Sonntag, 2. Dezember 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 20

Einen Vorteil hatte Robin, dass er bei der E-Wehr untergekommen war. Er hatte stets direkten Kontakt zum Wachmann Florian Flint, der mittlerweile sein Mentor geworden war, an den er sich wenden konnte.
Und so bat er ihn um einen Gefallen. Er wollte mit Kelvin von Zimmenthal sprechen. Zuerst hatte der rotbärtige Feuer-Elementarist verneint und gesagt, dass er das nicht dürfte. Aber Robin ließ nicht locker. Er hoffte, dem Sohn des neuen Schulleiters ein Geständnis zu entlocken. Und das überzeugte den Wachmann schlussendlich.
Tatsächlich durfte er in Anwesenheit von Florian mit Kelvin sprechen. Dazu führte ihn ein anderer Wachmann, der wohlbemerkt nur zwei Sterne neben seinem goldenen E auf der Uniform hatte, in einen Raum, in dem lediglich ein Tisch und zwei Stühle standen. Ein kleines Fenster gab es noch, aber dieses war mit Eisenstangen vergittert.
Florian blieb Kelvin im Rücken an der Tür stehen. Ihm gegenüber saß das Elementum am Tisch. Als er in den Raum gebracht wurde, schaute Kelvin irritiert. Anscheinend hatte er eher mit seinem Vater gerechnet und nicht mit seinem Todfeind.

Was willst du hier?“, blaffte er den jungen Schüler an.
Mit dir sprechen“, entgegnete Robin ruhig.
Ich sage kein Wort“, drohte der Wasser-Elementarist an.
Verrate mir nur, was dein Vater vorhat!“
Seinen Vater zu erwähnen war eine gute Taktik, denn dies regte Kelvin auf, sodass er wütend entgegnete:
Mein Vater hat nichts mit der ganzen Sache zu tun.“
Wir beide wissen, dass das nicht wahr ist. Dein Vater ist sogar der Drahtzieher, der dich geleitet hat. Gib es zu!“
Nein!“, behauptete Kelvin vehement.
So kam der Siebzehnjährige nicht weiter. Also musste er ihn in eine Falle locken.
Ich habe deinen Vater schon längst damit konfrontiert und er hat mir alles gestanden. Für ihn warst du nur Kanonenfutter.“
Kelvin lachte lautstark los.
Guter Trick, aber darauf falle ich nicht rein. Du hast niemals mit meinem Vater gesprochen.“
Mist!
Der böse Wasser-Elementarist war schlauer als gedacht.
Die Wahrheit wird ans Licht kommen“, beschwor der Siebzehnjährige. „Das verspreche ich.“
Wenn du meinst“, antwortete der Sohn des neuen Rektors mit einem Grinsen im Gesicht.
Damit war das Gespräch beendet. Robin hatte es leider nicht geschafft, ihm die Wahrheit zu entlocken. Das war leider ein Reinfall und verschwendete Zeit.
Kelvin wurde wieder weggeführt und Robin blieb mit Florian im Raum zurück.
Es tut mir leid“, entschuldigte sich der Feuer-Elementarist.
Nein, mir sollte es leid tun, dass ich das überhaupt probiert habe. Es wäre zu einfach gewesen.“
Aber man sollte nichts unversucht lassen“, erklärte Florian Argon aufmunternd. „Ich bewundere deinen Einsatz.“

Im Haus 4E stellte Tiberius von Zimmenthal derweil der Schülerschaft die neuen Lehrkräfte vor. Hierzu versammelten sich erneut alle auf dem Hof. Die vier Freunde waren besonders gespannt, wer ihnen nun vorgesetzt werden würde.
Niemand wird Frau Funke ersetzen können“, flüsterte Iggy seinem Zimmergenossen Patrik zu, der zustimmend nickte.
Sogar ich muss gestehen, dass sie eine tolle Lehrerin war“, gestand der Punker.
Dann trat der Rektor auf das Podest und sprach ins Mikrofon:
Heute möchte ich Ihnen Ihre neuen Lehrkräfte vorstellen. Ich freue mich ganz persönlich, dass es diese drei Kollegen geworden sind, da ich sie alle persönlich kenne und schätze.“
Oh nein!, dachte sich Marina. Sie befürchtete das Schlimmste. Hilfesuchend schaute sie sich um, bis sie Arias Blick traf. Auch die Luft-Elementaristin schaute verzweifelt. Beide hatten Angst vor den neuen Lehrern, weil sie befürchteten, dass sie genauso fies waren wie Tiberius von Zimmenthal.
Und nun bitte ich sie auf die Bühne“, fuhr der böse Schulleiter fort.
Nacheinander betraten eine Frau und zwei Männer im Alter von um die Ende Fünfzig die provisorische Bühne.
Zunächst einmal möchte ich Ihnen diese Dame vorstellen. Ihr Name ist Silvia Lehmann und sie wird für die Erd-Elementaristen unter Ihnen zuständig sein.“
Die Lehrerin war ziemlich groß und schmal. Sie hatte schulterlanges, glattes braunes Haar, welches bereits ein paar graue Strähnen aufwies. Ihr Gesicht war bereits mit tiefen falten durchzogen. Ihre Augen waren weit aufgerissen, was sie irre aussehen ließ. Jojo bekam eine Gänsehaut bei ihrem Anblick. Sie war das genaue Gegenteil von seiner bisherigen Tutorin Frau Bottenberg. Auch die Kleidung erinnerte an eine alte Jungfer. Sie hatte einen grauen Wollrock und eine beige Bluse an, über der sie einen braunen Pullunder trug.
Dann zeigte der Schulleiter auf die nächste Person und sprach:
Dies ist der Luft-Elementarist Erion Wynton.“
Auch dieser Lehrer hatte einen irren Blick wie seine Vorgängerin. Allerdings wirkte seine gesamte Erscheinung wie ein verrückter Professor, was nicht zuletzt durch seinen weißen Kittel, den er anhatte, verstärkt wurde. Er hatte ganz schneeweiße, wirre Haare, die zu allen Seiten abstanden. Seine Segelohren stande ebenfalls vom Kopf ab. Um die Augen hatte er gewaltige Krähenfüße, aber ansonsten war sein Gesicht noch nicht so faltig wie das seiner Kollegin.
Und zu guter letzt stelle ich Ihnen Enjo Hott vor, der hauptsächlich neben seinen Fächern für den Praxisschwerpunkt Feuer zuständig sein wird.“
Der dritte neue Lehrer wirkte nicht ganz so irre. Allerdings machte er den Eindruck von einem Geistlichen. Er war ein wenig untersetzt mit einem kleinen Bäuchlein. Sein kurzes, dunkelblondes Haar war ordentlich gekämmt, obwohl Geheimratsecken bereits zu erkennen waren. Was die Erscheinung eines Priesters hervorbrachte, waren sein schwarzer Anzug und sein schwarzes Hemd, welches bis zum Hals zugeknöpft war. Wenn er noch eine weiße Binde um den Hals getragen hätte, wäre er glatt als Priester durchgegangen.
Alle drei nickten zur Begrüßung, aber ein erwarteter Beifall blieb aus. Die ganze Schülerschaft schien nicht begeistert, dass die Lehrkräfte komplett ausgetauscht wurden. Doch Herr von Zimmenthal ignorierte dies und fuhr einfach fort:
Wie Sie bestimmt bemerkt haben, fehlt erneut eine Lehrkraft für das Element Wasser. Aber da mein Sohn noch offiziell der Amtsinhaber ist, konnte ich noch keine Vertretung gewinnen. So werde ich wieder den Unterricht übernehmen, bis die ganze Sache geklärt ist.“
Auch das war wieder keine gute Nachricht für die vier Freunde. Besonders Marina litt unter dieser Nachricht. Vor kurzem war sie ihrem verhassten Lehrer noch frech gegenüber geworden. Und er hatte sie vorher schon mies behandelt. Dies würde sich nun wahrscheinlich verstärken. Davor hatte sie nun die meiste Angst.

Nach der Vorstellungsrunde schickte der Schulleiter wieder alle auf ihre Zimmer. Dann nahm er seinen neuen Lehrkörper mit in sein Büro.
Herzlich Willkommen“, begrüßte er sie. „Ich freue mich, euch endlich hier begrüßen zu dürfen.“
Das wurde auch höchste Zeit, lieber Tiberius“, sprach Silvia Lehmann. „Wir haben lange darauf gewartet.“
Aber endlich ist unser alter Zirkel wieder vereint“, fügte Enjo Hott hinzu.
Richtig“, bestätigte der Rektor. „Bisher hatten wir nicht die Möglichkeit, an der gleichen Schule tätig zu sein. Aber durch diesen glücklichen Umstand, dass meine bisherigen Kollegen, sagen wir mal, nicht mit mir als Schulleiter klarkamen, konnte ich euch hierher beordern.“
Bei Gelegenheit musst du uns ganz genau erzählen, wie du das hinbekommen hast“, sagte der weißhaarige Erion Wynton. „Aber nun lasst uns anstoßen. Ich habe einen hervorragenden Champagner zur Feier des Tages mitgebracht.“
Gemeinsam köpften sie die Flasche und schüttenten sich ein Glas ein. Der Wasser-Elementarist erhob sein Glas und die anderen taten es ihm gleich.
Auf das Haus 4E“, sprach er.
Auf das Haus 4E“, antworteten die anderen im Chor. Und dann tranken sie ihre Gläser in einem Zug weg.