke, Herr Brenner. Nun kommen wir zur letzten Aufgabe, welche die schwierigste ist. Ich werde einen Feuerstrahl auf sie schleudern und sie müssen ihn abwehren, bevor er sie trifft.“
Nun standen sich der Schüler und die Lehrerin in einem Abstand von etwa zehn Metern gegenüber. Iggy begann regelrecht zu zittern. Es war definitiv nicht sein Tag und er glaubte nicht daran, dass er die letzte Aufgabe hinbekam.
Diese Gedanken führten dazu, dass er aufgab. Er wollte es nur noch hinter sich bringen. Wahrscheinlich war es sowieso zu spät für ihn.
In diesem Moment schleuderte Serafina den Feuerstrahl auf ihn los. Mit einer Geschwindigkeit raste er auf ihn zu, dass er keine Chance hatte. Er hob lediglich seine Hände schützend vor sich und schrie laut los. Und da hielt er tatsächlich den Strahl von sich ab. Wie ein Schutzschild hielten seine Hände die Flammen ab, die sich an seiner Seite in Rauch auflösten.
Super“, rief Robin laut los. Zumindest diese Aufgabe hatte er ganz gut hinbekommen.
Vielen Dank, Herr Brenner“, sprach die Lehrerin.
Doch Iggy war enttäuscht und ließ den Kopf hängen. Nun würde sie ihm mitteilen, dass er durchgefallen war. Doch es kam anders. Die Lehrerin sagte nämlich:
Alle Aufgaben haben sie hinbekommen. Es hat zwar ziemlich lange gedauert, aber sie haben es geschafft. Daher erhalten Sie die Note 4. Herzlichen Glückwunsch.“
Sie reichte ihm die Hand, was er schlaff erwiderte. Dann ging er mit hängenden Schultern zurück an die Seite.
Robin klopfte ihm auf die Schulter und sagte:
Du hast es geschfft! Das ist doch klasse.“
Das war eine schwache Leistung“, entgegnte der Rotschopf traurig. Er war nicht zufrieden, weil er wusste, dass mehr in ihm steckte. In seinen Augen hatte er absolut versagt, auch wenn er die Prüfung gerade noch so bestanden hatte.
Es dauerte eine Weile, aber dann war auch Robin an der Reihe. Als Serafina Funke seine Prüfung offiziell eröffnete, dauerte es keine Sekunde, bis der ordentliche Feuerball in Robins Hand erschien.
Prima“, lobte die Lehrerin. „Dann kann es weiter mit der nächsten Aufgabe gehen.“
Auch da stellte sie sich neben den Schüler und feuerte einen Strahl aus Flammen ab. Doch bevor er auch nur einen Meter weit gekommen war, lenkte ihn Robin nach rechts. Somit hatte er auch diese Aufgabe ausgezeichnet gelöst.
Bei der letzten Prüfungsaufgabe sah es nicht anders aus. Serafina Funke schleuderte einen Feuerstrahl auf ihn, den Robin erfolgreich abwehrte und bereits auf halber Strecke in Rauch auflöste.
Perfekt“, bestätigte die Lehrerin. „Da habe ich nichts zu kritisieren. Das ist eine glatte 1!“
Vor Glück sprang das junge Elementum in die Luft. Auch Florian kam in die Mitte der Halle und beglückwünschte ihn sofort.
Das machte Iggy noch trauriger. Sein bester Freund hatte es super gemacht, während er selbst beinahe versagt hätte. Er fühlte sich echt elend und konnte seinem Kumpel nur halbherzig zu seiner Leistung gratulieren.

Nach den Prüfungen trafen sich die fünf Freunde im Aufenthaltsraum und erzählten sich gegenseitig von ihren Prüfungen. Marina fing an:
Als erstes musste ich es regnen lassen. Ein paar Tropfen hätten gereicht, aber natürlich schaffte ich einen ganzen Regenguss. Herr von Zimmenthal war zwar nicht zu begeistern, aber konnte auch nichts kritisieren. Dann musste ich eine Welle im Schwimmbecken umlenken. Auch das fand ich leicht. Als letztes schleuderte Herr von Zimmenthal einen Wasserstrahl auf mich, den ich abwehren musste.“
Das ist ja so ähnlich wie bei uns gewesen“, bemerkte Robin.
Lass mich raten“, mischte sich nun Aria ein. „Du hast mit einer 1 bestanden.“
Die Wasser-Elementaristin grinste und zeigte ihren Daumen nach oben.
Bei mir lief es auch ganz gut“, sprach Jojo. „Ich habe eine 2 bekommen.“
Und was musstest du machen?“, interessierte Robin.
Zunächst musste ich ein kleines Erdbeben erzeugen. Das war kein Problem. Dann sollte ich eine Pflanze aufkeimen lassen. Das war echt schwer und hat recht lange gedauert. Dafür war die letzte Aufgabe wieder einfach für mich. Ich sollte einen Steinregen abwehren.“
Ich habe auch eine 2 bekommen“, erzählte anschließend Aria. „Die erste Aufgabe war das Erzeugen eines Wirbelwinds. Danach musste ich einen Gegenstand mit Hilfe der Luft bewegen. Das habe ich auch ganz gut hinbekommen. Einen Windstoß habe ich auch ganz ordentlich abgewehrt. Es war nicht perfekt, aber ganz gut. Ich bin zufrieden.“
Und wie lief es bei euch?“, fragte Marina die beiden übrig gebliebenen Freunde.
Für Robin lief es fantastisch. Er hat eine 1 bekommen. Aber ich wäre beinahe durchgefallen.“ Er klang ziemlich enttäuscht, was die anderen verstummen ließ.
Aber du hast bestanden“, erinnerte ihn Robin. „Und das ist die Hauptsache.“
Mit einer 4“, erwiderte der Rotschopf resigniert. „Das ist eine miese Leistung. Ich weiß gar nicht, was ihr mit mir in eurem Zirkel wollt. Ich bin es gar nicht wert, zum Zirkel zu gehören.“
Jetzt erzähl doch nicht so einen Mist“, widersprach das Elementum. „Du gehörst zu uns, weil wir an dich glauben.“
Genau“, bestätigte Aria. „Das war nur eine blöde Prüfung, die garnichts über dich aussagt. Die nächste machst du halt besser. Wen juckt es?“
Ihr habt leicht reden“, entgegnete Iggy gereizt. „Ihr habt ja auch super Noten bekommen. Ich bin der Versager.“
Mit diesem Satz stand er auf und verließ den Raum. Die anderen schauten ihm bemitleidend hinterher.