Sonntag, 20. Mai 2018

[Lady Diamond 1] Kapitel 14

Am Fuße des Bergs, in dem der böse König Umbra seinen Thronsaal errichtet hatte, standen die vier Schattenritter zusammen und ärgerten sich darüber, dass ihre vergangenen Pläne gescheitert waren.
„Wie konnte das nur passieren?“, fragte Sir Acidum die anderen.
„Ich kann es mir auch nicht erklären“, antwortete Sir Nix.
„Die Menschen hatten sich in Monster verwandelt. Eigentlich hätten sie die Stadt in Schutt und Asche legen sollen“, erklärte Sir Venenum.
„Aber nichts dergleichen passierte“, fügte Sir Somnum hinzu, „und stattdessen wurden sie irgendwann wieder zu ganz normalen Menschen.“
„Da stimmt doch was nicht“, vermutete Sir Acidum.
„Lasst uns das Orakel dazu befragen“, schlug Sir Nix vor.
Und so betraten sie den dunklen Tunnel des Bergs und liefen in die Richtung der hübschen Wahrsagerin.
„Meine Ritter, wie kann ich Euch behilflich sein?“, fragte das Orakel mit einer ruhigen Stimme.
Sir Venenum antwortete für seine Kollegen:
„Kannst du für uns herausfinden, warum unsere Pläne scheiterten?“
„Ich bemühe mich.“

Damit schloss das Orakel seine Augen, konzentrierte sich und strich mit beiden Händen über die Glaskugel. Die Schattenritter standen um es herum und ließen die Kugel nicht aus den Augen. Sie hofften, dass sie etwas darin sehen würden.
Plötzlich erstrahlte die Glaskugel in einem hellen Licht, was die Ritter blendete.
„Was ist das?“, wollte Sir Somnum wissen. „Das Licht ist so hell. Ich kann nicht mehr sehen.“
„Aufgepasst!“, rief das Orakel. „Schaut hin! Jetzt könnt Ihr etwas sehen.“
Die vier bösen Ritter kniffen die Augen eng zusammen und versuchten mit aller Kraft in die Kugel zu blicken. Und da ebte das Licht ab und ein klares Bild einer Kämpferin zeigte sich.
„Wer ist das?“, wollte Sir Acidum wissen.
Im Innern der Glaskugel erschien eine Frau im kurzen Rock, mit einem Büstenhalter aus Stahl, Handschuhen und Stiefeln. Sie hatte weißes Haar und trug eine weiße Augenmaske.
„Ist sie verantwortlich für unsere Niederlagen?“, hakte Sir Nix nach.
„Vermutlich ja“, antwortete das Orakel. „Sie ist diejenige, die gegen die Monster kämpfte und siegreich hervorging.
„Eine Frau!“, rief Sir Venenum verächtlich aus.
„Wir müssen sie aufhalten“, beschwor Sir Somnum. „Wenn sie sich das nächste Mal einmischt, werden wir es ihr zeigen.“
„Das ist eine gute Idee“, lobte Sir Acidum.
„Zeig uns ein neues Ziel!“, befahl Sir Nix dem Orakel.
Erneut konzentrierte die Wahrsagerin sich und erzeugte ein neues Bild auf ihrer Glaskugel. Dieses mal eine junge Frau mit der Kleidung einer Pizzakette und einem Namensschild auf der Brust.
„Das ist eine Kellnerin“, stellte Sir Venenum fest.
„In ihr sähen wir die nächste Saat der Dunkelheit“, bestätigte Sir Somnum.
Und dann machten sich alle vier Schattenritter auf den Weg.

Lorena war gerade auf dem Heimweg von der Schule und schaute ihre Nachrichten auf dem Handy durch. Ihr hatten einige ihrer nun mittlerweile über 12 500 Abonnenten geschrieben. Sie fühlte sich geehrt, wenn sie die ganzen Komplimente zu ihrer Haarfarbe las. Ein Mädchen, das etwa ein oder zwei Jahre älter als Lorena war, hatte sich ebenfalls nach ihrem Vorbild die Haare gefärbt und war begeistert. Die Fünfzehnjährige war sehr stolz.
Da erhielt sie eine Nachricht von Kai. Sofort fing ihr Herz schneller zu klopfen an. Sie fragte sich, warum der Schulsprecher sich bei ihr meldete. Sie war ganz aufgeregt.
Warum schreibt er mir?

Hallo, Lorena! Ich möchte dich heute in die Pizzeria Luigi einladen. Hast du um 18:00 Uhr Zeit?

Innerlich machte sie einen Freudensprung. Ist es wahr? Bat der Schulsprecher sie wirklich um eine Verabredung? Und dann noch gleich heute? Das konnte doch nicht Wirklichkeit sein. Sie freute sich riesig und daher antwortete sie:

Sehr gerne. Ich komme.

Auch er schrieb sofort wieder zurück:

Super! Dann bis später.

Sie konnte es kaum fassen. Tatsächlich hatte sie eine Verabredung mit ihrem Schwarm. Konnte der Tag noch besser werden? Sofort legte sie einen Zahn zu, denn sie musste noch das richtige Ouffit für später aussuchen. Sie konnte ihr Glück kaum fassen.