Sonntag, 5. August 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 4

Da einige Schüler ihr Praktikum in einer anderen Stadt machten, war das Haus 4E schon ziemlich leer. Doch wenn sich alle morgens auf den Weg zu ihrer Praktikumsstelle innerhalb Frankfurts machten, wirkte das Gelände wie ausgestorben. Robin wurde ziemlich spät von seiner Mentorin für diesen Tag abgeholt. Er hatte nicht geahnt, dass sie gleich kommen würde. Er ging eigentlich davon aus, dass ihn Herr Argon abholen und zu Frau Fossil bringen würde. Aber die Erd-Elementaristin fuhr persönlich mit ihrem metallic-braunen SUV vor.
Sind Sie Robin Held? Dann steigen Sie ein! Mein Name ist Petra Fossil.“
Wow!“, stieß das junge Elementum begeistert aus. Zum einen beeindruckte ihn ihr Gefährt, zum anderen aber auch die Erscheinung dieser Frau.
Sie wirkte elegant, aber stark und entschlossen zugleich. Sie war etwa in dem Alter von Herrn Argon, also Mitte dreißig. Ihr langes, karamellbraunes Haar hing ihr glatt über den Rücken. Ihre Gesichtszüge waren schmal, aber sehr markant. Ihre vollen Lippen zogen sich ganz leicht nach unten, was ihr einen ernsten Blick verlieh. Auch ihre Kleidung verlieh ihr eine starke Aura. Sie trug eine beige Bluse, deren obersten drei Knöpfe geöffnet waren, sodass sie locker auf ihrem sehnigen Körper saß. Darüber trug sie eine braune Lederjacke.
Sie tragen gar keine Uniform“, bemerkte er.

Heute fahren wir nicht aufs Gelände der E-Wehr. Deshalb bleibe ich in Zivil.“
Langsam wurde der siebzehnjährige Junge misstrauisch. Handelte es sich bei der Frau tatsächlich um eine Mitarbeiterin der E-Wehr? Aber wenn sie eine Betrügerin war, woher sollte sie dann seinen Namen kennen und sich selbst als Petra Fossil vorstellen? Nur Florian Argon und sie selbst hätte wissen können, dass er den Tag mit ihr verbrachte. Aus diesem Grund verwarf es seinen misstrauischen Gedanken wieder.
Wir fahren in den Taunus“, eröffnete sie ihm schließlich.
Wie bitte?“ Robin war erstaunt. Was wollten sie dort im Gebirge?

Für einen Wanderausflug war der junge Elementarist wahrlich falsch gekleidet. Zwar hatte er seine Winterjacke an, aber mit seiner einfachen Jeans und den Turnschuhen war er nicht auf einen langen Gang über Stock und Stein vorbereitet.
Sie hatte das Auto am Fuße des Gebirges abgestellt, einen Rucksack aus dem Kofferraum geholt und Robin dazu aufgefordert, ihr zu folgen. Dann ging die Wanderung los.
Sehe dies als erste Lektion des Tages“, sagte Frau Fossil.
Robin fing an zu lachen, da er es als Scherz verstand. Doch da seine Mentorin nicht mitlachte, verstummte er sogleich wieder.
Sie wanderten etwa zwei Stunden und sprachen dabei kaum ein Wort miteinander. So hatte sich Robin seinen ersten richtigen Praktikumstag nicht vorgestellt. Er wollte eigentlich mehr von der E-Wehr erfahren und nicht über die Natur. Aber er traute sich nicht, etwas zu sagen. Er wollte nicht respektlos erscheinen, also ließ er es über sich ergehen.
Der kalte Wind tat sein Zusätzliches, dass die Laune des Siebzehnjährigen stetig fiel. Am liebsten wäre er umgedreht, doch irgendwann waren sie wohl am Ziel angekommen, denn sie blieben stehen.
Erschöpft stemmte er seine Hände in die Knie und atmete schwer aus.
Frau Fossil hingegen legte ihren Rucksack ab und stellte sich an einen Abhang. Erst dann blickte ihr der Schüler hinterher und schaute auf die Umgebung. Vor ihnen erstreckte sich ein prachtvoller Ausblick. Sie konnten die ganze Umgebung betrachten, welche aus wunderbarer Natur und niedlichen kleinen Orten bestand. Robin war tatsächlich fasziniert von dem, was seine Augen ihm boten.
Ist das nicht wunderschön?“, fragte die Erd-Elementaristin.
Beeindruckend“, war Robins knappe Antwort.
Ich komme gerne hierher. Hier fühle ich mich der Erde am nächsten.“
Robin war irritiert, denn hier oben war man seiner Meinung nach eher dem Element der Luft ganz nahe, da ihnen der Wind stark um die Ohren wehte.
Außerdem kann man hier super trainieren“, erklärte sie weiter.
Fragend blickte er die Frau von der E-Wehr an. Wie trainierte sie hier? Bevor er auch nur seine Frage laut aussprechen konnte, sprang Petra Fossil vom Rand des Abgrunds in die Tiefe.
Halt!“, schrie Robin laut und verzweifelt los. Starr vor Schock schaute er ihr hinterher. Er dachte, dass sie unten aufschlagen würde, was ihren Tod bedeutete.
Doch da tauchte sie wieder vor ihm auf, unter ihr ein von ihren Kräften gebildeter Erdhügel.
Wow!“, staunte er erneut. Damit hatte er nicht gerechnet.
Sodann sprang die Elementaristin wieder neben ihn und ließ mit wenigen Handbewegungen den Hügel wieder verschwinden. Robin war erstaunt darüber, dass die Erde unter ihnen dabei nicht einmal bebte. Er innerte sich noch daran, wie Jojo einen Erdwall errichtete und es sich dabei wie ein Erdbeben anfühlte. Doch hier spürte er absolut nichts. Diese Frau hatte ihre Kräfte wohl sehr gut im Griff.
Versuchen Sie es auch!“, forderte sie ihn schließlich auf.
Wie bittte?“
Springen Sie und lassen Sie sich von einem Erdhügel auffangen.“
Das kann ich nicht.“
Aber Sie sind ein Elementum. Das kriegen Sie schon hin.“
Diese Frau klang sehr überzeugt, was Robin nicht im Geringsten war. Er hingegen glaubte fest daran, sich in den Tod zu stürzen, wenn er springen würde.
Doch Petra Fossil ließ ihm keine Wahl. Mit einem Satz stand sie hinter ihm und gab ihm einen Stoß in den Rücken, sodass er kopfüber in den Abgrund fiel.
Er schrie voller Panik los. Jede Sekunde rechnete er damit, auf dem Boden aufzuschlagen. Schützend nahm er seine Hände vor sein Gesicht. Kurz bevor er unten aufschlug, nahm er all seine Kraft zusammen und setzte die Luft ein, um seinen Sturz abzubremsen. Er landete sanft auf einem Luftbett, das ihn vorsichtig auf der Erde abließ.
Noch immer war er geschockt darüber, was gerade geschehen war.
Wollte sie mich etwa umbringen?
Der blonde Schüler rappelte sich auf, fasste sich wieder und schrie wütend nach oben in Richtung seiner Mentorin:
Was sollte das? Ich hätte sterben können.“
Da sprang die Erd-Elementaristin erneut und setzte ihre Kräfte ein, um schnell bei ihrem Schützling zu sein.
Es tut mir leid“, entschuldigte sie sich, ohne mit der Wimper zu zucken. „Das wollte ich nicht. Ich hatte Sie wohl überschätzt. Aber es ist ja glücklicherweise alles gut gegangen.“
Am liebsten hätte Robin ihr vorgeworfen, dass sie verrückt wäre, aber er blieb stumm. Er wollte sein Praktikum nicht aufs Spiel setzen.
Wir sollten vielleicht ein paar einfache Übungen machen“, schlug sie sodann mit einer Gelassenheit vor, welche Robin nur den Kopf schütteln ließ.
Den Rest des Tages war die Elementaristin aber viel rücksichtsvoller. Ziel des Tages war ein leichtes Erdbeben zu verursachen, was Robin auch irgendwann schaffte. Zwar hatte er die ganze Zeit damit gerechnet, wieder in eine gefährliche Situation zu geraten, doch Frau Fossil ließ dies nicht mehr zu. Sie versprach, sich solche gefährlichen Aktionen für die Ausbildung aufzuheben, falls Robin jemals der E-Wehr beitreten wollte. Das erleichterte den Jungen ungemein und so war er am Ende des Tages doch recht zufrieden. Ein bisschen freute er sich sogar darauf, wieder einen Tag mit ihr in der folgenden Woche verbringen zu dürfen.
Am nächsten Tag sollte er aber zunächst den Wasser-Elementaristen von Herrn Argons Gamma-Team kennenlernen. Darauf war Robin nun ebenfalls sehr gespannt. Er wusste, dass es in die eigene Schwimmhalle der E-Wehr gehen sollte, die wahrscheinlich der Halle des Internats ähnelte. Doch darin hatte er sich etwas getäuscht, wie er bald merken sollte.