Sonntag, 8. Juli 2018

[Elementum 3] Lodernde Flamme - Kapitel 1

Neues Jahr, neues Glück. So hoffte jedenfalls Robin Held. Er hatte ein sehr aufregendes Jahr hinter sich gebracht, denn er hatte erfahren, dass er ein Elementarist ist – und dann auch noch ein ganz besonderer. Er war nämlich ein Elementum. Gewöhnliche Elementaristen konnten eines der vier Elemente – Feuer, Wasser, Luft oder Erde – beherrschen. Doch der nun Siebzehnjährige konnte alle vier Elemente beschwören, was ihn außergwöhnlich machte.
Um damit umgehen zu lernen, bezog er das Haus 4E, ein Internat speziell für Elementaristen. Dort lernte er seine vier neuen Freunde kennen. Iggy war sein bester Kumpel und Zimmergenosse. Er konnte das Element Feuer beherrschen. Seine feste Freundin Marina war eine Wasser-Elementaristin. Der muskulöse Jojo gehörte zu den Erd-Elementaristen und die hübsche Blondine Aria beherrschte das Element der Luft.
Doch nicht immer war alles Friede, Freude, Eierkuchen. In den vergangenen Monaten wurde Robin immer wieder von einem Wasser-Elementaristen angegriffen. Beim letzten Kampf konnte er endlich sein Gesicht erblicken, aber leider war der Angreifer entkommen. Seitdem patrollierten Wachmänner der E-Wehr im Haus 4E. Die E-Wehr ist eine Organisation, die sich dem Schutz der Elementaristen unterworfen hat. Sie stellt quasi die Polizei der Elementaristen dar.

Trotz des Aufgebots an Wachleuten musste der normale Unterricht weitergehen. Robin befand sich in der elften Klasse und musste neben seinen normalen Fächern auch in den Elementen ausgebildet werden. Im normalen Unterricht war er den Feuer-Elementaristen zugeteilt und bekam in diesem Element Praxisunterricht von Frau Funke, welche gleichzeitig seine Tutorin war. Wenn er Fragen hatte, konnte er sich an die freundliche Lehrerin wenden.
Zusätzlich bekam er aber noch von seinen Freunden nachmittags Nachhilfe in den anderen Elementen. Sie versuchten mit ihm alles nachzuholen, was er sonst verpassen würde. Das war aber nicht sehr einfach. Deshalb durfte Robin an manchen Wochenenden verreisen und Bekanntschft mit hochrangigen Elementaristen machen, die ihm an einem Wochenendseminar etwas beibrachten.
Am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien erinnerte sie Frau Funke im Praxisschwerpunkt Feuer an etwas, das sie eine Zeit lang verdrängt hatten:
Am Ende diesen Monats finden die ersten praktischen Prüfungen in eurem Element statt. Ihr werdet die Feuer-Prüfung ablegen.“
Iggy und Robin schauten sich gegenseitig bemitleidend an. Beide hatten großen Respekt vor ihrer ersten richtigen Prüfung. Zumindest war der Siebzehnjährige froh darüber, dass er es ebenfalls im Element Feuer ablegen durfte wie Iggy. Er hatte schon befürchtet, dass er es vielleicht in allen vier Elementen ablegen musste, aber das war wahrscheinlich nicht zu leisten.
Aber Frau Funke hatte noch eine weitere Erinnerung:
Und ihr wisst ja hoffentlich alle, dass nächsten Montag euer zweiwöchiges Betriebspraktikum beginnt. Hoffentlich habt ihr alle einen Praktikumsplatz finden können. Ein Bericht ist zwei Wochen nach dem Praktikum fällig. Aber das besprecht ihr dann im Fach Gesellschaftslehre.“
Und auch bei diesen Ausführungen seufzten die beiden besten Freunde gleichzeitig.

Nach dem Unterricht kamen die fünf Freunde im Aufenthaltsraum zusammen, um sich gegenseitig zu erzählen, wo sie ihr Praktikum machen würden.
Mein Vater hat dafür gesorgt, dass ich das Praktikum in einem Krankenhaus absolviere. Sein Kollege ist dort Chirurg. Ich hatte keine andere Wahl“, erzählte Marina.
Da hat es mich aber besser getroffen“, sagte Aria. „Ich mache das Praktikum in einer Tanzschule. Ihr wisst ja, wie gerne ich tanze.“
Marina musste sich ihre Gedanken verkneifen. Sie dachte sich, dass das Praktikum ihrer Freundin daraus bestehen würde, die Spiegel in der Tanzschule zu putzen. Aber sie wollte es ihr nicht vermiesen und schwieg deshalb.
Ich habe mich ja jetzt in einem Fitnessstudio hier in Frankfurt angemeldet“, berichtete Jojo. „Dort habe ich dann gleich nach einem Praktikumsplatz gefragt. Jetzt darf ich am Empfang stehen und die Leute begrüßen.“
Immerhin kannst du dann anschließend gleich trainieren“, schlug Robin erfreut vor.
Das hatte ich mir auch gedacht“, antwortete Jojo lächelnd.
Ich nutze die Gunst der Stunde und werde die zwei Wochen bei meinen Eltern in Köln verbringen“, sprach Iggy. „Ich habe dort in einer Drogerie angefragt. Wahrscheinlich darf ich den ganzen Tag Regale einräumen, aber das kriege ich schon hin.“
Wahrscheinlich hast du nicht rechtzeitig mit der Suche begonnen“, ermahnte Marina ihren Freund mit den feuerroten Haaren.
Iggys Antwort war lediglich ein Augenrollen.
Der einzige, der überhaupt nicht wusste, wo es ihn hinverleiten würde, war Robin. Ihm wurde gleich gesagt, dass er kein gewöhnliches Betriebspraktikum machen müsste. Er würde wieder irgendwohin geschickt werden, um in einem der Elemente ausgebildet zu werden. Er war ziemlich aufgeregt und freute sich darauf. Aber gerne hätte er mit den anderen darüber gesprochen. Jetzt musste er aber darauf warten, was ihm die Lehrer sagen würden.
Wann erfährst du es denn endlich?“, wollte Iggy wissen.
Ich habe keine Ahnung. Vielleicht frage ich mal nach.“
Das ist eine gute Idee“, lobte Marina. „Schließlich geht es bald los und du sollst doch die Chance haben, dich darauf vorzubereiten.“
Wahrscheinlich ist es garnicht nötig. Bisher war es ja auch nicht notwendig gewesen, als ich beispielsweise den ehemaligen Lehrer Herrn Hauch oder deine Eltern besucht habe.“
Herr Hauch unterrichte früher ebenfalls im Haus 4E. Leider wurde er krank und musste daher seine Stelle aufgeben. Er war ein Luft-Elementarist und konnte Robin viel beibringen. Bei Marinas Eltern wurde er im Element des Wassers trainiert. Das war ebenfalls sehr hilfreich.
Nun war er gespannt, in welchem Element er als nächstes eine spezielle Ausbildung erhielt.