Mittwoch, 6. November 2019

[Nachgedacht] Nicht binäre Menschen?

Ich bin ein sehr offener Mensch, würde ich behaupten. Ich bin hochgradig dafür, dass Homo-, Bi-, Trans-, Intersexuelle und überhaupt alle Menschen die gleichen Rechte bekommen. Doch mit einer Sache habe ich ein Problem: Neben dem weiblichen und männlichen Geschlecht, soll es nun noch "Diverses" geben - z.B. geschlechtsneutrale Menschen bzw. nicht binäre Menschen. Da hört es bei mir leider auf.

Seit jeher finde ich stereotype Geschlechterrollen kritikwürdig. Dass eine Frau lange Haare haben und Röcke tragen, der Mann hingegen kurze Haare haben und Hosen tragen soll, lehne ich ab. Dass Babys zur Geburt je nach ihrem biologischen Geschlecht ein rosa oder ein blaues Zimmer bekommen, verärgert mich. Ich bin selbst ein Mann, der nicht den typischen Klischees entspricht und beispielsweise als Jugendlicher gerne Sailor Moon geschaut hat. Dafür habe ich mich damals geschämt und habe es deshalb verheimlich. Ein richtiger Mann schaut Fußball, womit ich gar nichts anfangen konnte. Ich habe mich immer so gefühlt, als ob etwas nicht mit mir stimmt und ich vielleicht kein richtiger Mann bin. Heute bin ich überzeugt davon, dass ich TROTZDEM ein richtiger Mann bin, auch wenn ich Dinge tue oder mag, die klischeehaft dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. Diese Zuordnung möchte ich bekämpfen. Ich bin dafür, dass die Gesellschaft endlich aktzeptiert, dass auch Männer pink tragen dürfen und Frauen sich nicht schminken müssen, um weiblich zu sein (Letztere haben tatsächlich in solchen Sachen schon viel erreicht, da niemand heutzutage mehr blöd guckt, wenn eine Frau Hosen trägt oder kurze Haare hat).

Ich habe mich auch ein wenig mit dem Thema Transsexualität beschäftigt. Transsexuelle Menschen fühlen sich im falschen biologischen Körper und haben demnach eine psychische Störung, die behandelt werden muss. Um das Leiden dieser Menschen zu stillen, brauchen sie (Hormon-)Therapien und ggf. Operationen. Ich bin ganz klar dafür, dass solchen Menschen geholfen wird und die Krankenkasse sie dabei unterstützt, in dem sie für die Therapien aufkommt. Auch Hermaphroditen haben kein leichtes Schicksal. Sie sind eine "Laune der Natur" und werden demnach mit einer Missbildung geboren. Dass bei Babys, die mit beiden Geschlechtsmerkmalen, herumgedoktert wird, obwohl die Babys noch gar nicht wissen, welchem biologischem Geschlecht eher ihrer Identität entspricht, finde ich sehr fragwürdig. Da respektiere ich, dass Hermaphroditen dafür kämpfen, dass dies bei Babys aufhört (obwohl ich mir vorstellen kann, dass eine solche Missbildung beim Heranwachsen auch Probleme mit sich bringt - aber das ist ein anderes Thema).

Was ich nicht gutheißen kann, sind Menschen, die von sich behaupten, mit ihrem biologischen Geschlecht im Reinen zu sein, aber ihre Identität davon trennen und deshalb ein neues "drittes" Geschlecht beanspruchen. Ich spreche jetzt von nicht binären Personen, die sagen, dass sie sich weder männlich noch weiblich fühlen. Manche verlangen sogar ihr eigenes Pronomen oder mit "es" statt "sie" oder "er" angesprochen zu werden. Ich werde niemals eine Person mit "es" ansprechen, denn "es" ist für mich sächlich und wird von mir für Dinge verwendet. Menschen sind keine Gegenstände.

Wie begründen das nicht binäre Menschen, wenn sie sagen, sie seien weder männlich noch weiblich? Ich habe nun im Internet einige gesehen, die solche Sachen sagen wie:
 - "Ich bin biologisch männlich, schminke mich aber gerne, also bin ich kein Mann, aber auch keine Frau."
- "Ich habe eine Vagina, trage aber gerne Hosen und Schlabberpullis, habe kurzes Haar, schlafe aber gerne in einem Prinzessinnenbett, daher bin ich weder Mann, noch Frau."
- "Ich bin mit meinem weiblichen Körper im Reinen, schaue aber gerne Fußball und trinke Bier."
Das sind nur drei Beispiele, die mehr oder minder von mir erfunden wurden. Alles sollen deutlich machen, dass diese Menschen ein biologisches Geschlecht haben, sich in ihrem Körper wohl fühlen, aber Interessen haben, die eher in der Gesellschaft einem bestimmten Geschlecht zugeordnet werden. Dass dies alles nur von der Gesellschaft konstruierte Rollenbilder sind, die überhaupt nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun haben, wird vernachlässigt. 

Wie oben erwähnt, sehe ich das nämlich so, dass Interessen eine Sache der Identität sind und rein gar nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun haben. Ich bin ein Mann und ich schaue gerne Sailor Moon. Deswegen bin ich nicht weniger Mann und auch nicht weiblich. Deswegen gehöre ich auch nicht dem "dritten Geschlecht" an. Ich bin dafür, dass klischeehafte Rollenbilder aufgebrochen werden und jeder seinen Interessen nachkommen darf. Männer, die sich schminken, sollen das dürfen und gleichzeitig weiter als Mann angesehen werden, denn - ACHTUNG: SPOILERALARM - sie haben einen Penis und sind rein biologisch gesehen Männer.

Noch mal: Transsexuelle sind da eine andere Sache. Sie leiden an einer psychischen Krankheit und fühlen sich im falschen Körper. Biologische Männer, die mit der Identität einer Frau geboren wurden, wollen am liebsten auch körperlich eine Frau sein. Wenn sie sich angleichen lassen, sind sie Frauen und gehören nicht zu einem dritten Geschlecht. Das muss man verstehen. Genauso gehören Transmänner dem binären System an. Ein drittes Geschlecht gibt es in der Natur nicht. Auch Hermaphroditen haben kein drittes Geschlecht, sondern lediglich Merkmale der zwei vorhandenen Geschlechter. Auch sie sind nicht "nicht binär", sondern der größte Beweis, dass Menschen binär sind.

Wenn nicht binäre Menschen nun daher kommen und die Geschlechterfrage so durcheinanderbringen, dass man zukünftig alles akzeptieren soll und dass alle ihr eigenes Pronomen haben dürfen usw., bekommen Transsexuelle mit ihrer psychischen Krankheit vielleicht irgendwann das Problem, keine Unterstützung der Krankenkassen zu erhalten. Wer will denn da noch festlegen, wer wirklich krank ist und wer bloß eine "Schönheitsoperation" haben will.

Diese neue Definition der Geschlechter kräftig klischeehafte Geschlechterrollen, denn das würde bedeuten, dass sie richtig und wahr sind - also beispielsweise NUR Jungen mit Autos spielen und NUR Mädchen mit Puppen spielen. Biologische Jungen, die eine Barbie haben möchten, werden dann den nicht binären Menschen zugeordnet. Und das ist gefährlich, weil es auch so schon schwer ist mit den Identitäten.