Sonntag, 16. Februar 2020

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 18


Die Stimmung im Haus 4E war eisig für Robin und seine Freunde geworden. Die Diskussion zwischen Marina und Brisa hatte sich herumgesprochen und so kassierte besonders die Wasser-Elementaristin böse Blicke ihrer Mitschüler. Das fand sie sehr schlimm und für sie war es kaum auszuhalten.

Ihre Freundin Aria wollte sie beruhigen. Die beiden Mädchen saßen auf einer Bank im Innenhof des Internats. Aria nahm die Hand ihrer Freundin uns sagte:
»Mach dir nichts daraus, Marina. Sie sind alle eben sehr verblendet.«
»Ich verstehe es trotzdem nicht«, entgegnete das Mädchen mit der Nerdbrille. »Nur weil ich eine andere politische Meinung habe, behandelt man mich so. Ich habe niemanden persönlich etwas getan.«
»Wer weiß, was Brisa so herumerzählt hat«, mutmaßte die Luft-Elementaristin augenrollend.
Wenn man vom Teufel spricht… Da kam sie auch schon um die Ecke.
»Na, du Verräterin«, sprach sie Marina vorwurfsvoll an.
»Sie ist keine Verräterin«, nahm Aria ihre Freundin in Schutz. »Und jetzt hau ab, Brisa.«
»Natürlich ist sie eine Verräterin. Sie will doch, dass wir ausgerottet werden oder etwa nicht?«
Marina blickte ihre Mitschülerin mit zusammengekniffenen Augen böse an, aber antwortete nicht. Stattdessen übernahm Aria wieder das Wort:
»Sie will nicht, dass wir ausgerottet werden. Sie würde es nur gut finden, wenn alle Menschen gleichberechtigt wären. Da ist ein himmelweiter Unterschied.«
»Für mich nicht«, widersprach Brisa. »Wenn du doch Elementaristen so hasst, Marina, warum bist du dann noch hier bei uns? Warum verlässt du das Haus 4E nicht?«
Dieser Spruch traf Marina hart und sie musste mit sich kämpfen. Sie wollte was dagegen sagen, aber sie konnte nicht, ohne in Tränen auszubrechen. Daher ließ sie es bleiben.
Stattdessen ergriff Aria erneut Partei für sie:
»Hau du doch ab, Brisa. Heirate irgendeinen dummen Luft-Elementaristen und kriegt viele kleine Luft-Elementaristen-Babys! Lass uns in Ruhe. Jeder darf doch seine eigene Meinung haben.«
»Wow«, entgegnete Brisa sarkastisch. »Du hast ja gute Argumente. »Es lohnt sich gar nicht, mit euch zu diskutieren. Ihr seid unter meinem Niveau.« Damit stolzierte die hübsche Blondine davon.
»Lass dir nichts von ihr einreden«, sprach Aria sanft zu ihrer Freundin.
»Aber sie hat ja irgendwie recht«, erwiderte Marina und versuchte, sich wieder einigermaßen zu fassen. »Eigentlich hat sich meine Meinung erst so entwickelt, seitdem ich hier im Internat bin. Vorher war ich der festen Überzeugung, dass unsere Kräfte dazu da sind, etwas Gutes zu bewirken.«
»Aber das tut es doch. Wie oft haben wir dafür gesorgt, dass so böse Leute wie Tiberius von Zimmenthal eingesperrt werden?«
»Ja, unser Zirkel tritt für eine gute Sache ein«, stimmte die Wasser-Elementaristin zu. »Aber ich spreche allgemein von Elementaristen und nicht nur von unserem Zirkel. Wenn es solche Menschen wie Tiberius von Zimmenthal nicht geben würde, sähe die Welt viel besser aus. Aber seitdem ich hier bin, gibt es nur Gewalt. Wir müssen oft kämpfen und trotzdem passieren üble Dinge wie Rektor Quinns Tod.«
»Was meinst du damit?«, wollte Aria genauer wissen.
»Durch diese Bösartigkeiten habe ich die Hoffnung verloren. Die elementaren Fähigkeiten werden scheinbar nur dazu benutzt, um Schmerzen und Qualen auszurichten. Das finde ich nicht gut.«
Aria schwieg. Sie wusste nicht, was sie darauf antworten sollte, denn sie wusste, dass Marina recht hatte. Im Praxisschwerpunkt lernte man Techniken, um andere zu verletzen oder sich zu verteidigen. Das hatte viel mit Gewalt zu tun, als sei das der hauptsächliche Grund für das Dasein dieser Kräfte.
»Ich verstehe dich gut«, sagte sie schließlich. »Aber dann sollten wir umso mehr unsere Kräfte dazu einsetzen, diese schwarzen Schafe zumindest in Schach zu halten. Vielleicht ist das unsere Bestimmung. Vielleicht wurden wir vom Schicksal dazu auserwählt, an Robins Seite zu stehen und alles Böse zu bekämpfen.«
»Das klingt ziemlich heroisch«, entgegnete Marina grinsend. »Aria, du schaffst es immer wieder, mich aufzumuntern.« Dann seufzte die Elementaristin und fuhr fort: »Ich weiß, dass zumindest wir unsere Fähigkeiten sinnvoll dazu einsetzen, um unsere Lieben zu beschützen. Noch besser wäre es allerdings, wenn wir es nicht einmal müssten.«
Die Luft-Elementaristin nickte zustimmend.
»Aber für uns bleibt das sowieso ein Traum«, stellte die Schülerin mit der Nerdbrille fest. »Selbst wenn alle Elementaristen sich urplötzlich dazu entscheiden würden, keine Kinder mehr mit elementaren Fähigkeiten zu bekommen, würde es Jahrzehnte dauern, bis alle noch vorhandenen Elementaristen aussterben würden. Wir müssen uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren und das Beste aus unserer Situation machen.«
»Genau«, unterstützte sie Aria bei diesen Gedanken. »Unser Zirkel ist ein Team. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um Robin zu beschützen. Wir werden uns allen Angreifern in den Weg stellen und lassen uns nicht unterkriegen.«
Auch wenn Marina gerne in einer friedlichen Welt leben würde, in der ihr größtes Problem der anstehende Mathetest war, musste sie sich damit abfinden, dass sie noch andere Aufgaben hatte. Sie würde bis zum bitteren Ende an der Seite ihres gesamten Zirkels und besonders ihres Freundes Robin stehen und sich nicht aus dem Haus 4E vertreiben lassen. Dazu war sie hoch entschlossen.