Sonntag, 3. November 2019

[Elementum 5] Bebende Erde - Kapitel 5


Ein paar Tage später lag Jojo morgens noch in seinem Bett, als seine Freunde schon längst wach waren und etwas vorbereiteten. Sie hatten ein paar Partyhüte auf und Luftrüssel im Mund. Aria hatte ihre Boxen mit, die sie an ihr Handy angeschlossen hatte. Dann klopften sie lautstark an Jojos Zimmertür.
Er war der einzige der fünf Freunde, der ein Einzelzimmer hatte und sich es nicht mit jemand anderes teilen musste. So hatte er in seinem Zimmer Platz für eine Hantelbank und einige Hanteln.
Als er das Klopfen hörte, brummte er und zog sich die Decke über den Kopf. Er wollte vor dem Unterricht noch etwas schlafen. Doch seine Freunde gaben nicht nach und riefen ihn jetzt noch:
»Jojooooo!«
So musste sich der Muskelprotz aus dem Bett quälen und rieb sich die Augen, während er zur Tür lief. Dann öffnete er ihn und vier Luftrüssel flogen ihm mit einem lauten Tröten entgegen. Dann stürmten die vier Elementaristen ins Zimmer, Aria schaltete die Musik aus und gemeinsam sangen sie zu dem Song von Stevie Wonder:

»Happy Birthday to you! Happy Birthday!«
Das hatte der Erd-Elementarist sogar selbst vergessen. Er hatte heute Geburtstag.
»Alles Gute!«, rief Iggy und klopfte dem muskulösen Schüler auf die Schulter. Die beiden Mädchen umarmten ihn freundschaftlich. Dann sagte Robin:
»Echt krass, Jojo. Du bist der erste aus unserer Runde, der volljährig ist. Du bist nun 18 Jahre alt und vor dem Gesetz ein Erwachsener.«
Der Erd-Elementarist musste grinsen.
»Dennoch gelten für dich hier noch nach wie vor die gleichen Regeln wie für alle anderen Schülerinnen und Schüler«, erklärte Marina besserwisserisch.
Jojo seufzte. Er wusste das ja schon. Solange er Schüler im Haus 4E war, galten die Schulregeln. Das galt für alle anderen auch so, denn früher oder später würden alle volljährig sein. Das hieß dann nicht, dass sie ihre Kräfte außerhalb des Internats benutzen durften, wie es andere Erwachsene durften, wenn kein Mensch ohne Fähigkeiten in der Nähe war.
»Danke für den Vortrag, Marina«, entgegnete Iggy ihr mit einem ironischen Unterton.
»Wir müssen das feiern«, schlug Aria vor. »Wollen wir am Wochenende weggehen?«
»Das ist eine coole Idee«, stimmte Robin zu.
»Da bin ich dabei«, fügte Iggy hinzu.
»Na gut«, sagte nun auch Jojo. Er war nicht gerade ein begnadeter Tänzer, aber seinen Freunden zuliebe machte er mit.
»Super«, freuten sie sich.
»Das wird bombastisch«, versprach Aria. »Ich suche uns den perfekten Club aus.«
»Gut, Freunde«, sprach nun die Wasser-Elementaristin. »Lassen wir Jojo jetzt mal wieder allein. Gleich müssen wir beim Frühstück sein und er muss sich sicherlich noch fertig machen.«
Damit hatte sie recht, denn Jojo saß im T-Shirt und einer Short auf seinem Bett, hatte zerzauste Haare und war noch total müde. Jetzt musste er zunächst einmal unter die Dusche.
Die Freunde gingen freudestrahlend aus dem Zimmer.

Am Nachmittag hatten alle ihren Praxisschwerpunkt, welcher nicht in der Klasse unterrichtet wurde. Dahin gingen alle aus dem Jahrgang, die das gleiche Element kontrollierten. Da Robin alle vier beherrschte, entschied man sich, ihn bei den Feuer-Elementaristen einzuordnen. Darüber hinaus bekam er von seinen Freunden Marina, Aria und Jojo Nachhilfeunterricht in den drei anderen Elementen. So waren alle Elemente für ihn einigermaßen abgedeckt.
Alle Lehrerinnen und Lehrer erklärten ihren Schülerinnen und Schülern, dass bald das Schuljahr zu Ende war und die Abschlussprüfungen in den Elementen stattfand. So tat es auch Gerit Argon. Er war zuständig für das Element Feuer und zufällig Florian Argons Bruder. Im Gegensatz zu seinem bärtigen Bruder, hatte er weder Haare auf dem Kopf, noch im Gesicht.
»Bis zu den Prüfungen müssen wir noch hart trainieren«, erklärte er den Schülerinnen und Schülern. »Es wird eine Note dafür geben und nur diejenigen, die bestehen, dürfen nächstes Jahr am Praxisschwerpunkt der Zwölftklässler teilnehmen. Alle anderen werden den diesjährigen Schwerpunkt wiederholen müssen.«
Eine Raunen ging durch die Sporthalle, wo heute die Feuer-Elementaristen wieder trainierten. Keiner hatte Lust, die elfte Klasse zu wiederholen – vor allem dann nicht, wenn man in allen anderen Fächern in der Zwölften war. Das würde bedeuten, dass man nie mehr die Chance bekam, die Sachen aus der dreizehnten Klasse zu lernen, weil man im letzten Schuljahr den Praxisschwerpunkt der Zwölftklässler besuchen musste. Nach dem Abitur verließ man das Haus 4E und so konnte man nur das Wissen im Element mitnehmen, was man bis dahin erlangt hatte.
Iggy fürchtete sich ein wenig. Sein Zwischennote sah nicht so prickelnd aus und er hatte sie nur knapp bestanden. Jetzt musste er einen Zahn zulegen. Robin machte sich nicht so viele Gedanken. Er ging davon aus, dass er es gut schaffen würde. Er hatte mittlerweile so viele Hindernisse überwunden, dass er auch dieses schaffen mochte.
Nach dem Unterricht fragte Iggy seinen besten Freund:
»Wie werden die Aufgaben wohl dieses Mal aussehen?«
»In der Zwischenprüfung waren sie ja noch recht einfach.«
»Sag das nicht. Ich hatte meine Schwierigkeiten.«
»Das wirst du dieses Mal nicht haben«, beschwor das Elementum. »Du bist so gut im Beherrschen des Feuers geworden, dass du die Prüfung gut meistern wirst.«
»Danke, dass du an mich glaubst.«
»Sicher doch, mein Freund.«
Die beiden Jungen gaben sich einen freundschaftlichen Handschlag.
Genau in diesem Augenblick lief Patrik an ihnen beiden vorbei. Dieser Junge war für kurze Zeit Iggys Zimmergenosse gewesen. Die beiden Feuer-Elementaristen freundeten sich an machten gemeinsam Mist. Sie zeigten ihre Kräfte Jugendlichen, die keine Elementaristen waren und geriet sogar mit dem Gesetz in Konflikt. Daher distanzierte sich Iggy von dem Punker mit der schwarzen Lederjacke, den kirschroten Haaren und dem Piercing in der Augenbraue. Dem Rotschopf mit den Sommersprossen fielen sofort Patriks Blicke auf. Er spürte eine Form des Unbehagens, als er seinen ehemaligen Zimmergenossen sah. Dieser war wohl nicht ganz froh damit, ihn so mit Robin zu sehen.
Das Elementum hingegen merkte nichts und fing einfach unbeschwert an, ein neues Thema anzuschneiden. Nur schwer konnte sich Iggy auf ihn konzentrieren, aber schließlich ließ er von Patrik ab und konzentrierte sich wieder nur auf seinen jetzigen besten Freund. Die beiden liefen gemeinsam auf ihr Zimmer.
Patrik schaute ihn solange hinterher, bis sie durch die Tür des Jungentraktes verschwunden waren.