Samstag, 30. November 2019

[Nachgedacht] Kann ich die Person vom Werk trennen?

Neulich bin ich mit der lieben Anna (@buchprinzessin auf Instagram und Youtube) auf Instagram live im Stream gewesen und sie hat mich zu dem Thema befragt, ob ich den Autor eines Buches vom Werk trennen kann. Sie wollte von mir wissen, ob ich ein Buch immer noch mag bzw. kaufen würde, wenn der Autor oder seine Ansichten mir nicht gefallen. Darüber musste ich erst etwas nachdenken.

Mir fiel die Entscheidung bei Serien und Filmen etwas leichter. Da gibt es viele Beispiele, in denen mir das tatsächlich gelingt. Roseanne und Bill Cosby haben beispielsweise Dinge gemacht, die mir missfallen und die ich verurteile. Dennoch liebe ich ihre Sitcoms sehr gerne und würde sie nach wie vor schauen. Für mich haben ihre Rollen nichts mit ihrer wahren Persönlichkeit zu tun. Vielleicht ist da ein kleiner Beigeschmack dabei, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir die Serien nicht mehr gefallen. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und habe sie schon mehrfach durchgeschaut, sodass ich sie nicht missen möchte, egal, was die Darsteller gemacht haben. Aber auch bei moderneren Serien wie Transparent ist das so. Die Serie gefällt mir gut, auch wenn der Hauptdarsteller Jeffrey Tambor Dreck am Stecken hat.

Bei Büchern fällt es mir allerdings nicht so leicht. Wenn ein Autor "Negativschlagzeilen" gemacht hat, würde ich seine Werke wohl nicht mehr lesen wollen. Das würde mir aufstoßen. Mit Anna bin ich dahinter gekommen, dass es daran liegt, dass der Autor und sein Werk enger zusammen liegen, als es bei Serien und Filmen der Fall ist. Bei diesen sind die Schauspieler meist nur Darsteller einer Rolle. Außerdem sind da noch viele andere Menschen beteiligt, die ja nichts für die Dinge können, die der Protagonist gemacht hat. Bei Büchern ist es anders. Da gehört das Werk unabdingbar zum Autor und wenn ich den Autor nicht mag, mag ich sein Werk nicht lesen. 

Ein Beispiel habe ich hierfür. Ich habe das Buch "Höllenritt" von Bad Boy Uli gelesen. Der Autor ist ein ehemaliges Mitglied der Hells Angels und ich ging mit der Prämisse ans Lesen, dass der Autor seine Mitgliedschaft bedauert und er nun froh ist, aus diesem Club ausgetreten zu sein. Mich interessierten die Hintergründe der Motoradgang. Beim Lesen stellte sich heraus, dass der Autor seinen Rauswurf nicht bedauert und nach wie vor die "Ideale" des Clubs für gut hält. Das ist mir übel aufgestoßen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht gekauft, da ich den Autor nicht unterstützten wollte. Um noch weitere Beispiele zu benennen, habe ich das Buch von Sarrazin deshalb nicht gekauft, gelesen oder rezensiert. Ich wollte diesen Mann nicht unterstützen, auch wenn es mich in den Fingern gejuckt hat, zu wissen, was er da verzapft hat.

Trotzdem möchte ich hier anmerken, dass ich nicht garantieren kann, dass es da nicht die ein oder andere Ausnahme gibt.