Sonntag, 9. September 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 9

Robin hatte nur wenig Zeit, um sich zu regenieren. Bald sollte die neue Praktikumswoche beginnen. Er freute sich sehr darauf, aber er musste noch sehr viel über die vergangene Woche nachdenken. Bei jedem einzelnen Mitglied des Gamma-Teams hatte er etwas gelernt. Er spürte regelrecht, dass er stärker geworden war. Er konnte nun Dinge tun, die er vorher nicht konnte. Er meinte sogar, dass er in dieser Woche mehr gelernt hatte als in einem halben Jahr Praxisunterricht im Internat. Er würde die erste praktische Prüfung der Elemente mit links meistern. Davon war er überzeugt.
Doch auch die zweite Woche zeigte sich als sehr lehrreich. Er hatte jeweils noch einen Tag mit Petra Fossil, Nero Waters, Anila Stürmer und Florian Argon. Alle hatten noch eine zusätzliche Lektion auf Lager und das junge Elementum genoss die Zeit, auch wenn sie anstrengend war.
Am Freitag saß er zu einem Abschlussgespräch mit allen vier Teammitgliedern zusammen. Florian wollte als Betreuer des Praktikums von den anderen hören, wie sie Robins Teilnahme fanden. Die Erd-Elementaristin Petra Fossil startete ihre Ausführungen:

Was soll ich sagen? Anfangs habe ich den jungen Mann überschätzt und ihn dadurch tatsächlich in Gefahr gebracht. Das tut mir sehr leid. Aber es war nur mein Fehler. Als ich das dann wusste, konnten wir niederschwelliger ansetzen und da hat sich Robin gut geschlagen.“
Als sie erwähnte, dass sie ihn in Gefahr gebracht hatte, machten alle große Augen. Aber Frau Fossil verzog keine Miene und blieb die ganze Zeit über ernst, als ob sie sich in Wirklichkeit keiner Schuld bewusst war. Diese Frau war hart wie Stein.
Äh... gut“, fuhr Florian fort. „Wie war es bei dir, Nero?“
Er hat die Aufgaben gut bewältigt, auch wenn er manchmal das falsche Element eingesetzt hatte. Ich wollte ihm was zum Element des Wassers beibringen, was nicht klappen kann, wenn er plötzlich das Element der Luft einsetzt. Aber vielleicht liegt es eben in seiner Natur, denn schließlich ist er ein Elementum.“
Da möchte ich mich anschließen“, mischte sich nun die Luft-Elementaristin Anila Stürmer ein. „Niemand kann ihm wirklich beibringen, wie er als Elementum seine Kräfte perfekt einsetzt, denn es gibt kein weiteres Elementum. Er muss seinen eigenen Weg finden. Er kann zwar etwas zu jedem einzelnen Element erlernen, aber als Elementum muss man sie auch irgendwie kombinieren können.“
Als sich der Siebzehnjährige das anhörte, war er überrascht, denn bisher hatte das noch niemand so gesehen. Jeder Lehrer war darauf bedacht, dass er in jedem einzelnen Element etwas lernte. Doch das Zusammenspiel von allen Elementen könnte sein Ding sein. Aber das kann ihm niemand beibringen. Das muss er ganz alleine lernen. Diese Erkenntnis war eine Offenbarung, die ihn umhaute.
Da hast du vollkommen recht, Anila“, bestätigte Florian. „Das ist das harte Schicksal, durch das er ganz alleine durchmuss.“ Dann wendete er sich an seinen Schützling. „Ich hoffe, du konntest trotzdem einiges mitnehmen.“
Und wie“, rief der Junge selbstbewusst aus. „Ich danke Ihnen allen, dass Sie sich die Zeit für mich genommen haben. Sie haben mir so viel beigebracht, wie ich es so schnell nie im Internat gelernt hätte. Das hat mir sehr geholfen. Ich kann Ihnen garnicht genug danken.“
Bei diesen Worten lächelten ihm alle freundlich zu. Am liebsten wäre er bei der E-Wehr geblieben und hätte noch viel mehr gelernt. Das war eine unbeschreibliche Erfahrung und nun konnte er sich tatsächlich vorstellen, dort nach dem Abitur eine Ausbildung zu machen.
Hast du noch irgendwelche Fragen?“, wollte Florian Argon wissen.
Eigentlich nicht. Ich wäre nur mal gerne bei einem Einsatz dabei gewesen.“
Das glaube ich dir“, sprach Anila Stürmer. „Aber nicht einmal die Auszubildenen dürfen auf echte Einsätze mitkommen. Das ist zu gefährlich. Dann kannst du dir vorstellen, dass Schülerpraktikanten erst recht nicht mitgenommen werden.“
Verständnisvoll, aber ein wenig enttäuscht, nickte Robin. Doch da ahnte er nicht, dass er bald unfreiwillig an einen Tatort geraten würde.

Der Feuer-Elementarist Florian Argon brachte seinen Praktikanten wie immer mit dem Auto zum Internat. Da stürmte auch schon einer der Wachmänner auf das Auto zu.
Herr Argon, kommen Sie schnell! Hier wurde ein Mordanschlag verübt!“
Wie bitte?“, rief der rothaarige Wachmann und sprang aus seinem Fahrzeug.
Auch Robin erschrak und rannte schnell ins Internat. Da waren auch schon alle Schüler, die bereits aus ihrem Praktikum zurückgekehrt waren, auf dem Innenhof. Auch die Lehrer waren dort. Robin schaute sich verzweifelt um. Ein wenig Angst hatte er ja schon. Da stürzte Marina auf ihn zu.
Robin! Es ist so schrecklich!“
Was ist passiert?“
Das wissen wir auch nicht, aber jemand hat anscheinend Rektor Quinn angegriffen. Jemand hat ihn auf dem Boden liegend vorgefunden. Da muss überall Blut gewesen sein.“
Rektor Quinn!
Oh nein!“, schrie das Elementum. „Wir müssen zu ihm.“
Sie lassen nicht einmal die Lehrer zu ihm. Alle wurden auf den Hof gebeten. Der Notarzt ist bereits gekommen. Und die E-Wehr durchsucht das ganze Gelände.“
Der Siebzehnjährige griff sich an den Kopf. Er fühlte sich so machtlos. Was war nur während seiner Abwesenheit geschehen? Das durfte doch nicht wahr sein.
Hoffentlich schafft der Rektor es, dachte er sich.
Er nahm seine Freundin in den Arm und wartete darauf, was als nächstes passieren würde.

Eine halbe Stunde später wurden alle gebeten, in ihre Zimmer zu gehen. Mittlerweile waren auch die anderen Freunde im Internat angekommen. Nur Iggy wollte noch bis Sonntag bei seiner Familie bleiben, weshalb Robin alleine im Zimmer war. Er konnte es nicht aushalten und rief deshalb seinen besten Freund an.
Das darf doch nicht wahr sein“, schrie Iggy in den Hörer. „Bitte gib gleich Bescheid, wenn du Näheres weißt.“
Natürlich“, bestätigte das Elementum.
Allerdings ließ die Nachricht etwas auf sich warten. Erst am späten Abend wurden die Schülerinnen und Schüler wieder auf den Hof gebeten. Florian Argon trat mit einem Mikrofon vor sie und sprach:
Es tut mir leid, dies sagen zu müssen. Aber leider hat Herr Quinn den Anschlag nicht überlebt. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um den Täter zu finden.“
Ein schockiertes Raunen ging durch die Menge. Marina griff nach Robins Hand. Ihr liefen direkt die Tränen über die Wangen. Auch Aria weinte. Jojo schaute so beklommen wie die meisten Schüler. Robin konnte es nicht fassen. Der Rektor war tot. Das war so schrecklich. Niemals hätte er damit gerechnet. Er fragte sich nun, wie es weitergehen sollte. Rektor Quinn war ein so hervorragender und gütiger Schulleiter. Ohne ihn hätte er wahrscheinlich nie in das Haus 4E kommen dürfen. Er hatte ihm so viel zu verdanken und nun war so plötzlich verstorben.
Ob wohl dieser unbekannte Wasser-Elementarist dahinter steckt?