Sonntag, 8. September 2019

[Elementum 4] Heiße Luft - Kapitel 25


Am nächsten Tag fanden sich die fünf Jugendlichen im Büro von Serafina Funke wieder. Auch Florian Argon war anwesend, um die vergangenen Vorkommnisse zu besprechen. Aria und Robin erzählten ganz genau, was passiert war.
     »Ich war es gar nicht, der die Technik von Wendy Cloud angewendet hat«, beschrieb das Elementum. »Plötzlich tauchte dieser riesige Kerl auf, hielt mir den Mund zu und verschleppte mich.«
     »Der Mann heißt Harry Känn«, erklärte Florian Argon. »Er wird für einige Zeit hinter Gittern sitzen.«
     »Und woher erfuhren Sie von dem Ort, wo er gefangen gehalten wurde?«, wollte die Rektorin von Aria wissen.
     »Ich hatte zufällig ein Telefonat von Herrn Dreizack belauscht.« Natürlich beschönigte sie die Wahrheit ein wenig. »Dann wollte ich keine Zeit mehr verlieren.«
     »Florian«, mischte sich das Elementum ein, »nun müsst ihr doch was gegen ihn unternehmen.«
     »Wir werden natürlich gegen ihn ermitteln, aber wenn wir keine stichhaltigen Beweise haben, können wir nichts tun.«
     »Das ist doch unglaublich«, regte sich der Siebzehnjährige auf. »Der gehört hinter Gittern. Ich kann das nicht verstehen.«
     »Herr Held«, sprach nun die Rektorin, »ich glaube Ihnen ja. Zukünftig sind wir noch vorsichtiger.«

     Dann wandte sie sich an die Luft-Elementaristin:
     »Warum haben Sie mich dann nicht gleich informiert, Frau Himmel? Was Sie da getan haben, war unverantwortlich.«
     »Sie müssen mich verstehen, Frau Funke«, entgegnete Aria vehement. »Ich hatte große Angst, dass etwas durch Herrn Dreizack an diesen Harry Känn durchsickert und Robin erst recht ermordet wird.«
     »Trotzdem ist Selbstjustiz keine Lösung«, mischte sich Florian Argon ein, »und sogar verboten.«
     »Ich weiß«, nickte die hübsche, blonde Schülerin und schaute gespielt schuldbewusst drein.
     »Was wird jetzt mit Frau von Zimmenthal passieren?«, wollte Robin von seinem Mentor aus der E-Wehr wissen.
     »Was soll passieren? Nichts. Es ist nur eure Vermutung, dass sie daran beteiligt ist. Wir brauchen ein Geständnis von Herrn Känn. Wenn das nicht kommt, sind uns die Hände gebunden.«
     »Aber sie war es ganz sicher«, behauptete Robin weiterhin. »Der Kerl sagte, er tut es für das Geld. Und sie hat ja augenscheinlich viel Geld.«
     »Es gibt viele Menschen mit viel Geld«, erwiderte Florian dazu.
     Robin könnte sich in den Hintern beißen, weil schon wieder sein Gefühl missachtet wurde. Bisher hatte er fast immer recht behalten und eine gute Intuition bewiesen. Aber niemand unternahm was, bis es zu spät war.
     »Haben Sie sonst noch weitere Fragen?«, wollte die Rektorin von dem E-Wehrmann wissen.
     »Nein«, antwortete er. »Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen hatten.«
     Dann drehte er sich um und wollte gerade aus der Tür gehen, als ihm noch was einfiel:
     »Übrigens wurde Wendy Cloud schnell wieder freigelassen, nachdem klar war, dass sie unschuldig ist.«
     Die fünf Jugendlichen lächelten dankbar und Florian Argon verabschiedete sich von ihnen.
     »Können wir jetzt auch gehen?«, fragte Iggy die Schulleiterin.
     »Vorerst ja, aber es wird noch Konsequenzen für euer leichtfertiges Handeln geben. Ich gebe euch Bescheid, wenn entschieden wurde, wie diese aussehen werden.«
     Die Freunde nickten unterwürfig und verließen schließlich das Büro von Frau Funke.

Später saßen sie alle wieder auf ihren Zimmern und lagen entspannt auf ihren Betten. Doch Aria grübelte weiter nach und regte sich noch immer über Narius Dreizack auf. Ihr war es ein Dorn im Auge, dass er so einfach davon kam. Daher stand sie auf und nahm sich vor, ihn noch mal zur Rede zu stellen.
     »Wohin gehst du?«, wollte ihre Zimmergenossin Marina wissen.
     »Ich muss mir kurz die Beine vertreten.«
     Und schon war sie aus dem Zimmer und auf den Weg zu ihren verhassten Lehrer mit dem dicken Bauch. Dieses Mal klopfte sie wirklich an seine Tür und nur einen Moment später öffnete er sie.
     »Frau Himmel, was wollen Sie hier?«, fragte er genervt.
     »Geben Sie es zu! Sie stecken da auch mit drin.«
     »Wovon sprechen Sie?« Der Wasser-Elementarist tat unschuldig.
     »Sie waren an der Entführung von Robin beteiligt.«
     »Das ist eine üble Anschuldigung«, spottete er fröhlich.
     »Das ist keine Anschuldigung. Ich habe genau gehört, wie Sie mit jemanden telefoniert haben. Durch Sie wusste ich, wo ich Robin finden würde.«
     »Das müssen Sie erst einmal beweisen. Und nun gehen Sie wieder und stehlen Sie mir nicht die Zeit.«
     »Ich werde Beweise finden, das können Sie mir ruhig glauben. Und dann werden Sie schon sehen, was passiert. Sie können sich auf etwas gefasst machen!«
     Mit diesem Satz schlug er ihr die Tür vor der Nase zu, sodass sie noch wütender wurde. Am liebsten hätte sie auch diese Tür aufgebrochen und ihre elementaren Fähigkeiten gegen den dicken Lehrer eingesetzt. Aber sie hielt sich im letzten Moment zurück und stapfte wieder nach draußen auf den Hof.