Sonntag, 5. Januar 2020

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 13


Der dicke Lehrer für das Element Wasser befand sich in seinem eigenen Zimmer, als sein Mobiltelefon klingelte. Er hob ab und am anderen Ende befand sie die ehemalige Ehefrau von Tiberius von Zimmenthal.
»Guten Tag, Herr Dreizack.«
»Guten Tag«, antwortete er.
»Mein Mann und ich möchten uns ganz herzlich bei Ihnen für das Hochzeitsgeschenk bedanken. Es ist heile bei uns eingetroffen.«
»Nichts zu danken«, entgegnete der Wasser-Elementarist etwas trocken.
»Es tut uns sehr leid, dass wir sie nicht zur Hochzeit einladen konnten. Aber es wäre vielleicht doch sehr auffällig gewesen. Dann hätte man gewusst, dass wir eine gewisse Verbindung zueinander pflegen.«
»Verstehe«, antwortete er kurz angebunden. »Aber mir wird nichts zur Last gelegt und warum sollten wir uns nicht kennen dürfen?«
»Ich bin mir sicher, dass es sowieso schon Zweifler an unserer Glaubwürdigkeit gibt. Sie hatten für meinen Exmann gearbeitet, was sicherlich dem ein oder anderen aufgefallen ist.«
Zähneknirschend musste sich das der dicke Mann eingestehen.
»Wenn sie jetzt auf meiner Hochzeit aufgetaucht wäre, würde man bestimmt denken, dass wir Ähnliches im Sinn haben. Wir sollten keinen Samen streuen, wenn es nicht nötig ist.«
»Gut«, gab Narius Dreizack nach.

»Das freut mich«, entgegnete ihm die Wasser-Elementaristin fröhlich. »Mein Mann und ich melden uns demnächst wieder bei Ihnen, wenn wir wieder ein paar Informationen von ihnen brauchen. Schönen Tag noch.«
Dann legte die reiche Dame auf und der dicke Lehrer blieb unentschlossen zurück. Er fühlte sich wie ein unwichtiger Handlanger. Das passte ihm nicht.

Auch Robin bekam einen Anruf. Er war von Florian Argon. Sie hatten schon lange nicht mehr miteinander gesprochen. Das letzte Mal war es, als Florian ihm erzählte, dass Arno Mosel für den Vorsitz des E-Amts kandidiert. Das Elementum wusste nicht, ob er Lust auf das Telefonat hatte. Am liebsten hätte er es ignoriert. Doch dann entschloss er sich doch ranzugehen.
»Hallo?«
»Hallo, Robin! Schön dich zu hören. Wie geht es dir?«
»Ganz gut«, antwortet der Siebzehnjährige knapp. »Warum rufst du an?«
»Du hattest doch Bedenken hinsichtlich Arno Mosel. Vielleicht beruhigt es dich, dass Elma von Zim-menthal und er nun offiziell geheiratet haben. Sie heißt jetzt nicht mehr von Zimmenthal, sondern Mosel.«
»Warum sollte mich das beruhigen?«, fragte Robin irritiert nach.
»Damit hat sie doch nun gezeigt, dass sie sich komplett von ihrem Exmann distanziert. Sie trägt seinen Namen nicht mehr.«
»Was hat das denn damit zu tun?«
»Du sagtest einmal zu mir, dass es dich stört, dass sie noch seinen Namen trägt, wenn sie angeblich ihren Mann hasst. Jetzt müsstest du doch beruhigt sein.«
»Das ist ja eine super Logik«, entgegnete das Elementum seinem Mentor sarkastisch. »Ich bin ganz und gar nicht beruhigt. Arno Mosel kandidiert für den Vorsitz im E-Amt und will die ganze Ordnung ändern. Ihm zur Seite steht diese schreckliche Frau. Gemeinsam werden sie nur Übles verrichten. Ich sehe es schon kommen.«
»Jetzt mal doch nicht den Teufel an die Wand«, versuchte Florian Argon den Schüler zu beruhigen. »Arno Mosel ist noch lange nicht gewählt und außerdem ist das Politik und hat nichts mit üblen Machenschaften zu tun. Und jetzt komm mir nicht wieder mit Vergleicht mit Erdogan oder Hitler.«
»Seine Chancen stehen aber gut«, widersprach der blonde Jugendliche. »Wenn er es geschafft hat, wird er bestimmt die Gesetze ändern. Dann wirst du plötzlich in einer E-Wehr sitzen, in der nur Feuer-Elementaristen arbeiten.«
»Ist das denn so schlimm?«
Robin ärgerte sich mehr und mehr über seinen Freund. Er hätte nie gedacht, dass er eine derartige politische Einstellung hätte. Das enttäuschte ihn regelrecht.
»Ich finde es schlimm. Gerade du müsstest es besser wissen. Du arbeitest bei der E-Wehr und musst jeden Tag so viele Verbrecher jagen, die ihre Kräfte für das Böse nutzen. Willst du, dass das so weiter geht?«
Argon atmete lautstark aus und seufzte. Dann antwortete er:
»Hör mal, Robin. Ich liebe meinen Job und mache das sehr gerne. Dadurch fühle ich mich nützlich.«
Der Siebzehnjährige traute seinen Ohren nicht. Wollte sein Mentor ihm gerade weißmachen, dass er diese Verbrechen gut fand? Er freute sich darüber, dass solche Taten begangen wurden, damit er Arbeit hatte? Unwillkürlich schüttelte er den Kopf und wurde noch wütender.
Der Feuer-Elementarist merkte, wie er seinen Schüler verletzt haben musste und versuchte weiter, ihn zu beschwichtigen:
»Glaub mir, ich werde immer dafür sorgen, dass die Elementaristen sicher sind. Das gilt ganz besonders für dich. Ich passe schon auf, dass du nicht wieder entführt wirst. Arno Mosel und seine Frau müssen Wahlkampf führen. Sie hätten gar keine Zeit, dir jemanden auf den Hals zu schicken.«
»ACH WIRKLICH?«, schimpfte Robin nun lautstark. »UND WENN ICH DIR NUN SAGE, DASS SIE DAS SCHON HABEN?« Er kriegte sich gar nicht mehr ein, so in Rage war er.
»Was meinst du? Hat dich wieder jemand angegriffen.«
»GENAU«, brüllte Robin. Dann schnaufte er ein paar Mal durch und sprach leiser, aber mit einem bösen Unterton weiter: »Ein Erd-Elementarist in einer dunklen Kutte hat mich nachts überfallen. Jetzt sag mir noch einmal, dass da nicht diese Elma dahinter steckt.«
Es war still auf der anderen Seite. Florian Argon sagte einige Sekunden nichts mehr. Dann antwortete er endlich, aber war dabei ebenso ernst wie es Robin eben war:
»Und das sagst du mir erst jetzt? So etwas musst du sofort anzeigen. Ich bin echt enttäuscht von dir.«
»Von mir? Was hätte ich denn tun sollen? Wenn ich es dir gesagt hätte, würde die E-Wehr doch wieder blind fahnden, statt mal die richtigen Übeltäter festzunehmen.«
»Elma Mosel ist eine Wasser-Elementaristin. Ihr Ehemann auch. Also können sie es nicht gewesen sein.«
»Aber sie haben die Kohle, um jemanden zu engagieren.«
»Du sprichst von Kopfgeld. Das ist absurd.«
»Siehst du. Damit werdet ihr nie dir Richtigen schnappen«, warf das Elementum dem Mann von der E-Wehr vor.
»Sag uns du nicht, wie wir unsere Arbeit zu machen haben.«
Dann trat plötzlich stille zwischen den Beiden. Man spürte, dass die Stimmung zwischen ihnen im Keller war. Keiner wollte nachgeben. Irgendwann fuhr der Feuer-Elementarist fort:
»Ich werde jetzt meinen Bruder darum bitten, dass du im Gebäude der Lehrkräfte schläfst. Nachts wirst du nicht mehr unbeaufsichtigt bleiben.«
»Wie bitte?«, rief der Siebzehnjährige erstaunt. »Das kannst du nicht machen!«
»Und wie ich das kann. Mein Bruder wird dich im Auge behalten und mich sofort rufen, falls was passieren sollte. Auch er kann dich beschützen.«
»Das ist absolut übertrieben«, versuchte der Schüler sich zu wehren.
»Das sehe ich nicht so«, widersprach Florian Argon. »Du wirst tun, was man dir sagt. In Ordnung?«
»Nein, das ist nicht in Ordnung. Du hörst mir nicht einmal richtig zu. Und ich dachte, wir sind Freunde.«
»In erster Linie bin ich dazu da, dein Leben zu beschützen. Auch wenn es dir nicht passt, muss ich so handeln. Da kannst du von mir halten, was du willst.«
Robin grummelte vor sich hin, bis er schließlich fragte:
»War’s das dann?«
»Ja«, antwortete der rotbärtige Mann. »Wir hören uns.« Dann legte er auf.
Robin starrte auf sein Handy. Er bereute, was gerade passiert war. Im Eifer des Gefechts hat er den Kampf mit der dunklen Gestalt zugegeben. Er war nur froh darüber, dass er nicht erwähnte, dass seine Freunde dabei waren. Sonst würden sie auch noch bestraft werden. Und tatsächlich fühlte es sich wie eine Strafe an, im Verwaltungstrakt bei den Lehrerinnen und Lehrern zu schlafen. Darauf hatte er keine Lust. Dann würde er stets unter Beobachtung stehen und kaum noch Privatsphäre haben. Er hätte es für sich behalten müssen.
Warum habe ich so eine große Klappe?