Donnerstag, 14. Juni 2018

[Nachgedacht] Müssen Promis sich outen?

Vor ein paar Tagen hat sich der Moderator und Schauspieler Jochen Schropp öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Er ist 39 Jahre alt und ihm wurde von seiner Agentur damals geraten, es geheim zu halten, da er eventuell nicht mehr die passenden Rollen gekriegt hätte. Vor seinem 40. Geburtstag wollte er reinen Tisch machen.

Das hat mich zum Nachdenken angeregt. Unter dem Instagram-Post von Jochen Schropp schreiben einige, dass sie es schade finden, dass man sich überhaupt öffentlich outen müsse. Zum einen ginge niemanden die Sexualität anderer an und zum anderen sollte Homosexualität so selbstverständlich sein, dass man kein Wort darüber verlieren muss.

Der Gedanke hinter diesen Äußerungen ist gut gemeint, aber ich denke ein wenig anders. Die Realität ist nunmal so, dass Homosexualität nach wie vor nicht als "normal" angesehen wird. Diskriminierung steht leider noch immer an der Tagesordnung und gerade Jugendliche haben damit zu kämpfen. Sie haben Angst vor Ausgrenzung und Mobbing. Daher halten sie es geheim und leben eine Lüge. Das richtet oftmals einen Schaden in der Psyche eines jungen Menschen an. 

Das ist der Grund, warum ich finde, dass man Jugendlichen ein Vorbild sein sollte und ihnen Homosexualität als Normalität vorleben müsste. Natürlich geht auch ein Heterosexueller nicht mit seiner Sexualität hausieren. Aber da es die Regel und nicht die Ausnahme ist, hat ein Heterosexueller es auch garnicht nötig. Zudem kann er seine Sexualität offener ausleben. Er muss sich nicht schämen, wenn er einen Partner hat und in der Öffentlichkeit Händchen hält. Auch Fotos in sozialen Netzwerken sind kein Problem. Außerdem macht es das Flirten einfacher, weil man oftmals nicht angestrengt überlegen muss, ob der Schwarm auf das passende Geschlecht steht.

Homosexuelle können nicht mit dieser Leichtigkeit leben. Sie können nicht so einfach Händchen im Park halten oder Fotos mit dem Partner hochladen, ohne angefeindet zu werden. Die Partnersuche ist auch schwerer, weil die Homosexualität nicht ins Gesicht geschrieben ist und man daher nicht weiß, ob das Gegenüber ebenfalls auf das gleiche Geschlecht steht.

Prominente Menschen können daher mit ihrer Bekanntheit als Vorbildfunktion dienen. Sie können den Menschen vorleben, dass Homosexualität eben auch normal ist und jungen Menschen Hoffnung, Mut und sogar Selbstvertrauen geben. Daher bin ich sehr dafür, dass sich homosexuelle Promis outen und kein Geheimnis drum herum machen. Besonders würde ich es den Profifußballern nahe legen. Wenn Homosexualität wirklich irgendwann zur Normalität und zur Regel gehört, dann muss man es vielleicht nicht mehr öffentlich rausposaunen.