Freitag, 7. September 2018

[Nachgedacht] Sind jetzt alle Nazis?

Nach dem Vorfall in Chemnitz, bei dem ein Mann von Asylanten niedergestochen wurde, kam es zu Demonstrationen in Chemnitz. Die Medien berichteten von einem Nazi-Mob und Hetzjagden auf Migranten. Auf einem Konzert sangen einige Künstler "gegen" Rechtsextremismus. Meine Gedanken zu der ganzen Sache möchte ich hier einmal loswerden.

Die politische Situation in Deutschland ist angespannt. Die AfD gewinnt immer mehr an Wählern. Woran liegt das? Ich habe eine Theorie und die hat nichts damit zu tun, dass so viele in Deutschland Nazis sind. Meiner Ansicht nach werden sie von Menschen, die absolut gegen Ausländerfeindlichkeit sind und den Flüchtlingen bedingungslos helfen wollen, zu Nazis defarmiert und in die Arme der AfD getrieben. Damit möchte ich die gute Absicht derjenigen betonen, die Flüchtlinge in Deutschland willkommen heißen. Allerdings sind die Folgen gefährlich. 

Durch die deutsche Geschichte (2. Weltkrieg) reagieren wir auf Ausländerfeindlichkeit hochsensibel. Schon in der Schule wird uns eingetrichtert, dass wir Toleranz und Akzeptanz für jeden haben müssen. UND DAS IST GUT UND RICHTIG! 

In der heutigen Zeit gibt es aber einige Entwicklungen, die einem evtl. Sorgen bereiten. Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund fliehen in unser Land. Ihnen muss geholfen werden, weil sie augenscheinlich in Gefahr schweben. Das ist meiner Ansicht nach richtig. Allerdings sehe ich es nicht vollständig unproblematisch, weil die kulturellen Unterschiede schwierig werden können. Beispielsweise ist das Frauenbild oder die Akzeptanz Homosexueller in deren Ländern ganz anders. Dass wir die Menschen aus anderen Kulturen aber so schnell 'umerziehen' können, mag ich zu bezweifeln. Integration braucht Zeit.

Äußert man seine Bedenken, wie ich es gerade mache, wird man von einem Großteil der Bevölkerung sofort als Rassist oder Nazi abgestempelt (wie es die Özil-Sache gezeigt hat, in der ich mich auch kritisch geäußert habe). Dadurch, dass wir zu einer Empfindlichkeit gegenüber Ausländerhass erzogen wurden, werden alle als Nazis bezeichnet, die etwas in einer Angelegenheit Migranten betreffend kritisieren.

Demzufolge entsteht ein Unmut. Es scheint daher die AfD als einzige Partei, die ein Ohr für solche Kritik hat. Und so zieht es diese 'Kritiker' zu einer solchen Partei wodurch eine solche rechte Partei an Macht und Einfluss gewinnt. Würden andere Parteien die Bedenken einiger Menschen aufgreifen, würde man vielleicht verhindern, dass die AfD an Macht gewinnt. Würde man offen über Bedenken, Ängste und Gefahren sprechen, würde man vielleicht den Machtzufluss der Nazis verhindern. Der Unmut würde sinken. Momentan scheint es nichts anderes zu geben als Nazis und Menschen, die andere als Nazis bezeichnen, sobald sie Kritik äußern. Deutschland scheint sich in zwei Lager zu teilen.

Ich bin ein absoluter Nazi-Gegner und würde auch eine Partei wie die AfD nicht unterstützen. Trotzdem halte ich einiges in politischen Belangen für problematisch. Und das muss man äußern dürfen (Stichwort: Meinungsfreiheit). Erst wenn sich die Regierung der Sache annimmt, werden Menschen aufhören, ihre Stimme der AfD zu geben. Richtige Nazis werden solche Demos wie in Chemnitz nicht ausnutzen können, um ihre radikalen Ideen zu verbreiten und dann wird sich etwas zum Positiven wenden.

Ich hoffe, ich konnte meinen Standpunkt deutlich machen. Sehr lange habe ich an meinen Formulierungen gesessen und denke, dass man mir trotzdem unterstellen wird, dass ich rechts sei. Hiermit sei noch mal ausdrücklich gesagt, dass ich gegen Nazis und Fremdenfeindlichkeit bin. Ich habe selbst einen Migrationshintergrund und möchte nicht, dass sich 1933 wiederholt. Ich wünsche mir, dass man aufhören würde, jeden als Nazi und Rassist zu bezeichnen, der Kritik äußert. Lasst uns friedlich gemeinsam diskutieren und sachlich bleiben.