Sonntag, 26. August 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 7

Mittlerweile war schon der letzte Tag der ersten Praktikumswoche und bald würde das Wochenende beginnen. Diesen Tag verbrachte Robin mit Florian Argon. Darauf hatte er sich die ganze Zeit schon gefreut. Irgendwie fand er den Feuer-Elementaristen echt cool. Außerdem war er seine meiner Minung nach im Element Feuer am besten. Nun konnte er endlich beweisen, was er drauf hatte.
Heute werden Sie die Trainingshalle kennenlernen“, kündigte Herr Argon an. „Darin findet man einige Gerätschaften, an denen wir unsere Fähigkeiten ausüben können.“
Das klingt spannend“, antwortete Robin hoch erfreut.
Tatsächlich sah das Gebäude von außen wie eine riesige Lagerhalle aus. Als sie aber eintraten, wirkte es eher wie eine Sporthalle mit verschiedenen Bereichen. Unter anderem standen in einer Ecke Figuren, die Robin an Schießstände erinnerte. Aber in der Mitte schien ein ernormer Scheiterhaufen aufgebaut zu sein.

Heute haben wir die Halle alleine für uns und ich kann Ihnen in Ruhe alle Stationen aufzeigen. Wir fangen dort drüben an.“
Und tatsächlich musste Robin dem rotbärtigen Mann zu den Pappaufstellern folgen.
Können Sie bereits Feuerbälle erschaffen?“
Das war endlich einmal was, was das junge Elementum tatsächlich beherrschte. Er streckte seine flache Hand vor sich aus und erschuf eine Kugel aus Feuer.
Das ist sehr gut“, lobte Florian Argon. „Nun werfe diesen Ball auf das erste Ziel dort drüben.“
Der Pappaufsteller, den der Mann meinte, war derjenige, der ihnen am nächsten stand. Er sah aus wie ein Mann und war etwa fünf Meter von ihnen entfernt.
Robin holte aus und schleuderte die Kugel gegen die Figur, die sofort in Flammen aufging.
Super“, lobte der Feuer-Elementarist erneut. Mit einem Handschlag löschte er die Flamme sofort. „Nun schleudere die nächste Kugel auf das zweite Ziel.“
Dieses stand nun etwa zwei Meter weiter hinter dem ersten Ziel. Robin erschuf eine weitere Kugel aus Flammen und schleuderte sie gegen die Pappfigur. Auch diese traf er. Vor Freude jubelte er.
Anschließend war das dritte Ziel an der Reihe, welches etwa zehn Meter von ihnen entfernt stand. Auch diesen traf der Siebzehnjährige, wenn auch nur knapp.
Langsam wird es schwieriger“, kommentierte er seinen eigenen Wurf.
Je weiter ein Ziel entfernt ist, desto schwerer ist die Treffsicherheit“, erklärte Herr Argon. Versuche es mit dem nächsten Ziel.
Dieses stand etwa fünfzehn Meter entfernt und da hatte Robin sichtlich Probleme. Er verfehlte den Aufsteller und die Feuerkugel schleuderte gegen die Wand.
Versuche es erneut“, forderte der Wachmann den Jungen auf.
Und das tat Robin auch. Er verfehlte den Pappaufsteller erneut. Erst beim dritten Mal traf er ihn.
Langsam tut es in den Schultern weh“, klagte der blonde Schüler sodann. Mit der einen Hand hielt er sich die Schulter seiner Wurfhand.
Deine Schleuderkraft holst du aus deinen Armen“, entgegnete Florian Argon. „Aber du musst lernen, deine geistigen Kräfte zu verwenden.“
Dann stellte er sich neben den Schüler und erschuf ebenfalls eine Flammenkugel auf seiner flachen Hand. Doch er warf sie nicht mit der Hand gegen das Ziel. Es schien so, als ob sie aus eigener Kraft gegen das Ziel flog.
Krass!“, rief Robin verblüfft aus.
Jahrelanges Training“, erwiderte der Mentor gelassen.

Nach etwa einer Stunde verließen sie diese Station und gingen weiter zu einem großen Gerät aus Metall, an dessen Vorderseite ein Rohr auf sie zeigte.
Was ist das?“
Das ist eine Art Flammenwerfer“, erklärte Herr Argon. „Wenn ich sie anstelle, wird Ihnen ein Feuerstrahl entgegengeschleudert. Ihre Aufgabe wird es sein, ihn aufzuhalten, damit er sie nicht zu Asche verarbeitet.“
Robin bekam es mit der Angst zu tun. Würde er es schaffen? Er war sich nicht sicher. Da fiel ihm allerdings ein, dass ihm Flammen nichts anhaben konnten. Er erinnerte sich daran, wie ein Feuer in seiner alten Schule ausbrach und er in die Flammen geriet. Er war der einzige, der ohne einen Kratzer da raus kam. Mit diesem Wissen konnte er gelassener an die Aufgabe gehen.
Dann fangen wir an.“
Der Feuer-Elementarist stellte sich an das Gerät und drückte auf ein paar Knöpfen herum. Die Maschine fing zu röhren an. Robin machte sich bereit.
Dann ging es los. Ein gewaltiger Feuerstrahl wurde auf den Jungen abgefeuert und so schnell konnte er gar nicht reagieren, wie er auf ihn zukam. In letzter Sekunde sprang der Siebzehnjährige einfach zur Seite. Doch er hatte die Rechnung nicht ohne seinen Mentor gemacht. Der Wachmann lenkte den Strahl so um, dass er von hinten wieder auf Robin zuflog. Im letzten Moment duckte sich der Junge weg und die gigantische Flamme flog über seinen blonden Haaransatz hinweg.
Aber auch dann ließ der bärtige Mann nicht locker. Wieder lenkte er den Strahl um und diesmal hätte das Elementum nicht ausweichen können. Schließlich hielt er seine Hände vor sich und strengte sich an. Und tatsächlich schaffte er es, die Flamme von sich abzulenken. Sie löste sich quasi in seinen Händen in Rauch auf.
Sehr gut, Herr Held“, lobte Florian Argon den Schüler. „Das haben Sie für einen Anfänger prima gemacht.“
Danke sehr“, entgegnete Robin erfreut, aber völlig verschwitzt. Dieses Training war seiner Ansicht nach ziemlich hart.

Als nächstes liefen sie rüber zum Scheiterhaufen, der sich in der Mitte der Halle befand.
Was passiert hier?“, wollte der Siebzehnjährige wissen.
Gleich zünde ich da Holz an und dann wird es hier lichterloh brenen.“
Und dann?“ Der Junge war sehr gespannt, was folgen würde.
Dann werden Sie im wahrstens Sinne des Wortes durchs Feuer gehen.“
Nichts leichter als das“, scherzte das junge Elementum unsicher.
Der Wachmann der E-Wehr zündete den Scheiterhaufen mit einem Feuerball an. Es brannte innerhalb weniger Sekunden und man konnte die schneidende Hitze spüren.
Bei so viel Rauchentwicklung muss es hier eine gute Belüftung geben“, scherzte der Siebzehnjährige erneut. Trotz großem Respekt gegenüber den Übungen konnte er noch Sprüche klopfen.
Robin wollte gerade in das Feuer steigen, als ihn Florian Argon an der Schulter packte und ihn zurückhielt.
Hä?“, wunderte der Junge sich.
Schau mal!“ Der rothaarige Mann trat ins Feuer, als ob es das Normalste von der Welt wäre. Robin beobachtete ihn. Dann kam er wieder heraus und fragte:
Was fällt dir an mir auf?“
Keine Verbrennungen?“
Und?“
Das junge Elementum schaute genauer hin, aber ihm viel nichts Besonderes auf. Sein heutiger Mentor stand so vor ihm, wie er vor wenigen Minuten bereits vor ihm stand.
Was fällt dir an meiner Uniform auf?“
Erst da fiel es dem Jungen wie Schuppen von den Augen. Seine Uniform war unversehrt.
Ihre Kleidung hat nichts abbekommen.“
Richtig“, bestätigte der Wachmann. „Unsere Uniform ist speziell beschichtet und demnach feuerfest. Deine Kleidung würde hier in Flammen aufgehen und du würdest nackt wieder aus dem Scheiterhaufen steigen.“
Robin errötete bei dieser Vorstellung. Das wollte er nicht.
Daher werde ich dir eine meiner Uniformen leihen. Komm mit in die Umkleide. Dann kannst du sie anziehen.“
Robins Aufregung stieg. Er würde gleich eine Uniform der E-Wehr anziehen. Sein Herz füllte sich mit Stolz. Das fand er großartig und er freute sich unheimlich darauf.
Ein paar Minuten später stand er dann wieder vor dem großen Feuer. Dieses Mal hatte er die Uniform an. Sie war ihm deutlich zu groß und es sah so aus, als schwimme er darin. Schließlich war Herr Argon einen Kopf größer als er und hatte ebenfalls die breitere Statur. Dennoch konnte er so problemlos in die Flammen steigen. Er musste sich zwar höllisch konzentrieren, aber es funktionierte.
Als er wieder aus den Flammen trat, schlug ihm sein Mentor vor Stolz auf die Schulter.
Das war prima, Robin. Ich darf dich doch Robin nennen?“
Ja, natürlich“, antwortete der Junge erfreut.
Du darfst mich auch gerne Florian nennen.“ Und dann reichten sie sich einander die Hände.
Das Elementum spürte ein Glücksgefühl ohnegleichen. Für ihn war dies bislang ein großartiges Praktikum gewesen. Es war lediglich schade, dass es nur noch eine Woche andauern würde. Dann wäre auch dies wieder vorbei. Am liebsten würde er sofort eine Ausbildung bei der E-Wehr beginnen.
Ich habe noch eine erfreuliche Nachricht für dich“, eröffnete Florian daraufhin. „Morgen fahren wir gemeinsam nach Köln. Dort habe ich ein Treffen mit jemandem vom Alpha-Team arrangiert.“
Wie bitte?“ Robin dachte, er hörte nicht richtig. Das konnte nur ein Traum sein.
Du wirst morgen Brandon Zeus kennenlernen. Er ist der Feuer-Elementarist des Alpha-Teams.“
Was?“, rief der blonde Schüler erstaunt aus. „Das ist doch ein Scherz!“
Nein, mein voller Ernst. Ich habe ihn angerufen und von dir erzählt. Ihm ist es ebenfalls eine große Ehre, ein Elementum kennenzulernen. Du bist ebenfalls eine kleine Berühmtheit.“
Nun konnte das Elementum nicht mehr an sich halten. Er war so überwältigt, dass er seinen Mentor quasi ansprang und ihn umarmte.
Vielen Dank!“, sprach er hoch erfreut. „Das ist einfach unglaublich.“

Gleich nachdem er wieder im Haus 4E ankam, schnappte er sich sein Handy und rief seinen besten Freund Iggy an.
Ich muss dir was erzählen. Du wirst staunen!“
Schieß los!“, forderte der Rotschopf ihn auf.
Morgen komme ich nach Köln.“
Du willst mich besuchen?“
Nein“, antwortete Robin. „Oder ja, das auch. Aber vor allem lerne ich morgen Brandon Zeus kennen.“
Was?“, schrie Iggy laut in den Hörer, dass dem Elementum beinahe die Ohren wegflogen. „Wie kann das denn sein?“
Mein Betreuer bei der E-Wehr hat das organisiert.“
Das ist der absolute Wahnsinn! Du weiß gar nicht, wie ich Brandon Zeus vergöttere. Er ist mein großes Vorbild.“
Wirklich? Ich kannte den Namen bis heute gar nicht.“
Das kann doch nicht wahr sein. Und du wirst ihn kennenlernen. Ich bin ja so neidisch, Robin.“
Ich besorge dir ein Autogramm“, scherzte der blonde Schüler.
Sehr witzig“, entgegnete der rothaarige Feuer-Elementarist. „Danach musst du aber unbedingt zu mir nach Hause kommen und meine Familie kennenlernen.“
Sehr gerne“, bestätigte Robin. „Lass uns aber jetzt auflegen. Ich möchte es noch den anderen erzählen.“