Sonntag, 3. Februar 2019

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 27

Der siebzehnjährige Schüler aus dem Haus 4E ging noch ein letztes Mal in sein Appartement bei der E-Wehr zurück, um ein paar Sachen abzuholen, die er dort vergessen hatte. Dann schaute er bei Florian Argon vorbei, um ihm zu danken. Er betrat das Büro und sein Mentor saß hinter seinem Schreibtisch, auf dem das reinste Chaos herrschte. Doch als der Mann Robin erblickte, freute er sich.

     „Hallo, Florian, ich wollte dir noch einmal vom ganzen Herzen danken.“

     „Du musst mir nicht danken. Ganz im Gegenteil, ich habe dir und deinem Team zu danken, dass ihr diesen von Zimmenthal zur Strecke gebracht habt. Ich bin sehr stolz auf dich.“

     Robin errötete leicht bei Florians Worten.

     „Doch leider sieht das meine neue Schulleiterin ein bisschen anders“, erzählte das Elementum anschließend.

     „Was meinst du?“, wollte der E-Werhmann wissen. Aber ahnte schon, dass Serafina Funke das ein oder andere doch ein bisschen verkniffener sah.

     „Sie war nicht gerade begeistert von unserem Alleingang. Außerdem haben wir die Regel verstoßen, unsere Kräfte außerhalb des Internats einzusetzen. Das wird noch eine Strafe nach sich ziehen.“

     „Da hat die gute Dame eigentlich nicht ganz Unrecht.“ Florian Argon war eigentlich ein Verfechter von Regeln und Gesetzen. Und er stand voll und ganz hinter dem Internat und den Entscheidungen der Schulleitung. „Zum Glück sind wir von der E-Wehr einfach nur froh, den Schuldigen gefunden zu haben.“

     „Aber mein ehemaliger Privatlehrer läuft doch noch frei herum“, gab der Siebzehnjährige zu bedenken.


     „Das stimmt“, antwortete der Feuer-Elementarist, „aber ihm können wir auch nichts zur Last legen. Wir wissen nicht mit Bestimmtheit, dass er ebenfalls an der Sache beteiligt war. Daher haben wir ihn nicht festgenommen.“

     „Ich bin mir sicher, dass er mich mit einem Vorwand in den Wald gelockt hat.“

     Robin war entsetzt darüber, dass dies der E-Wehr als Beweis nicht ausreichte. Er hatte ein schlechtes Gefühl bei Narius Dreizack gehabt und es war schließlich nicht das erste Mal, das etwas passiert war, wenn der dicke Wasser-Elementarist ihn irgendwo hingebracht hatte. Schon beim Treffen mit Marina passierte etwas Unvorhergesehenes. Das konnte doch kein Zufall sein.

     „Aber du kannst es nicht beweisen. Momentan sieht es so aus, als sei er selbst ein Opfer.“

     Für die E-Wehr zählten nur Fakten und Beweise. Aufgrund von Vermutungen und Verdächtigungen konnte sie niemanden festnehmen. Wenn das nicht so wäre, würde Anarchie herrschen und viele hätten einen Grund, warum jemand eingesperrt werden müsste.

     „Ich finde es komisch, dass von Zimmenthal und die anderen Lehrer ihn einfach ziehen lassen haben. Wenn er unschuldig wäre, hätten sie ihn aufgehalten, weil er sie sonst hätte verpfeifen können.“

     „Das ist ein gutes Argument, aber leider nur eine Vermutung. Mit Bestimmtheit können wir das nicht sagen. Dann müsste es Tiberius von Zimmenthal schon zugeben. Man könnte auch gegenargumentieren, dass er nur ein kleiner Fisch für Tiberius von Zimmenthal war und ihn deshalb für unwichtig erachtet hatte. Er hätte später einfach seine Anschuldigungen abstreiten können. Dann stünde Aussage gegen Aussage.“

     „Meinst du nicht, dass das ein bisschen abwegig ist? Und dass Herr von Zimmenthal ihn verpfeift, wird aber wahrscheinlich nicht passieren“, seufzte Robin. „Trotzdem vielen Dank!“

     Die beiden Elementaristen umarmten sich freundschaftlich und Robin kehrte zurück zum Haus 4E, wo seine Freunde bereits auf ihn warteten.



„Ganz offiziell möchte ich euch beide zu eurem Symbol des Feuers gratulieren“, sprach Marina feierlich.

     „Das ist so cool, nicht wahr?“, freute sich Iggy.

     „Es ist unglaublich, dass du jetzt zwei Symbole auf deiner Brust hast, Robin“, freute sich Aria für ihren Freund. „Vielleicht kannst du alle vier bekommen.“

     „Das wäre echt krass“, bestätigte das Elementum.

     „Der Salamander sah unbeschreiblich aus“, schwärmte der Feuer-Elementarist. „Nach der echt schlechten Note bei der praktischen Prüfung hätte ich nie auch nur geahnt, dass ich mal gezeichnet werden würde.“

     „So schnell kann es gehen“, entgegnete Jojo und klopfte seinem Kumpel freundschaftlich auf die Schulter.

     Dann flüsterte Robin seiner Freundin etwas leise zu:

     „Kommst du in fünf Minuten kurz nach draußen?“

     Marina nickte lächelnd. Da erhob sich Robin und verließ den Raum.

     Wenige Minuten später stand die Wasser-Elementaristin im Innenhof und fragte sich, was ihr Freund vorhatte.

     Da kam Robin auch schon mit einem riesigen Blumenstrauß aus der Tür des Jungentraktes. Ungläubig riss sie ihre Augen auf. Mit so einer Überraschung hatte sie nicht gerechnet.

     „Wie komme ich denn zu dieser Ehre?“

     „Leider hatten wir nicht die Möglichkeit, den Valentinstag richtig zu feiern. Das möchte ich nun nachholen. Ich lade dich zum Essen ein, wenn du Lust hast.“

     „Sehr gerne“, antwortete das kluge Mädchen freudestrahlend.

     Dann fiel sie ihrem Freund um den Hals und drückte ihn an sich. Beide schauten sich tief in die Augen. Ihre Lippen kamen sich immer näher, bis sie sich berührten. Die beiden verliebten Elementaristen küssten sich leidenschaftlich und genossen den Augenblick. Das hatten sie sich auch redlich verdient.