Sonntag, 7. Juni 2020

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 26


Ein paar Tage später standen für die Jugendlichen wichtigere Dinge auf dem Plan. Die Jahresabschlussprüfungen in den Praxisschwerpunkten standen bevor. Auf diese konnten sie sich nun tatsächlich konzentrieren, denn sie hatten erfahren, dass ihr Plan geglückt war.
Stolz berichtete Florian Argon davon, wie sich ein anonymer Anrufer bei der E-Wehr meldete und von illegalen Kampfturnieren erzählte. Er zeigte ihnen auf, wo sie stattfanden und so konnte die E-Wehr den Veranstalter, ein paar Kämpfer und sogar Zuschauer dingfest machen.
»Was wird mit ihnen passieren?«, wollte Robin, neugierig wie er war, wissen.

»Der Veranstalter und die Kämpfer werden wohl so schnell die Gefängniszellen nicht mehr verlassen können. Bei den Zuschauern, die Wetten auf die Kämpfer abgeschlossen haben, muss ermittelt werden, ob man sie der Mitschuld an diversen Morden bezichtigen kann. Wenn nicht, werden sie mit einer saftigen Geldstrafe davonkommen.«
Um herauszufinden, ob Tara geschnappt wurde, mussten die Jugendlichen ein wenig geschickter vorgehen.
»Nahmen denn auch Frauen an diesen Kämpfen teil?«, fragte Marina.
»Auf jeden Fall. Eine Erd-Elementaristin haben wir festnehmen können«, erzählte Florian Argon freudig.
»Was für Frauen nehmen dann an so was teil?«, hakte Iggy nach. »Bestimmt so richtige Mannsweiber.«
»Nicht unbedingt. Die Frau, die wir geschnappt haben, sah total hübsch aus. Sie hatte zwar einen richtig durchtrainierten Körper, aber im Gesicht und von den langen Haaren her sah sie wie eine Dame aus.«
Für Robin, Marina, Iggy, Aria und Jojo stand damit fest, dass es sich um Tara Jordan handelte. Die Beschreibung passte zu ihr.

Mit neuer Energie konnten so die Prüfungen für die Elementaristen beginnen. Im Vergleich zu den Zwischenprüfungen hatte der Schwierigkeitsgrad ziemlich zugenommen. Doch Robin hatte keine Sorge zu versagen. Er meldete sich sogar als erster freiwillig.
Gerit Argon nahm dieses Mal die Prüfung ab, weil er seit einiger Zeit der Lehrer für das Element Feuer war. Die erste Aufgabe bestand darin, eine Zielscheibe mit einem Feuerball zu treffen. Das Elementum traf genau die Mitte.
Iggy hingegen war ziemlich aufgeregt. Seine erste Prüfung lief ja nicht so gut. Jetzt stand viel für ihn auf dem Spiel. Er wollte nicht mehr versagen. Um sich selbst zu beruhigen, griff er sich mit der Hand auf seine Brust, wo sich das Symbol des Feuers unter seinem Shirt befand. Es glühte kurz auf und damit fand der Rotschopf die Kraft, die er brauchte. Auch er traf die Zielscheibe.
Die zweite Aufgabe klang schon um einiges heftiger. Eine kleine Feuerwand wurde von Gerit Argon entzündet und die Schüler mussten dadurch laufen.
»Das ist ja leicht«, sprach Robin. »Das konnte ich ja schon als Kleinkind.«
Er war wieder der erste Freiwillige, der unbeschadet durchs Feuer lief. Iggy sah den anderen zu, wie sie es nach und nach alle schafften. Auch sein ehemaliger Kumpel Patrik hatte keinerlei Schwierigkeiten. Der Rotschopf zögerte zunächst, doch dann traute er sich. Zwar fing sein Ärmel Feuer, aber das konnte er schnell wieder löschen. Auch diese Aufgabe war bestanden.
Die letzte Übung bestand darin, ein Feuer auch wieder aufzulösen. Darin war das Elementum ebenfalls gut geübt. Mit einem Wink mit der Hand war die Flamme verschwunden. Iggy brauchte etwas länger, schaffe es dann aber.
Sie bestanden beide die Prüfung. Robin erhielt eine glatte Eins und Iggy verbesserte sich auf eine Drei.
Die Prüfung der Wasser-Elementaristen bestand ebenfalls aus drei Teilen. In der ersten Aufgabe musste Marina eine leere Wanne mit Wasser befüllen. Das war für sie wahrlich kein Kunststück. Die zweite Aufgabe war kniffliger: fünf Minuten unter Wasser durchhalten. Aber auch das meisterte das Mädchen mit der Nerdbrille mit Leichtigkeit. Selbst die letzte Aufgabe fiel ihr nicht schwer, obwohl sie zu den Königsdisziplinen gehörte. Ihre Aufgabe war es, mindestens zehn Sekunden auf dem Wasser zu stehen. Als sie das alles sehr gut hinbekommen hatte und eine Eins kassierte, hoffte sie darauf, dass es ihre ehemalige Zimmergenossin und Mitschülerin Ilayda ebenfalls packen würde.
Die schüchterne Türkin hatte dank Marina und ihren Freunden kurzzeitig ihre Kräfte verloren. Damit heimste sie sich nur Sechsen ein. Heute könnte sie den Ausgleich schaffen, da sie wieder im Besitz ihrer vollen Kräfte war. Schließlich gelang ihr alles nur mehr schlecht als recht. Aber Herr Dreizack war zufrieden und es reichte, sodass sie insgesamt eine Vier im Zeugnis erhalten würde. Marina wollte ihr gratulieren, doch Ilayda schüttelte nur den Kopf.
»Da gibt es nichts zu gratulieren«, sagte sie mit einem traurigen Lächeln. »Aber es wird schon wieder.«
Marina hatte ein schlechtes Gewissen, war aber froh, dass sich Ilayda nicht aufgab und weitermachte.
Bei den Luft-Elementaristen glänzte Aria bei der ersten Disziplin. Zwei Wirbelwinde mit beiden Armen zu erzeugen, war für sie mittlerweile zum Standard geworden. Ein schweres Gewicht von zwanzig Kilogramm in der Luft mindestens einen Meter weiter zu tragen, fiel ihr sichtlich schwerer. Die Aufgabe fand sie nicht so einfach, aber sie schaffte es. Bei der letzten Aufgabe lief aber wieder alles recht glatt. Aria musste mindestens zehn Sekunden über dem Boden schweben. Für diese insgesamt gute Performance bekam sie von Frau d’Air, der Lehrerin für das Element Luft, eine gute Zwei. Leider war ihre verhasste Mitschülerin Brisa genauso gut und erhielt ebenfalls eine Zwei. Mit hämischen Grinsen zwinkerte Brisa Aria zu.
Frau Bottenberg nahm den Erd-Elementaristen die Prüfung ab. Jojo war überzeugt von sich, dass er es gut machen wird. Das Symbol auf seiner Brust hatte ihm neuen Mut und ein großes Selbstbewusstsein verliehen, sodass er gut gelaunt in die Prüfung ging.
Die Laune verging ihm schnell, als er an seinem Mitschüler Peter vorbeikam und er ihm ein Bein stellte.
»Hey«, blaffte er den Jugendlichen mit den schwarzen Haaren an. »Was soll das?«
Peter schaute ihn richtig böse an und raunte leise:
»Wegen dir sitzt mein Vater im Knast!«
»Wegen mir?«, flüsterte Jojo zurück.
»Glaub ja nicht, ich wüsste das nicht. Mein Vater hat erzählt, dass er Ärger mit fünf Jugendlichen hatte. Die Beschreibung passt zu dir und deinen Freunden.«
»Ich weiß nicht, was du meinst«, entgegnete der muskulöse Schüler unschuldig, aber mit einem hämischen Grinsen im Gesicht.
»Das wirst du bereuen, Jojo!«
Der Achtzehnjährige ließ seinen Mitschüler einfach stehen und hoffte innerlich, dass er nun nicht mehr von ihm angebaggert werden würde. Anschließend konzentrierte er sich auf die folgenden drei Aufgaben.
Als erstes musste er im Erdboden ein Loch erschaffen. Das konnte er sehr gut. Er kniete sich hin, fasste den Boden mit der flachen Hand an und ließ die Energie durch die Erde fließen. Dann tat sich ein Loch auf und er hatte die Aufgabe gemeistert. Danach schleuderte Terra Bottenberg Felsbrocken in die Luft und die Schülerinnen und Schüler mussten sie zu Sand zerfallen lassen. Diese Aufgabe schafften nicht alle so einfach. Einige brauchten ein paar Anläufe, doch Jojo schaffte es auf Anhieb. Die letzte Aufgabe war kniffliger. Auf einer langen Bank wurden nebeneinander Töpfe mit eingegangenen Pflanzen aufgestellt. Sie waren verdorrt und die Jugendlichen mussten ihnen neues Leben einhauchen. Das war richtig schwer, sodass auch der Muskelprotz sich trotz seines neu gewonnen Symbols auf der Brust sehr anstrengen musste. Ihm gefiel es nicht, dass Peter Töpfer ausgerechnet diese Aufgabe mit einer einfachen Handbewegung meisterte.
Er muss sich nicht einmal ein bisschen anstrengen, stellte Jojo mit Bedauern fest.
Peters Pflanze erblühte zu neuem Leben, während der hünenhafte Schüler sich ganz schön konzentrieren musste, damit seine Pflanze nur ein klein Bisschen grünte. Doch Frau Bottenberg ließ es gelten und somit war die Prüfung bestanden.
Auch Jojo erhielt die Note Zwei und war damit recht zufrieden.
Später feierten die fünf Freunde gemeinsam, dass sie die Prüfungen alle gut überstanden hatten. Aufgeregt tauschten sie sich über ihre Noten aus. Die Wasser-Elementaristin mit der großen Kunststoffbrille und den langen braunen Haaren war sehr stolz auf ihren blonden Freund, da er die Bestnote erhalten hatte. Der Rotschopf mit den Sommersprossen freute sich tierisch, dass seine Leistungen besser geworden waren. Die hübsche Luft-Elementaristin und der volljährige Muskelprotz klatschten sich gegenseitig ab.
»Wir sind einfach super!«, stellte Iggy lachend fest.
»Da hast du recht«, stimmte Aria zu.
»Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen«, sprach Robin abschließend.