Sonntag, 10. Mai 2020

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 24


Es waren nur noch wenige Tage bis zu den Abschlussprüfungen. Da konnten es die Jugendlichen gar nicht gebrauchen, an etwas anderes zu denken. Doch sie hatten sich vorgenommen, Tara Jordan zu stellen. Sie mussten nur irgendwie an den Leuten der E-Wehr vorbei, die überall im Internat Wache hielten. Bis auf Robin, durften alle Schülerinnen und Schüler ohne Begleitperson das Gelände verlassen. Robin wurde darum gebeten, im Haus 4E zu bleiben, solange nicht geklärt war, wer hinter ihm her war.

Doch Jojo wusste, dass es an der Zeit war, sein neues Talent ins Spiel zu bringen. Wieder stellte er sich an einen Punkt im Innenhof auf und zog alle Blicke auf sich, in dem er seine Show abzog. Sogar die Männer von der E-Wehr staunten nicht schlecht, als er seine Muckis spielen ließ. Robin nutzte das Ablenkungsmanöver und verschwand blitzschnell aus dem Eingangstor. Etwas später folgten ihm seine vier Freunde.
»Das hast du super gemacht, Jojo«, lobte ihn Aria.
»Und es war auch noch ultrakomisch«, fügte Iggy hinzu.
Jojo freute sich, dass er zur Abwechslung mal wieder gut Laune verbreiten konnte. Dann brachte er sie zu dem geheimen Tunnel.
Die blonde Luft-Elementaristin fand es gar nicht so schön unter Tage. Ihr war es zu dunkel und sie fand es eklig.
»Stell dich nicht so an«, ärgerte sie Iggy.
»Als ob du gerne durch den Dreck läufst«, motzte sie zurück.
Der Erd-Elementarist sah den Tunnel zum ersten Mal, wenn er leer war. Da sah er aus wie ein ganz normaler, stillgelegter U-Bahn-Tunnel. Doch er wusste, dass hinter einem der aufgestellten Paravents das provisorische Büro von Karl Töpfer war, wo er sich um diese Uhrzeit schon auf den Kampf des Tages vorbereitete.
Da es in so einem Tunnel schallt, wurden sie schließlich gehört und Peters Vater kam hervor.
»Was macht ihr hier?«, klagte er die Jugendlichen an. »Ach du bist es. Warum hast du diese Kinder mitgebracht.«
»Das sind meine Freunde«, verteidigte sich der muskulöse Erd-Elementarist.«
»Wir sind auch bald achtzehn, so wie er«, sprach Iggy und zeigte mit seinem Finger auf seinen großen Kumpel.
»Achtzehn?«, hakte Herr Töpfer irritiert nach. »Du sagtest, du seist älter.«
»Da habe ich wohl ein bisschen gelogen.«
»Egal, was wollt ihr nun von mir?«
Jojo übernahm weiterhin die Rolle des Sprechers für die Gruppe.
»Wir suchen Erdbeben. Kannst du uns verraten, wo sie ist?«
»Erdbeben?«, mischte sich Aria von der Seite ein. »Ich dachte, wir suchen Tara.«
»Erdbeben ist ihr Kampfname«, erklärte Jojo. »Hier ist alles anonymisiert.«
»Deswegen kann ich euch auch nicht sagen, wo sie ist. Und jetzt verschwindet wieder!«
»Sie wissen doch bestimmt, wann sie wieder kämpfen muss«, sprach Jojo. »Das würde uns schon reichen. Dann würden wir sie erwarten.«
»Ihr Kinder seid ja urkomisch. Was wollt ihr von meinem Champion? Ihr habt doch gar keine Chance gegen sie«, behauptete Karl Töpfer großkotzig.
»Das lassen Sie mal schön unsere Sorge sein«, mischte sich nun Marina ein.
»Muskelberg«, sprach er nun direkt Jojo an, »du wolltest nicht mehr kämpfen. Das habe ich akzeptiert. Aber was soll das hier jetzt werden? Nimm deine Krabbelgruppe mit und verschwindet.«
»Sie versucht meinen Freund umzubringen. Wir müssen sie aufhalten.«
»HAUT AB!«, brüllte der Mann mit den schwarzen Haaren plötzlich los. »ODER SONST SETZT ES WAS!«
Doch der achtzehnjährige Schüler hatte noch ein Ass im Ärmel:
»Wenn Sie uns nicht verraten, wie wir sie erreichen können, verpfeifen wir Sie, Herr Töpfer
Als der Veranstalter der Kämpfe seinen Namen hörte, riss er seine Augen entsetzt auf und fragte stotternd:
»Wo… Woher… kennst du meinen Namen?«
»Wir wissen noch viel mehr«, behauptete nun Robin. »Also verraten Sie uns nun, was wir wissen müssen?«
»Ihr Gören haltet euch wohl für super schlau. Meint ihr, ich lasse mich so leicht einschüchtern.« Der gut aussehende Erd-Elementarist pfiff laut durch seine Finger. Da kamen zwei große Männer angelaufen.
»Was soll das jetzt?«, fragte Aria ein wenig ängstlich.
»Das sind wohl seine Gorillas«, erklärte Iggy ihr ebenfalls mit einem Zittern in der Stimme.
Einen der beiden Männer kannte Jojo schon. Es war der Wasser-Elementarist Aquanator aus seinem ersten Kampf. Der andere war ein Unbekannter. Er hatte dunkle Haut, kurze schwarze Locken auf dem Kopf, ein rundes Gesicht mit einer breiten Nase. Jedoch hatte er ebenfalls muskulöse Oberarme. Beide Männer schauten grimmig.
»Aquanator und Vakuuminator, schafft mir diese Kidner vom Hals!«
»Alles klar, Boss«, sagten die beiden Elementaristen gleichzeitig.
»Kommt uns nicht zu nahe«, warnte sie Robin.
»Was hast du vor?«, flüsterte ihm Marina leise zu.
»So einfach geben wir nicht auf«, antwortete er ihr.
Die jugendlichen Elementaristen wussten, dass es jetzt zum Kampf kommen würde. Sie machten sich bereit.
Der sogenannte Aquanator schleuderte als erstes einen Wasserstrahl auf die Schüler. Marina und Robin hielten mit ihren eigenen Wasserstrahlen dagegen. Der Vakuuminator stürmte an ihnen vorbei, um die anderen anzugreifen. Mit geballten Fäusten warf er Luftschüsse nach ihnen. Aria und Iggy sprangen zur Seite, während ihr Freund Jojo getroffen und nach hinten geschleudert wurde.
»Das kriegst du zurück«, drohte Iggy und attackierte ihn mit ein paar Feuerbällen.
Der böse Luft-Elementarist schrie vor Schmerz. Aria setzte gleich nach, drehte sich wie ein Wirbelsturm und nietete ihn um, sodass er zu Boden flog.
Derweil lösten sich die Wasserstrahlen bei Robin und Marina. Nun ließ Aquanator einen Nebel aufkommen, sodass sie nicht mehr sehen konnten. Robin spürte allerdings eine Faust im Gesicht und stürzte zu Boden. Marina konzentrierte sich und löste den Nebel in Luft auf. Als sie Robin auf dem Boden sah, eilte sie zu ihm:
»Ist alles in Ordnung?«
»Es wird schon wieder«, antwortete er.
Da packte der Wasser-Elementarist Marina von hinten. Nur Iggy sah es auch und rannte zu dem Kerl.
»Lass sie runter«, brüllte er, griff seinen Arm und ließ sie heiß werden.
Der große Mann schrie auf und ließ die Wasser-Elementaristin fallen. Währenddessen hatte sich Robin wieder auf seine Beine gestellt. Er ließ einen Steinregen auf Aquanator rieseln, sodass er in die Knie ging.
Vakkuminator griff auch wieder an. Er atmete so fest ein, dass Aria quasi angesaugt wurde.
»Hilfe!«, schrie sie. »Haltet mich fest.«
Jojo wollte nach ihrer Hand greifen, doch er schaffte es nicht. Sie sauste direkt auf den Mann zu, der bereits zu einem Schlag ausholte. Zum Glück war Marina zur Stelle. Sie erschuf eine Pfütze unter seinen Füßen, sodass es glitschig wurde. Dann gab sie ihm einen Stoß von hinten. Vakuuminator rutschte aus und fiel auf den Hintern. Aria konnte sich allerdings nicht bremsen, flog über ihn drüber und riss Marina mit um.
Das wollte Aquanator ausnutzen. Er schleuderte erneut einen Wasserstrahl auf die beiden Mädchen. Allerdings traf er sie nicht, weil Jojo vor ihnen einen Erdwall zum Schutz erschaffen hatte. Das Wasser prallte daran ab. Nun erschuf Robin gleichermaßen einen Erdwall, sodass die beiden Jungen zusammenarbeitete und Aquanator von allen Seiten einsperrten.
»Ihr Mistkerle«, rief er von innen heraus, doch man hörte ihn nur sehr stumpf.
Vakuuminator flog sodann in die Luft. Er sauste über die Jugendlichen hinweg und erzeugte einen heftigen Wind, der es schaffte, die Kinder von den Schuhen zu hauen.
Sie schrien und suchten halt, doch sie konnten bei den starken Winden ihre Augen nicht geöffnet halten. Schließlich konzentrierte sich Aria wieder und wehrte sich gegen den Wind. Sie blieb als einzige plötzlich stehen. Um sie herum war der Wind verschwunden. Sie schaute sich um und sah den Übeltäter. Dann drehte sie ihre beiden Arme schnell im Kreis, sodass zwei kleine Wirbelstürme entstanden, die sie in seine Richtung beförderte. Einen Augenblick später war er getroffen, fiel zu Boden und der Wind ließ nach. Das nutzten Jojo und Robin wieder aus. Sie vergruben ihn mit Hilfe des Elements Erde im Boden, sodass nur der Kopf herausschaute.
»Lasst mich hier raus«, brüllte der Luft-Elementarist.
»Das hätten wir geschafft«, sprach Iggy und rieb sich die Hände
Doch da hatte er sich zu früh gefreut. Karl Töpfer startete nun ebenfalls einen Angriff. Einen großen Felsbrocken schmetterte er auf sie ab. Er war ungefähr so groß wie ein Fernsehsessel. Mit rasender Geschwindigkeit kam er angeflogen und würde die Jugendlichen erschlagen. Doch auch hier stellten sich das Elementum und der muskulöse Erd-Elementarist in den Weg. Sie setzten ihre Fähigkeiten ein und bevor der Fels sie traf, zerfiel er zu Staub vor ihren Augen.
Dann rannten die fünf Kinder auf den Veranstalter der illegalen  Kampfturniere zu. Er ließ die Erde beben, um sie aufzuhalten. Marina und Iggy fielen zu Boden, doch Aria flog mit Hilfe ihrer elementaren Fähigkeiten einfach über den Boden. Jojo und Robin begradigten den Boden unter sich, sodass sie nicht ins Wanken gerieten.
Endlich hatten sie ihn. Der Muskelprotz schnappte ihn am Kragen und sprach:
»Jetzt sag uns schon, was wir wissen wollen oder sollen wir auch dir zeigen, was wir drauf haben?«
»Ist ja schon gut«, gab der Mann nach. »Ich weiß wirklich nicht, wo sie ist.«
Jojo holte die Faust aus, um ihm eine zu verpassen.
»Nein, bitte nicht!«, bettelte Karl Töpfer. »Ich sage euch, wann ihr nächster Kampf ist. Dann könnt ihr sie abfangen.«
»Sehr gut«, entgegnete ihm Robin.