Donnerstag, 16. August 2018

[Nachgedacht] Merkt sich das Internet alles?

Als ich geboren wurde, gab es das Internet noch garnicht. Es kam erst später und nahm immer mehr das Leben jedes einzelnen Menschen ein. Es mag zwar noch ältere Menschen geben, die damit nichts anfangen können und ihr Leben ganz gut ohne Internet bewältigen, aber ich bezweifle, dass junge Menschen sich ein Leben ohne es vorstellen könnten.

Mit Errungenschaften kommen aber auch Probleme. Jedes Kind hat quasi schon ein Smartphone und stellt damit Dinge an, die gefährlich werden könnten. Cyber-Mobbing steht an der Tagesordnung und Sexting fängt schon in der Grundschule an. Und hört man nicht immer wieder die Laute besorgter Eltern, die versuchen, ihre Kinder vor Fehlern zu bewahren: "Das Internet vergisst nichts".

Ich habe mir in der letzten Zeit sehr viele Gedanken darum gemacht. Ich nutze das Internet nun seit etwa 15 Jahren - und das täglich. Seit es Smartphones gibt sowieso. Und wenn man das Internet durchforstet, findet man auf jeden Fall Dinge, die ich vor 15 Jahren online gestellt habe. Deshalb ist es auf jeden Fall richtig, dass das Internet nichts vergisst. Daher müsste man jedes Mal mehrfach darüber nachdenken, ob man unbedingt ein Foto oder einen Text hochladen sollte. Denn dieses Bild oder dein Geschreibsel könnte dich bis ans Lebensende verfolgen.

Andererseits denke ich mir, dass das Internet mit seiner Fülle sehr schwer zu überschauen ist. Es wäre ein riesiger Zufall, würde man meine geistigen Ergüsse in diversen Foren finden, in denen ich 2003 etwas geschrieben habe. Und wie sollte man diese Wörter denn bewerten? Ich war damals süße 18 Jahre alt. Heute fangen Kinder viel früher an und diese müssen sich ja selbst noch entwickeln. Sollte man ihnen gänzlich das Internet verbieten?

Ich bin auch für den kontrollierten Gebrauch des Internets und fordere Eltern dazu auf, ihre Kinder aufzuklären und ggf. gut aufzupassen, was ihre Zöglinge im World Wibe Web so anstellen. Auf der anderen Seite finde ich, dass man als Nutzer des Internets nicht alles so ernst nehmen muss. Wenn der Arbeitskollege sich unglücklich über politische Entwicklungen auf Facebook ausdrückt, sollte man ihn nicht gleich meiden. Wenn meine Nachbarin plötzlich auf einer Pornoseite zu sehen ist, wie sie mit ihrem Lover vor der Kamera Hoppe Hoppe Reiter spielt, sollte man sie dafür nicht verurteilen. Wenn plötzlich ein kurzes Video auf Youtube erscheint, wie Onkel Rudi besoffen auf einer Geburtstagsfeier auf den Tischen tanzt, kann man einmal drüber lachen. Aber damit in Verbindung zu bringen, dass deren Leben vorbei ist, sie sich bis an ihr Lebensende schämen müssten und am besten niemals mehr einen Job bekommen, ist doch mehr als übertrieben.

Das Internet hat mittlerweile eine hohe Präsenz und jeder hält sich dort irgendwie auf. Mir macht es Spaß und vieles, was das Internet betrifft, gehört zu meinen Hobbys. Manche Menschen verteufeln es ja so sehr, dass sie keine sozialen Netzwerke nutzen, kaum zum Spaß dort unterwegs sind (höchstens im Beruf) und alles meiden, was das Internet zu bieten hat. Damit schränkt man sich selbst meiner Meinung nach ein wenig ein. Meiner Ansicht nach muss man keine Angst vorm Internet haben, höchstens Respekt. Und wie viele Menschen haben ihren "peinlichen" Fingerabdruck im Netz hinterlassen und leben immernoch? Über Paris Hiltons Sextape redet heute kein Mensch mehr. Jeder hat sie bei einer sehr intimen Sache gesehen. Na und? Dafür gehört sie nicht gesteinigt.

Davon abgesehen lässt sich heute durchaus sehr viel aus dem Internet streichen. Gefällt mir ein Foto auf Instagram nicht, lösche ich es. Natürlich kann sich jeder x-beliebige Mensch davon einen Screenshot gemacht haben und es erneut irgendwo hochladen. Aber in Wahrheit juckt es doch keinen. Und selbst wenn: Irgendwann gerät auch das in Vergessenheit. Life goes on. Wer weiß: Vielleicht ist es ja irgendwann normal, dass man statt eines Gesichtsbildes sein Geschlechtsteil als Profilbild in den sozialen Medien nimmt. Who knows? Also immer cool bleiben und nicht den Weltuntergang heraufbeschwören.