Sonntag, 19. August 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 6

Am nächsten Morgen berichtete er seinen Freunden erneut am Frühstückstisch, was er über die Symbole der Elemente herausgefunden hatte.
Das ist nicht möglich“, staunte Marina. „Wir können niemals so stark sein wie das Alpha-Team. Wir sind doch noch Schüler.“
Ich kann es mir ja auch nicht erklären, aber so hat es mir Herr Waters berichtete.“
Jetzt bin ich ja noch neidischer als ich es eh schon war“, kommentierte Aria mit gespielter Entrüstung.
Ich versuche heute Abend noch mehr darüber in Erfahrung zu bringen“, sprach die junge Wasser-Elementaristin nachdenklich. „In der Bibliothek muss es doch mehr darüber zu finden geben. Es kann einfach nicht alles sein. Ich denke, du hast etwas damit zu tun, Robin.“
Meinst du?“, hakte das Elementum nach.
Und dass wir einen Zirkel gebildet haben. Vielleicht haben wir irgendeine Macht entfesselt.“
Dann viel Erfolg bei der Recherche“, neckte Robin seine Freundin und gab ihr einen Kuss auf die Wange.


Etwas später wurde er von der letzten Elementaristin aus Florian Argons Gamma-Team abgeholt. Dieses Mal war es ein Cabrio, was den Siebzehjährigen mal wieder in Erstaunen versetzte. Es war Januar und der Winter hüllte nach wie vor die Luft in Kälte. Wie konnte diese Frau also in einem geöffneten Cabrio herumfahren?
Und dann hatte Anila Stürmer – so hieß sie nämlich – auch noch ein breites Grinsen auf den Lippen. Dabei trug sie lediglich ein rotes Top ohne Ärmel und weitem Ausschnitt. Robin schlotterten bereits bei ihrem Anblick die Knie.
Steig ein“, forderte sie ihn auf.
Dankbar setzte er sich neben sie und zog sich die Kapuze seiner Winterjacke über den Kopf. Gleich würde ihm der heftige Winterwind um die Ohren sausen. Kein Wunder, dass Anilas blonde, etwa kinnlangen Haare an den Seiten abstanden.
Doch als sie losfuhren, wehte ihnen gar kein kalter Wind entgegen. Stattdessen war es warme Luft, als ob sie in der prallen Sommersonne herumdüsen würden. Skeptisch nahm er seine Kapuze wieder ab und fragte:
Sorgen Sie etwa für diese Wärme?“
Davon können Sie ausgehen, Herr Held“, antwortete die Luft-Elementaristin grinsend.
Dann erinnerte er sich, wie seine neue Lehrerin Aurélie d'Air ans Internat kam. Es war schon ziemlich kühl draußen und sie stand in einem luftigen Kleidchen im Hof. Sie erklärte damals, dass auch sie die Temperatur der Luft um sich herum einstellen konnte. Er fragte sich, ob er das auch einmal lernen würde. Praktisch war es ja.
Mit dem Auto fuhren Sie dann auf das Gelände der E-Wehr. Sie parkte das Auto vor einem recht hohen Gebäude.
Würden Sie bitte einen Moment hier warten? Ich zieh nur schnell meine Uniform an.“
Robin nickte, während Frau Stürmer schnell ins Gebäude flitzte. Ein paar Minuten später kam sie wieder heraus. Nun trug sie die schwarze Uniform mit dem goldenen E auf der Brust. Auch ihre drei Stern-Abzeichen waren zu erkennen.
Wohin werden wir heute gehen?“, wollte das junge Elementum von seiner heutigen Mentorin wissen.
Da hinauf“, antwortete sie und zeigte auf das Dach des Gebäudes, vor dem sie gerade standen.
Hoffentlich gibt es einen Aufzug“, scherzte Robin.
Wir brauchen keinen Aufzug. Wir fliegen da hoch.“
Mit diesem Satz erzeugte sie einen Luftstrom unter sich und sie hob regelrecht ab. Und Robin sah mit an, wie sie über der Erde schwebte.
Wow!“, staunte er. Diese Woche waren Tage voller Staunen und er dachte, dass er sich irgendwann daran gewöhnen würde. Dies war aber nicht der Fall. Jedes Mal wurde er wieder von den unglaublichen elementaren Fähigkeiten überrascht.
Versuche es auch!“, forderte Anila Stürmer auf.
Ich kann das nicht.“
Doch, sicher. Du musst den Luftstrom nur kontrollieren.“
Robin atmete tief ein und aus. Dann hielt er seine flachen Hände auf den Boden unter sich gerichtet und konzentrierte sich. Mit einem kräftigen Windzug schleuderte er sich selbst in die Luft. Er schrie los, weil er sich nicht unter Kontrolle hatte und wegschleuderte. Da wurde er in der Luft festgehalten. Es war die Luft-Elementarstin, die ihn wieder sanft auf dem Boden absetzte.
Das probieren wir gleich nochmal“, erklärte sie fröhlich.
Doch der Siebzehnjärhrige blieb skeptisch. Ob er dies heute noch hinbekommen würde, bezweifelte er.

Im Laufe der nächsten Stunden schaffte Robin es zumindest, ein wenig über der Erde zu schweben. Aber es erforderte seine ganze Konzentration.
Irgendann wird es Ihnen leichter fallen und dann können Sie frei durch die Lüfte fliegen“, erklärte Anila Stürmer enthusiastisch.
Dann flog sie mit einer hohen Geschwindigkeit in die Lüfte, bis sie auf dem Dach des Hauses landete. Das Elementum war ziemlich beeindruckt. Plötzlich entfachte sie einen Wirbel aus Luft, der auf Robin zuraste. Vor Schreck blieb er starr stehen. Was sollte er tun?
Da erfasste ihn der Wirbel und zog ihn die Höhe. Er schrie panisch los, doch keine zwei Sekunden später ließ der Wirbel von ihm ab und er landete auf dem Dach des Hauses. Wie ein angeschossenes Reh blickte der Junge seine Mentorin mit weit aufgerissenen Augen an. Doch diese lächelte lediglich und sagte:
Entschuldigen Sie bitte. Vielleicht hätte ich Sie vorwarnen sollen. Ich wollte Sie nur zu mir aufs Dach holen.“
Robin rappelte sich langsam auf und nahm sich wieder zusammen. Als er fest auf seinen Füßen stand, blickte er sich um. Von dem Dach dieses Gebäudes aus konnte man das ganze Gelände der E-Wehr überblicken. Es mussten bestimmt an die hundert Häuser gewesen sein, die er sah. Alles war umzäunt von einer relativ hohen Mauer. Geschäftig liefen Leute hin und her. Auch Fahrzeuge und Lastwagen fuhren zwischen den Häusern.
Das ist echt riesig“, kommentierte der blonde Siebzehnjährige, was er sah.
Wir brauchen eben Platz zum agieren“, entgegnete die Luft-Elementaristin. „Außerdem dürfen die Bürger nicht sehen, was hier vorgeht. Stell dir mal vor, man hätte uns beobachtet, wie wir das heutige Training absolvieren. Nicht auszudenken, was passieren könnte.“
Was meinen Sie damit?“
Hast du noch nie von den Experimenten gehört, die wohl an Elementaristen durchgeführt werden sollen? Es gibt angeblich eine spezielle amerikanische Organisation, die Elementaristen sucht und entführt, um an ihnen herumzuschneiden und mit elektrischen Impulsen zu quälen. Daher dürfen wir nie verraten, dass es uns gibt.“
Bei diesen Erklärungen musste Robin heftig schlucken.
Das klingt übel“, entgegnete er schließlich.
Daher werden Elementaristen auch hart bestraft, die unser Geheimnis an gewöhnliche Menschen verraten.“
Im Unterricht haben wir gelernt, dass Kinder von Elementaristen unterschiedlicher Elemente keine Kräfte haben. Was ist mit ihnen?“
Die Gesellschaft der Elementaristen sieht vor, dass solche Familien davon absehen, ihre Kräfte zu nutzen. Die Kinder sollen außerdem nie erfahren, dass ihre Eltern Elementaristen sind. Dann können sie ein normales Leben führen und sich in die Gesellschaft der normalen Menschen einfügen.“
Verstehe.“
Robin war froh, dass er jetzt sogar noch theoretisches Wissen anhäufte. Vielleicht wusste er nun einmal mehr als seine kluge Freundin Marina.
Wollen wir jetzt fortfahren?“, schlug Anila Stürmer vor.
Was steht als nächstes an?“
Gut, dass Sie das fragen.“
Die Luft-Elementaristen holte mit ihren Armen aus und mit einem Windhauch wehte es Robin vom Dach. Lauthals schrie er los.
Hat das denn nie ein Ende?