Sonntag, 4. August 2019

[Elementum 4] Heiße Luft - Kapitel 20


Die restlichen Ferien verliefen für alle relativ ruhig. Marina und Robin erzählten den anderen nichts von der Sache mit Ilayda, weil sie ihnen das Osterfest und die Ferien nicht verderben wollten. Doch die beiden telefonierten oft, als sie bei ihren jeweiligen Familien waren. Sie machten sich weiterhin große Sorgen und besonders die Wasser-Elementaristin stresste sich, weil sie noch kein Gegenritual gefunden hatte. Zum Glück hatten ihre Eltern ein ganzes Zimmer voller Bücher und da recherchierte sie weiter.
     Robins Eltern ahnten nichts und freuten sich darüber, dass ihr Sohn sie mal wieder besuchte. Sie verbrachten ein schönes Fest und der Siebzehnjährige genoss die Tage, mal wieder als ganz normaler Jugendlicher behandelt zu werden. Für seine Familie und Bekannten war er eben nur Robin und kein Elementarist oder gar ein Elementum.
     Jojo war gar nicht so traurig darüber, dass er wieder mit Brisa Schluss gemacht hatte. Seine Eltern waren sowieso nicht so begeistert von der »jungen Dame«, wie seine Mutter zu sagen pflegte. Er nutzte die Ferien, um in seiner Heimatstadt mal wieder das Fitnessstudio zu besuchen.
     Iggy war in Köln bei seiner Familie und hatte ebenfalls ausgelassene Tage. Er hatte viel Zeit, über die vergangene Zeit nachzudenken und über die Fehler, die er begangen hatte. Er war überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, sich von Patrik, Oliver und Dela zu distanzieren.
     Aria war hoch erfreut, als sie davon Wind bekam, dass Brisa und Jojo wieder auseinander waren. Sie sagte ihrem muskulösen Freund, dass er es eh nicht verstehen konnte, wie er mit so einer Zicke zusammen sein konnte. Für sie waren dadurch die Ferien besonders schön, da sie die Tage frei und froh verbrachte.
     Am Sonntagnachmittag, einen Tag, bevor der Unterricht wieder begann, trafen nach und nach alle Schülerinnen und Schüler wieder im Haus 4E ein. Die Lehrkräfte waren schon am frühen Vormittag zurückgekehrt, damit sie die Jugendlichen gebührend begrüßen konnten.
     Der Zirkel freute sich, sich wieder zu sehen und alle umarmten sich zur Begrüßung. Doch Robin und Marina entschlossen sich, keine Zeit zu verlieren und baten die anderen Drei um ein Gespräch. Aria, Iggy und Jojo merkten sofort, dass die Lage ernst war und so versammelten sie sich alle im Mädchenzimmer.
     »Was ist denn los?«, wollte Iggy sofort wissen. Er konnte die Anspannung nicht ertragen, denn er befürchtete etwas Schlimmes.
     »Ich komme sofort zum Punkt«, kündigte Robin an. »Ilayda hat ihre Kräfte dank uns verloren.«
     »Dank uns?«, unterbrach ihn seine Freundin Marina. »Du hast keine Schuld daran, Robin. Wir anderen haben es verbockt?«
     »Wovon sprecht ihr?«, hakte Aria irritiert nach.
     »Erinnert ihr euch an das Ritual, das wir mit ihr durchgeführt hatten?« Alle nickten. »Dadurch hat sie ihre Fähigkeiten verloren.«
     »Jetzt ist mir einiges klar«, sprudelte es aus der Luft-Elementaristin. »Deshalb hat sie sich im Praxisschwerpunkt verweigert. Warum ist mir das nicht gleich aufgefallen?«
     »So erging es mir auch«, bestätigte Marina. »Gerade ich hätte es ahnen müssen. So eine Intelligenzbestie, für die mich alle halten, bin ich dann doch nicht.«
     »Jetzt mach dir keine Vorwürfe«, munterte sie Iggy auf. »Wir waren in dieser Sache alle sehr blauäugig. Unsere Rituale sind einfach noch viel zu amateurhaft.«
     »Aber was tun wir jetzt?«, wollte Aria wissen.
     »Ich habe die ganzen Ferien über nach einem Gegenritual gesucht. Meine Eltern führen zum Glück ein gutes Sortiment an Fachbüchern der Elementaristen.«
     »Ein Gegenritual?«, hakte Iggy nach, als ob er sich verhört hätte. »Das letzte Ritual ging schief und jetzt wollen wir noch eins drauflegen, oder was?«
     »Etwas anderes bleibt uns nicht übrig«, erklärte Robin. »Und man darf nicht vergessen, dass ich beim letzten Ritual gefehlt habe. Dadurch ist es vielleicht schief gegangen. Dieses Mal klappt es ganz bestimmt.«
     Doch die Blicke der Freunde verrieten, dass sie nicht ganz überzeugt waren.
     »Auf jeden Fall habe ich eines gefunden«, brach die Wasser-Elementaristin die Stille.
     »Super«, freute sich Robin.
     »Allerdings ist es wieder ein recht schwieriges Ritual und es ist besonders gefährlich für Ilayda.«
     »Wie meinst du das?«, wollte Aria wissen.
     Jojo schwieg wie immer, schaute aber ganz interessiert. Er war auch gespannt, was das für ein Ritual war.
     »Ilayda muss dabei unter Wasser sein und das solange, bis wir das Ritual durchgeführt haben. Das kann einige Minuten dauern. Ich habe Angst, dass sie dabei ertrinkt. Vor allem dann, wenn es nicht klappt.«
     »Es muss klappen«, bestärkte Robin seine Freundin. »Und ich bin überzeugt, dass wir es schaffen.«
     »Wir müssen ihr einfach helfen«, fügte Aria hinzu. »Sie tut mir leid. Wenn sie keine Kräfte hat, darf sie nicht mehr im Haus 4E bleiben.«
     »Richtig«, bestätigte Marina. »Außerdem sagte sie mir, dass ihre Eltern sie verstoßen würden. Sie sind wohl ganz strenge, traditionelle Wasser-Elementaristen.«
     »Schön und gut«, mischte sich Iggy ein. »Aber wenn das herauskommt, sind auch wir dran. Dann ist nicht nur Ilayda im Arsch, sondern auch wir.«
     Alle schauten sich gegenseitig betroffen an.
     »Wir werden das Ritual durchführen und alles wieder hinbiegen«, sagte das Elementum zuversichtlich.
     »Ich werde mit Ilayda sprechen und sie überreden, mitzumachen. Das wird bestimmt nicht leicht, denn sie hat sicherlich kein großes Vertrauen ins uns.«
     »Andererseits hat sie auch nichts mehr zu verlieren«, ergänzte Iggy. »Deshalb kann ich mir kaum vorstellen, dass sie das ablehnen wird.«
     Marina nickte und sagte daraufhin:
     »Sie ist sehr verzweifelt und vielleicht wird sie deshalb zustimmen. Jedenfalls kann ich das nur hoffen.«
     »Dann ist der Plan gefasst«, sprach das Elementum abschließend.

Auch für Elma von Zimmenthal und ihren Lebensgefährten Arno Mosel waren die Ferien vorüber. Sie verbrachten Ostern zur Entspannung in der Karibik. Als sie zurückkehrten, informierte sie Narius Dreizack, dass das Training mit der Luft-Elementaristin aus London stattgefunden hatte. Elma lobte sich selbst für Idee, Wendy Cloud ausgesucht zu haben und sie darum zu beten, die recht einzigartige Technik des Verschwindens dem Jungen beizubringen. Als Elementum würde er es sicher bald erlernt haben und dann konnten sie zuschlagen.
     Wie dumm diese Engländerin doch ist, dachte sich die Exfrau von Tiberius von Zimmenthal. Sie ahnt gar nicht, was sie dem Jungen in Wirklichkeit angetan hat, indem sie ihm diese Technik beigebracht hat.
     Die Wasser-Elementaristin war durchtrieben und freute sich mit ihrem neuen Partner über die Dummheit der Welt. Schon bald würde sich niemand mehr ihnen in den Weg stellen können. Denn sie hatte die stärksten Elementaristen der Welt rekrutiert, um die Macht zu übernehmen. Nur Robin konnte ihr gefährlich werden und ihn musste sie loswerden. Schon bald wäre sie die Herrscherin der Welt.