Sonntag, 4. November 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 16

Im Gruppenchat tauschten sich die Jugendlichen über ihre ernste Lage aus.

Robin:
Wir müssen unbedingt etwas unternehmen.
Jojo:
Aber was?
Iggy:
Hat jemand einen Plan?
Marina:
Wenn ihr meine Meinung wissen wollt, können wir nichts tun. Wir müssen auf die Polizei vertrauen.
Iggy:
Bis dahin könnte wieder jemand sterben.
Aria:
Vielleicht sollten wir mit den anderen Lehrern sprechen.
Iggy:
Meinst du, das bringt was? Es hat ja nicht einmal etwas gebracht, dass Robin die E-Wehr informiert hat. Meinst du Frau Funke und die anderen stellen sich gegen ihren Kollegen.
Aria:
Wahrscheinlich eher nicht...
Iggy:
Vielleicht stecken sie auch noch mit drin.
Marina:
Das glaube ich nicht.
Robin:
Ich auch nicht. Die anderen Lehrer sind gute Menschen.
Iggy:
Wer weiß, wer weiß...
Marina:
Wir sollten mit unbegründeten Anschuldigungen vorsichtig sein.
Iggy:
Aber ein wenig Skepsis sollte schon erlaubt sein.

Robin:
Leute, das bringt uns alles nicht weiter. Wir brauchen einen Plan. Wir müssen herausfinden, was TvZ vorhat.
Aria:
TvZ???
Marina:
Tiberius von Zimmenthal.
Aria:
Achso! XD
Jojo:
Aber wie sollen wir etwas herausfinden? Sollen wir in seinem Büro herumschnüffeln?
Marina:
Das ist zu gewagt. Außerdem: Was sollten wir da finden?
Robin:
Was weiß denn ich? Ich habe auch keinen blassen Schimmer.
Marina:
Lasst uns alle in Ruhe überlegen.
Jojo:
Gute Idee!!!
Iggy:
Na toll... Wir hören uns.

Iggy hat den Chat verlassen.

Mit wem schreibst du denn da so fleißig?“, wollte Iggys neuer Zimmergenosse neugierig wissen.
Ach“, wehrte der Rotschopf ab, „mit niemandem.“
Ist es vielleicht ein netter Junge?“
Iggy starrte den anderen Feuer-Elementaristen mit weit aufgerissenen Augen erschrocken an.
Jetzt guck doch nicht so. Du bist doch schwul, oder?“
Was erzählst du da?“, antwortete Iggy aufgebracht.
Du musst es vor mir nicht verbergen. Ich habe da nichts dagegen. Einer meiner besten Freunde ist bisexuell.“
Ich bin weder bisexuell noch schwul“, bestritt der rothaarige Schüler vehement.
Jetzt hab dich nicht so. Ich wollte dich nicht angreifen. Bleib locker.“
Beleidigt verzog sich Iggy im Badezimmer, doch Patrik sprach einfach etwas lauter weiter:
Vielleicht hast du ja mal Lust, meine Freunde kennenzulernen. Wir treffen uns später im Park hier ganz in der Nähe. Ein bisschen chillen und so.“
Iggy antwortete nicht. Stattdessen hörte man eine Klospülung.
Dela und Oliver sind echt nett. Ehrlich. Mit ihnen kann man viel Spaß haben“, fuhr Patrik fröhlich fort.
Da kam Iggy zurück ins Zimmer. Sein Blick war immer noch zu einem wütenden Gesichtsausdruck verzerrt. Doch Patrik Flint ließ nicht locker und wartete eine Antwort ab. Da sagte Iggy:
Ich muss noch lernen.“
Ach so ein Blödsinn. Das kannst du morgen immernoch. Jetzt stell dich nicht so an. Du kommst mit!“
Für Patrik gab es keine Widerworte.

Gegen 21:00 Uhr verließen die beiden Feuer-Elementaristen das Internatsgelände und liefen in Richtung des nahegelegenen Parks. Iggy fühlte sich komisch, weil er Patriks Aufforderung nachgab und mit ihm mitkam. Außerdem wollte er wissen:
Sind deine Freunde Elementaristen?“
Nein“, antwortete Patrik gelassen. „Ist das schlimm? Findest du, wir sollten nur mit Unseresgleichen abhängen?“
Quatsch“, wehrte Iggy schnell ab. Bevor er ins Haus 4E kam, besuchte er ja auch eine normale Schule und hatte normale Freunde. Wahrscheinlich kannte Patrik sie noch von früher und hielt den Kontakt bei. Das gelang ihm nicht so gut, weil er in Frankfurt war und seine alten Freunde noch immer in Köln lebten. So verlief es sich bereits in den ersten Wochen im Haus 4E. Als er neulich in Köln war, hatte auch niemand so wirklich Zeit für ihn gehabt. Nur mit einem alten Kumpel hatte er sich getroffen und das war komisch. Daran merkte er, dass sich alles verändert hatte.
Obwohl einige Laternen den Park ausleuchteten, war es ziemlich dunkel. Aber Patrik kannte den Weg und lief schnurstracks zu einer Bank. Es war nach wie vor ziemlich kalt und die Bank war nass. Doch Patrik hatte die Lösung. Er benutzte seine Feuerkraft, um die Bank zu trocknen.
Hey!“, ermahnte ihn Iggy. „Wenn das jemand sieht! Du weißt doch, dass wir außerhalb des Internats unsere Kräfte nicht einsetzen dürfen.“
Jetzt sei doch nicht so spießig“, entgegnete ihm Patrik lachend.
Iggy wusste einfach nicht, was er davon halten sollte. Sein neuer Zimmergenosse setzte sich sodann hin und sagte:
Sie müssten gleich da sein. Jetzt setz dich hin und bleib locker. Alles ist gut.“
Widerwillig nahm er dann neben dem anderen Feuer-Elementaristen Platz.
Wenige Minuten später sahen sie auch schon zwei Personen auf sie zukommen.
Da kommen sie endlich.“
Erst konnte er bei dieser Dunkelheit lediglich schattige Umrisse erkennen, doch je näher sie kamen, desto mehr sah Iggy.
Es waren ein Junge und ein Mädchen etwa im gleichen Alter wie er. Und es waren definitiv ebenfalls zwei Punker. Das Mädchen war sehr auffällig. Sie hatte eine hellblaue Löwenmähne, krass dunkel geschminkte Augen und jeweils einen Ring in einem Nasenflügel und in der Nasenscheidewand. Doch das auffälligste waren ihre Arme, die von oben bis unten tätowiert waren. Also musste sie tatsächlich schon volljährig sein, dachte sich Iggy. Die Tattoos waren eine bunte Mischung aus Tribals, Comicfiguren und Sprüchen. Wahrscheinlich brauchte man seine Zeit, um sie sich alle genau anzuschauen. Ihr Blick war ziemlich grimmig.
Der Junge hingegen wirkte sehr aufgekratzt, geradezu kindlich. Er hatte einen dunklen Hautteint. Auf seinem Kopf trug er mittig einen Streifen seiner braunen Haarkrause. Seitlich war er kahl rasiert. Er schien keine Piercings zu haben – nicht einmal im Ohr. Aber sein buntes Outfit war sehr auffällig. Obenrum trug er noch ein ärmelloses, schwarzes Shirt, aber seine Hose war eine grellbunte Leggins. Iggy hätte sich so nicht vor die Tür getraut. An der einen Hand hatte er eine Menge bunter Armbänder.
Darf ich vorstellen, das sind meine Freunde Dela Juric und Oliver Anders.“
Hi“, begrüßte ihn Oliver und umarmte ihn freundschaftlich. Das fand Iggy sehr seltsam. Das Mädchen setzte sich einfach auf die Bank und sagte keinen Ton.
Und du bist auch ein Feuermagier?“, wollte Oliver wissen.
Was?“, antwortete Iggy verblüfft.
Kannst du auch Feuer erschaffen?“, fragte der fröhliche Junge noch einmal anders.
Patrik, du hast es ihnen erzählt?“, wendete er sich erschrocken an seinen neuen Zimmergenossen.
Was ist denn schon dabei?“, antwortete Patrik nach wie vor mit einer stoischen Gelassenheit.
Du weißt, dass das verboten ist!“, entgegnete Iggy nachdrücklich.
Jetzt bleib doch mal cool und sei nicht so ein Konformist. Regeln sind da, um gebrochen zu werden.“
Iggy konnte es nicht fassen. Da ging er hinaus und posaunte die Geheimnisse der Gesellschaft der Elementaristen hinaus. Und nun machte er sich zum Mittäter. Er wollte gar nicht wissen, was passierte, wenn das jemand herausfand.
Du bist ja echt süß, wenn du dich so aufregst“, schmeichelte Oliver ihm.
Da lief Iggy vor Scham rot an. So hatte noch nie ein Junge mit ihm gesprochen.
Hatte Patrik eigentlich erwähnt, dass ich bi bin?“
Iggy musste unwillkürlich grinsen. Seine Ohren leuchteten bereits in einem kräftigen Rot. Dieser Junge war ja ziemlich aufgeschlossen, befand er. So jemanden hatte er noch nie erlebt.

Währenddessen lag Aria in ihrem Bett und hörte über Kopfhörer Musik. Ihre Zimmergenossin stand vor dem Kleiderschrank und probierte ein Outfit nach dem anderen an.
Was machst du da eigentlich?“, fragte sie schließlich.
Ich suche das passende Outfit für heute Abend.“
Hast du noch etwas vor?“
Ich gehe in einen Club“, antwortete Brisa und fragte wie beiläufig: „Magst du vielleicht mitkommen?“
Heute Abend noch?“
Warum nicht?“
Eigentlich hatte die Luft-Elementaristin keine Lust, ausgerechnet mit dieser Zicke auszugehen. Aber andererseits liebte sie es zu tanzen und würde keine Gelegenheit ungenutzt lassen.
Also gut“, erwiderte sie und sprang aus dem Bett. „Gib mir eine Viertelstunde!“
Und damit ging sie ins Bad.

Als sie später im Club ankamen, war er ziemlich leer. Nicht viele waren auf der Tanzfläche, aber das hielt Aria nicht davon ab, ihre Moves zu zeigen. Ohne Brisa vorzuwarnen, schwang sie eine heiße Sohle aufs Parkett. Ihre Zimmergenossin konnte nur daneben stehen und staunen. Sie wusste garnicht, dass Aria eine hervorragende Tänzerin war. Sie selbst hingegen war nicht die schlechteste Tänzerin, aber überhaupt nicht vergleichbar mit ihrer Mitschülerin. Da traute sie sich garnicht neben ihr auf die Tanzfläche.
Irgendwann war Aria umringt von Leuten, die sie anfeuerten. Das spornte sie noch mehr an und Brisa stand unbeachtet am Rand. Das nervte die schöne Luft-Elementaristin total. Normalerweise schaute man sich nach ihr um, aber jetzt war sie wie abgestempelt. Das hatte sie sich von dem Abend nicht vorgestellt.
Ihre Eifersucht wuchs und irgendwann hielt sie es nicht mehr aus. Sie bückte sich, als ob ihr etwas heruntergefallen war und mit einer kleinen Handbewegung löste sie einen Windstoß in Richtung Aria aus, der sie von den Schuhen stieß. Aria fiel mit voller Wucht auf den Boden. Sofort eilten ihr ein paar Leute zur Hilfe. Brisa hingegen grinste in sich hinein und freute sich über Arias Unfall.
Humpelnd kam die weißblonde Schülerin auf sie zu und raunte:
Warst du das etwa?“
Brisa grinste lediglich fies und antwortete:
Du solltest lieber aufpassen. Die Tanzfläche kann ganz schön glatt sein.“
Die Tanzfläche ist nicht glatt. Ein Windstoß hat mich getroffen und umgeworfen. Mein Fuß ist sofort angeschwollen.“
Ach ja?“, fragte sie gespielt unwissend nach.
Du bist echt gemein!“, warf Aria ihr vor und ließ sie einfach stehen. Sie machte sich alleine auf den Weg zurück ins Internat.