Sonntag, 2. September 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 8

Wie auch den Rest der Woche, holte Florian Robin vom Internat ab. Sie fuhren schon morgens um 08:00 Uhr los, damit sie frühzeitig in Köln beim Feuer-Elementaristen des Alpha-Teams der E-Wehr waren. Sie hatten einen Termin um 11:00 Uhr. Kurz nach 10:00 Uhr waren sie aber bereits in der Stadt, sodass sie noch kurz halt bei einem Bäcker machen konnten, um sich etwas zu essen zu holen. Florian Argon hatte nämlich noch nichts gefrühstückt.
Gerade biss er in sein Brötchen, als das junge Elementum fragte:
Warum treffen wir ihn eigentlich in Köln. Sagtest du nicht, das Alpha-Team sei in Berlin stationiert?“
Das stimmt“, antwortete der rotbärtige Mann. „Aber derzeit hat Brandon Freizeit und da befindet er sich in seinem eigenen Haus, welches nunmal in Köln ist. Die Mitglieder des Alpha-Teams haben ihre Anwesen in ganz Deutschland verteilt. Und falls sie gebraucht werden, steigen sie ins Flugzeug und fliegen sofort nach Berlin.“
Pünktlich zum Termin klingelten sie dann auch schon am Tor des Anwesens von Brandon Zeus.

Der wohnt ja in einer Villa“, bemerkte Robin verblüfft.
Als Kämpfer im Alpha-Team verdient man sehr gut. Das ist wie ein Sechser im Lotto“, erklärte Florian.
Dann öffnete sich das Tor wie von Zauberhand und die beiden konnten mit dem Auto aufs Gelände fahren.
Robin zitterte sogar ein wenig vor Aufregung. Obwohl er vorher noch nie etwas vom Alpha-Team gehört hatte, fühlte es sich ein bisschen so an, als ob er einen Popstar treffen würde. So etwas würde er niemals mehr vergessen.
Die Villa erschien ziemlich groß. Sie hatte eine Veranda und als Robin und Florian die Stufen zur Haustür betraten, öffnete sie sich auch schon und ein älterer Herr im schwarzen Anzug stand schon da.
Ich hatte mir ihn etwas jünger vorgestellt“, flüsterte der blonde Schüler seinem Mentor zu.
Pssst, Robin! Das ist ein Angestellter und nicht Brandon.“
Da war er wohl in ein Fettnäpfchen getreten.
Der Angestellte sprach mit näselnder Stimme:
Herr Zeus erwartet sie im Kaminzimmer. Folgen Sie mir bitte.“
Robin schaute sich das Innere der Villa ganz genau an. Alles wirkte ziemlich pompös. Die Wände waren mit Stuck verziert. Eine Treppe mit goldenem Geländer führte nach oben. Überall standen üppige Pflanzen.
Der Angestellte führte sie an einigen Türen vorbei, bis er ihnen eine öffnete und Robin und Florian eintreten ließ.
Guten Tag! Willkommen in meinem bescheidenen Heim“, begrüßte sie ein Mann, der etwas jünger sein musste als Florian Argon. Er hatte eine drahtige Figur mit einem schmalen, aber markanten Gesicht. Seine kastanienbraunen Haare waren relativ kurz geschnitten. Allerdings hatte er an beiden Seiten Koteletten. Eigentlich wirkte er ziemlich jugendlich, aber seine buschigen Augenbrauen verliehen ihm eine gewisse Seriösität. Außerdem trug er sogar seine schwarze Uniform mit dem goldenen E und den fünf Stern-Abzeichen, was ihm eine gewisse Erhabenheit verlieh.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben“, entgegnete Florian. „Es ist wirklich nett, Sie persönlich kennenzulernen.“
Er reichte ihm die Hand, aber Brandon Zeus ignorierte dies und drehte sich einfach um.
Kommen Sie“, forderte er die beiden Gäste auf. „Nehmen Sie Platz!“
Das Zimmer war etwa dreißig Quadratmeter groß. Darin befanden sich lediglich eine sehr teure, braune Ledercouch, der dazugehörige Sessel und gegenüber davon eine großer Kamin mit einem goldenen Kaminsims. Auf dem Boden lag ein Bärenfell, was Robin gar nicht so toll fand, dem Raum aber eine gewisse Gemütlichkeit verlieh. An den Wänden hingen einige scheinbar sehr alte Gemälde mit ebenfalls goldenen Rahmen. Der junge Elementarist vermutete, dass das alles nicht gerade sehr günstig war. Und wenn das hier nur das Kaminzimmer war, wie würde dann das richtige Wohnzimmer aussehen?
Für Ihren Besuch habe ich speziell meine Uniform angezogen“, sprach der Feuer-Elementarist des Alpha-Teams. „Damit Sie auch ja meine Sterne bewundern können.“ Er lachte laut los, als hätte er den Witz des Jahres verlauten lassen. Robin und Florian lachten zaghaft mit.
Und wie fühlen Sie sich?“, wollte Brandon Zeus schließlich wissen.
Ganz gut, denke ich“, antwortete Robin zurückhaltend.
Wie bitte? Sie müssen sich doch großartig fühlen, meine Gegenwart genießen zu dürfen. Nicht viele Kinder haben die Chance mit mir zu sprechen.“
Kinder? Ich bin doch kein Kind mehr!
Diese Aussage fand das Elementum gar nicht so nett, aber bevor er etwas einwenden konnte, funkte Florian schnell dazwischen.
Für uns ist es eine große Ehre, Herr Zeus. Robin absolviert gerade ein Praktikum bei uns in der Zentrale in Frankfurt. Er überlegt, vielleicht später auch mal zur E-Wehr zu kommen und irgendwann im Alpha-Team zu sein.“
Wie bitte?“, hakte Herr Zeus irritiert nach. „Sie denken wirklich, Sie haben das Zeug, um später mal im Alpha-Team zu sein.“
Robin nickte stumm.
Das glaube ich aber kaum. Nur die Wenigsten haben das Zeug dazu. Da muss man schon besondere Fähigkeiten mitbringen.“
Ich bin ein Elementum“, verteidigte sich der Schüler endlich.
Das heißt ja noch garnichts, wenn Sie nicht mit ihren Fähigkeiten umgehen können.“ Brandon Zeus lachte wieder laut los und Robin schaute seinen Mentor ein wenig verärgert an. Florian reagierte lediglich mit einem entschuldigendem Schulterzucken.
Was war das für ein eingebildeter Fatzke, fragte er sich.
Wissen Sie was“, fuhr der Feuer-Elementarist fort, „ich gebe Ihnen ausnahmsweise eine Kostprobe meiner Künste. Folgen Sie mir in den Garten.“
Widerwillig folgte der Siebzehnjährige dem Gastgeber. Auch Florian wollte folgen, aber Brandon Zeus hielt ihn kurzerhand auf:
Bleiben Sie doch bitte hier, Herr... wie war noch gleich Ihr Name?“
Argon.“
Genau, Herr Argwohn. Bleiben Sie doch einfach sitzen. Normalerweise würden Menschen Eintritt zahlen, um mich in Aktion zu sehen. Nicht jeder x-beliebige Elementarist darf mir zuschauen. Bei dem jungen Mann mache ich mal eine Ausnahme. Er möchte ja etwas lernen.“
Man konnte Florian ansehen, wie schockiert er war, aber er blieb höflich und sagte dazu nichts. Beinahe hätte Robin was gesagt, doch sein Mentor teilte ihm mit einem kleinen Blick mit, dass er lieber den Mund hielt.
Also gingen die Beiden in den Garten, der fast schon so groß wie ein Fußballfeld war. In der Mitte befand sich ein Swimming Pool, der allerdings mit einer grünen Plane abgedeckt war. Im Winter wurde er scheinbar nicht benutzt. Der Garten war von einer baumhohen Hecke umgeben, sodass neugierige Leute keinen Einblick auf das Anwesen hatten.
Dann schau mal genau hin.“
Was würde nun folgen, wollte der junge Elementarist wissen.
Da ging sein Gastgeber vor seinen Augen in Flammen auf und flog in die Luft.
Robin erschrak und wich einen Schritt zurück. Da flog Brandon Zeus als lebendige, menschliche Feuerkugel durch den Garten.
Also zugegebenermaßen beeindruckte ihn das schon. Aber er fand die Art und Weise dieser Vorstellung ziemlich affig. Wie konnte man nur so selbstverliebt sein? Dieser Mensch war dank seines Ruhms ziemlich abgehoben. Er hoffte, dass er immer jemanden hatte, der ihn auf den Boden zurückholte, falls er mal so abheben sollte.
Irgendwann landete Brandon Zeus wieder vor ihm und die Flamme, die seinen Körper umgab, ging wieder aus.
Und?“, wollte nun der Feuer-Elementarist wissen. „Sind Sie nicht unheimlich fasziniert von meiner Person?“
Robin hielt sich bedeckt und antwortete deshalb:
Ja, das ist schon ganz nett.“
Nur ganz nett? Sie untertreiben maßlos, würde ich behaupten.“
Also“, holte der blonde Jugendliche aus, „ich bin ein Elementum und habe ebenfalls einiges drauf. Wie Sie wissen, beherrsche ich alle vier Elemente. Außerdem trage ich das Symbol des Wassers auf meiner Brust.“
Wie bitte? In Ihrem Alter? Das meinen Sie nicht ernst. Sie scherzen.“ Der Gastgeber lachte wieder laut auf, was das Elementum tierisch nervte. Also knöpfte er sein Hemd auf und zeigte ihm das Dreieck auf seiner Brust. Sofort verstummte das Lachen.
Sehen Sie!“
Damit drehte er sich um und holte Florian aus dem Kaminzimmer.
Lass uns bitte gehen!“, forderte er ihn auf.
Was ist passiert? Wir dürfen nicht so unhöflich sein.“
Er ist die ganze Zeit sehr unhöflich zu uns. Das muss ich mir nicht geben.“
Der bärtige Mann mit den roten Haaren zögerte kurz, folgte Robin aber sodann. Eine kurze Zeit später saßen sie im Auto auf den Weg zu Iggys Familie.

Die ganze Fahrt über blieb Robin still. Er war ziemlich verärgert über den Besuch beim Elementaristen des Alpha-Teams. Er konnte gar nicht glauben, dass er sich vorher so gefreut hatte.
Viel Spaß bei deinem Freund. Ich fahre kurz noch zu einem Kollegen und hole dich später wieder ab.“
Danke Florian!“
Damit verabschiedete sich der Feuer-Elementarist und fuhr mit seinem Auto fort.

Iggy begrüßte seinen Kumpel herzlich. Er war sehr gespannt darauf, was er von Brandon Zeus zu berichten hatte. Doch zuvor musste Robin erstmal die Eltern des Rotschopfes kennenlernen.
Sie hatten ihn noch nie gesehen, aber sowohl Iggys Mutter als auch sein Vater umarmten das junge Elementum herzlich. Das war ziemlich ungewohnt für ihn, aber er fand es sehr nett. Das nannte er mal Gastfreundschaft.
Herr und Frau Brenner brachten ihn sofort ins Wohnzimmer, wo ein gedeckter Tisch mit Limonade und Knabberzeug bereitstand.
Das ist sehr nett von Ihnen“, bedankte sich Robin.
Ach, warum so förmlich?“, sprach Iggys Vater. „Nenn mich einfach Gerit.“
Und ich bin Candela“, fügte Iggys Mutter hinzu.
Irgendwie hatte er sich seine Eltern ganz anders vorgestellt. Er stellte sie sich als seht streng und spießig vor und nicht als so herzliche und freundliche Menschen. Auch ihr Aussehen überraschte sie. Iggy war ein recht hübscher, schlanker junger Mann, der sehr viel Wert auf sein Aussehen legte. Seine Eltern hingegen wirkten geradezu gemütlich.
Beide waren recht übergewichtig. Candela hatte lange, leicht gewellte, feuerrote Haare. Sie trug ein sehr weites Blümchenkleid, was ihre kräftige Masse verhüllte. Gerit trug einen Fünftagebart und zusammen mit seinem ungekämmten roten Haar wirkte das ein bisschen ungepflegt. Außerdem trug er eine alte, runde Hornbrille, die ihre beste Zeit schon hinter sich gebracht hatte. Aber zumindest hatte er einen schwarzen Sakko zur Feier des Tages über seinen schwarzen Pullover geworfen. Dieser wirkte ein bisschen Fehl am Platz.
Eine halbe Stunde plauderten sie miteinander, doch dann riss Iggy ihn mit in sein Zimmer. Er wollte endlich wissen, wie der Besuch bei seinem Idol gelaufen war.
Und tatsächlich war der Rotschopf ein riesiger Fan von Brandon Zeus, denn sein ganzes, zugegebenermaßen winziges Zimmer war übersäht mit Postern des Elementaristen. Robin wurde quasi davon erschlagen, als er den Raum betrat.
Aber alles war ordentlich, anders als in Robins eigenem Jugendzimmer. Da lagen immer Klamotten auf dem Boden. Doch hier schien alles seinen Platz zu haben. Das Bett war gemacht, der Schreibtisch ordentlich und selbst sein Bücherregal war aufgeräumt. Eigentlich war es so, wie er es im Haus 4E gewohnt war, aber da achteten ja auch die Lehrer ein bisschen mit darauf. Jedenfalls riss man sich dort ziemlich zusammen, damit kein Chaos entstand. Aber hier zuhause war Iggy auch vorbildlich ordentlich.
Nun erzähl schon!“, forderte der rothaarige Schüler seinen besten Kumpel aufgeregt auf.
Es war ein Reinfall.“
Wie meinst du das?“, hakte Iggy skeptisch nach.
Dieser Kerl ist ein eingebildeter Schnösel. Er findet sich selbst richtig toll und lässt das raushängen.“
Aber er ist ja auch ziemlich toll.“
Trotzdem behandelt man seine Gäste nicht von oben herab.“
Wie meinst du das?“ Iggy glaubte nicht, was sein Freund ihm da erzählen wollte.
Er hatte extra seine Uniform angezogen, um mit seinen fünf Sternen anzugeben.“
Du hast ihn in Uniform gesehen? Wie cool ist das denn?“
Das ist doch nicht cool. Außerdem sagte er, ich werde es nie so weit bringen wie er.“
Hat er das genau so gesagt?“
Das war nicht der Wortlaut, aber er meinte es so.“
Ach Robin, kann es sein, dass du ein bisschen eifersüchtig auf ihn bist?“
Ich auf ihn? Niemals. Als ich ihm mein Symbol auf der Brust gezeigt habe, war er eher eifersüchtig auf mich.“
Was?“, rief Iggy entsetzt. „Du hast ihm das Symbol gezeigt? Ich dachte, Marina und du wollten es keinem zeigen.“
Irgendwie musste ich dem Typen ja das Maul stopfen.“
Oh mann, Robin...“ Der Feuer-Elementarist schlug sich seine Hand vor den Kopf. Er konnte gar nicht glauben, wie sich Robin seinem Vorbild gegenüber verhalten hatte.
Glaube mir, Iggy, dieser Mensch geht gar nicht.“
Doch der rothaarige Schüler wollte das nicht hören. Für ihn war Brandon Zeus der größte Held, den die Erde je hervorgebracht hatte. Und das ließ er sich auch nicht von seinem besten Freund vermiesen. In seinen Augen war Robin wahrscheinlich derjenige, der sich daneben benommen hatte und nicht Brandon Zeus.
Also hast du mir kein Autogramm mitgebracht?“
Natürlich nicht“, antwortete Robin und schüttelte verständnislos den Kopf.