Sonntag, 12. August 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 5

Beim Frühstück saß das Elementum mit seinen Freunden zusammen und quatschte über die ersten Tage des Praktikums. Nur Iggy war nicht anwesend, weil er ja in Köln war.
Mein Praktikum in der Tanzschule ist die Hölle“, berichtete Aria. „Ich darf den ganzen Tag Spiegel putzen und den Boden bohnern.“
Marina musste sich ein Schmunzeln verkneifen. Sie dachte sich das ja schon.
Bei mir ist es auch nicht besonders toll“, hakte Jojo ein. „Ich langweile mich tierisch. Den ganzen Tag am Empfang stehen und die Leute begrüßen ist nicht gerade lehrreich.“
Dann geht es mir ja noch richtig gut“, sagte Marina. „Ich darf zwar auch nichts machen oder anfassen, aber ich lerne verschiedene Stationen im Krankenhaus kennen und darf einiges beobachten.“
Ihr tut mir alle echt leid“, kommentierte Robin anschließend. „Mein Praktikum bei der E-Wehr ist richtig genial. Heute gehe ich mit einem Wasser-Elementaristen in die Schwimmhalle.“

Oh“, stieß die Wasser-Elementaristin Marina mit Skepsis aus.
Was ist los?“, wollte Robin wissen.
Wenn du in die Schwimmhalle gehst, kann man das Symbol auf deiner Brust sehen.“
Na und?“
Möchtest du, dass die anderen es sehen? Ich halte das für keine gute Idee.“
Im vergangenen Jahr mussten die Teenager gegen einen starken Gegner kämpfen. Besonders die Wasserkräfte von Marina und Robin waren gefragt. Nach dem Kampf erschien ein Elementarwesen und verlieh den beiden ein Symbol auf ihrer rechten Brust: Ein Dreieck, dessen Spitze nach unten zeigte. Anschließend fanden sie heraus, dass nur besonders starke Elementaristen dieses Symbol trugen.
Hat man deines nicht auch im Praxisschwerpunkt gesehen?“, fragte Robin seine Freundin.
Ich trage immer einen Badeanzug, der meine Brust vollständig bedeckt. Niemand soll das Symbol sehen.“
Aber wieso?“, mischte sich nun Aria ein. „Ihr könnt total stolz darauf sein. Ich wäre froh, wenn ich so ein Symbol auf der Brust tragen würde. Das zeigt doch, wie stark ihr seid.“
Eben“, bestätigte Marina. „Und das erweckt Misstrauen und wirft unangenehme Fragen auf. Ich möchte aber hier als ganz normale Schülerin behandelt werden. Mit Herrn von Zimmenthal als Tutor habe ich es schon schwer genug.“
Der Wasser-Elementarist Tiberius von Zimmenthal war ein sehr strenger Lehrer, der besonders viel von der klugen Marina erwartete. Immer wieder musste sie sich beweisen und trotz den besten Noten war sie in seinen Augen nicht gut genug. Ständig musste sie sich seine herablässigen Kommentare anhören, was ihr oftmals ziemlich an die Nieren ging. Daher stand sie ziemlich unter Druck.
Na gut“, gab Robin schlussendlich nach. „Aber wie verstecke ich mein Symbol? Ich ziehe ganz gewiss keinen Badeanzug an.“
Da kann ich helfen“, bot Aria an. „Ich habe wasserfestes Make-up.“
Robin und Jojo lachten gleichzeitig los, doch Marina und Aria nickten sich einig zu. Damit war klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte und sie es ernst meinten.

Eine Stunde später stand das Elmentum bereits in Badehose in der pompösen Schwimmhalle der E-Wehr. Das Make-up funktionierte perfekt und man sah nicht das Geringste von seinem Symbol.
Nun konnte er sich ganz auf den Tag in der Schwimmhalle konzentrieren. Bevor sein heutiger Mentor auftauchte, schaute er sich um. Die Halle war mindestens dreimal so groß wie im Internat. Es gab einen hohen Sprungturm und einige Ringe, die von der Decke hingen. Der Siebzehnjährige fragte sich, wozu sie gut waren.
Dann blickte er ins Wasser. Einige Düsen waren am Rand zu erkennen. Er ging am Rand des Beckens entlang und sah, dass das Wasser immer tiefer wurde. An der tiefstens Stelle konnte er nur erahnen, dass es wohl sehr weit runter ging. Er kam zu dem Schluss, dass dies hier kein gewöhnliches Schwimmbecken wie im Freibad war. Hier wurden Wehrmänner ausgebildet.
Nun freute er sich darauf, was ihn Spannendes erwarten würde. Er hoffte lediglich, dass er nicht ertrinken würde.
Dann betrat endlich der Wasser-Elementarist des Gamma-Teams die Halle. Robin hatte Nero Waters bereits auf den Weg zur E-Wehr kennengelernt, weil er ihn mit dem Auto abgeholt hatte. Doch nun wirkte er lediglich in Badeshorts bekleidet irgendwie noch beeindruckender.
Nero Waters war Afroamerikaner mit kurzen, schwarzen Afrolocken, breiter Nase und volle Lippen, um die er sich einen Bart wachsen ließ. Sein Körper war defintiv durchtrainiert. Seine Oberarme und sein Bauch waren sehr muskulös.
Da fiel Robin auf, dass der Wasser-Elementarist an den Armen mit verschiedenen Tribals tätowiert war, aber kein Symbol auf der Brust hatte. Das fand er sehr merkwürdig, weil er doch wusste, dass besonders mächtige Elementaristen dieses Symbol besaßen. Er ging automatisch davon aus, dass jemand von einem Gamma-Team der E-Wehr so ein Symbol besitzen musste. Aber das war wohl falsch gedacht. Er selbst aber besaß dieses Wasser-Symbol, welches er lediglich mit Make-up verdeckt hatte.
Dem Mentor musste Robins skeptischer Blick aufgefallen sein, denn er fragte:
Was ist los? Sie schauen mich so seltsam an.“
Oh“, stieß der Junge aus, wobei er sich ertappt fühlte, „mir ist nur aufgefallen, dass Sie kein Symbol auf der Brust haben.“
Symbol?“, hakte Herr Waters nach.
Äh“, stotterte Robin, „ich habe da etwas in einem Buch gelesen. Besonders mächtige Elementaristen werden gezeichnet und tragen das Symbol ihres Elements auf der Brust.“
Das ist richtig“, bestätigte der Wasser-Elementarist. „Aber das haben wirklich nur außerordentlich mächtige Elementaristen. Ich gehe davon aus, dass es diejenigen vom Alpha-Team haben. Aber doch nicht so ein gewöhnlicher Wachmann wie ich.“
Das erstaunte Robin, dass sogar sein Mund aufklappte. Wenn das stimmte, war er selbst so mächtig wie das Alpha-Team. Wie konnte das denn sein? So stark war er doch nicht und außerdem konnte er seine Kräfte nicht einmal richtig kontrollieren. Irgendwie war er total verwirrt und konnte sich nur schwer wieder fassen. Aber Nero Waters wollte endlich mit dem Training beginnen.
Lass uns loslegen!“, schlug er deshalb vor und Robin nickte bestätigend.

Dieses Becken hat einige Features, über welche ein normales Schwimmbecken nicht verfügt“, erklärte der Wasser-Elementarist seinem Praktikanten. „Beispielsweise lässt sich die Temperatur verändern oder der Druck erhöhen.“
Cool!“, kommentierte Robin. „Aber wozu sind die Ringe da oben gut?“
Das ist eine gute Frage, mit der wir auch gleich starten. Damit lassen sich Zielübungen machen.“
Herr Waters ging an die Seite des Beckens und betätigte einige Knöpfe an einem Schaltpult. Da bewegten sich die Ringe. Vorher waren sie zueinander gerichtet. Doch nun zeigte die Öffnung jedes Ringes auf die beiden Elementaristen.
Nun versuche einen Wasserstrahl direkt nacheinander in die Ringe zu schleudern!“
So schwer kann das doch nicht sein“, entgegnete der Siebzehnjährige und machte sich bereit. Er konzentrierte sich, bis sich ein Wasserstrahl zwischen seinen Händen bildete. Und dann schleuderte er ihn in die Luft in Richtung des ersten Ringes. Doch der Strahl verfehlte ihn knapp unterhalb. Robin lief sofort rot an. Da hatte er sich wohl überschätzt.
So einfach ist das dann doch nicht“, neckte ihn der Afroamerikaner. „Du musst den Druck deinen Strahls erhöhen, sodass er soweit nach oben kommt. Du musst mehr Kraft in ihn legen.“
Nun stellte sich Nero Waters auf, um die Übung seinem Praktikanten vorzuführen. Er holte mit seinem Armen aus und ohne, dass er sich großartig konzentrieren musste, schleuderte er einen Wasserstrahl mit voller Wucht durch den Ring. Dann stoppte er schlagartig und holte erneut aus. Der zweite Strahl traf den zweiten Ring perfekt in der Mitte. Dies wiederholte er, bis er alle Ringe getroffen hatte. Das junge Elementum war sichtlich beeindruckt.
Etwa eine Stunde trainierte Robin an den Ringen, bis er es einigermaßen schaffte zu treffen. Natürlich war er nicht so flink wie Nero, aber immerhin hatte er etwas dazugelernt.
Dann ging es endlich ins Wasser. Herr Waters blieb aber zunächst außen am Schaltpult stehen. Er informierte Robin nicht, was auf ihn zukommen würde. Schließlich ging die zweite Übung los.
Das Wasser wurde wärmer und wärmer. Der siebzehjährige Schüler ahnte schon, was passieren würde. Bald würde das Wasser kochen. Also musste er gegensteuern, damit er nicht als Hummer enden würde. Er konzentrierte sich und kühlte das Wasser um ihn herum ab. Das klappte auch. Irgendwann konnte er die Temperatur gut halten, zumindest in einem Radius von etwa zwei Metern. Er sah, dass es ansonsten im Becken kochte, da der Dampf aufstieg.
Das mache ich gut, oder?“, lobte er sich selbst und grinste dabei.
Doch in diesem Moment sah er, wie sich vor sich eine große Welle bildete, die auf ihn zukam.
Oh nein!“, stieß er aus. „Was soll ich bloß tun?“
Er wusste, dass er nicht gleichzeitig das Wasser temperiert und die Welle aufhalten konnte. So weit waren seine Kräfte noch nicht und das würde ihn jetzt in Schwierigkeiten bringen. Also musste er sich etwas einfallen lassen.
Die Welle kam näher und drohte auf ihn herabzustürzen. Sie würde ihn unter sich begraben und die Hitze würde ihn verbrennen. Blitzschnell setzte er auch hier wieder das Element Luft ein. Er erzeugte einen Luftstrom unter sich, der das Wasser verdrängte. Mit einem Stoß schleuderte er sich selbst gegen die Decke. Bevor die Welle auf ihn herabfiel, war er ihr entkommen und hing nun an einem Ring an der Decke.
Entschuldigend sah er zu seinem Mentor, der lediglich den Kopf schüttelte und sagte:
Das hier war eine Wasser-Übung. Sie sollten deshalb auch nur das Element Wasser einsetzen.“
Robin wusste in diesem Moment, dass er noch viel zu lernen hatte. Hoffentlich würde er am nächsten Tag erfolgreicher sein.