Sonntag, 3. Juni 2018

[Lady Diamond 1] Kapitel 16

Lorena beeilte sich, denn es war kurz vor Ladenschluss. Das Restaurant würde gleich schließen und dann hatte sie wahrscheinlich keine Chance, auf Steffi zu treffen.
Es hat eine Weile gedauert, bis sie Kai beruhigen konnten. Und außerdem hatte sie keine Ausrede, warum sie die Gruppe früher verlassen sollte. Aber jetzt hatten sich alle getrennt und so konnte sie schnell zur Pizzeria Luigi zurückrennen.
Sie nahm die Beine in die Hand und rannte, was das Zeug hielt. Gerade als sie an der Tür der Pizzeria angekommen war, öffnete sie sich und Kais Schwester kam heraus. Natürlich stießen die beiden jungen Frauen aneinander.
„Pass doch auf, du Trampel“, brüllte Steffi die Fünfzehnjährige an.
„Es tut mir leid“, entgegnete Lorena kleinlaut.
„Und jetzt geh mir aus dem Weg!“
„Aber ich wollte zu dir und mit dir sprechen.“
„Ich aber nicht mit dir!“ Mit diesem Satz schob sie die Schülerin mit dem weißen Haar gewaltsam zur Seite und rauschte davon.
Doch Lorena ließ sich nicht davon abhalten. Sie beschloss Stephanie mit einigen Metern Entfernung zu folgen.

Es dämmerte bereits und die Straßenlaternen gingen an. Die Kellnerin bemerkte garnicht, dass sie verfolgt wurde. Sie ging ihres Weges und irgendwann betrat sie eine verlassene Parkanlage. Das war Lorenas Chance.
„Steffi!“, rief sie der jungen Frau hinterher. „Warte bitte!“
„Du schon wieder“, keifte Kais Schwester. „Warum folgst du mir?“
„Ich glaube, irgendetwas Böses hat von dir Besitz ergriffen“, rückte Lorena ohne Umschweife mit der Sprache heraus.
„Was redest du da? Du leidest wohl an Halluzinationen.“
„Warum bist du dann so wütend?“, wollte die Fünfzehnjährige wissen.
„Ich bin doch garnicht wütend“, schrie Steffi lautstark. Dann hielt sie kurz inne und sprach: „Vielleicht bin ich ja doch wütend. Aber das liegt an dir. Du gehst mir gewaltig auf den Zeiger.“
Bei diesem Satz stampfte sie auf die Schülerin mit großen Schritten zu. Lorena wusste, was jetzt passierte, denn die junge Kellnerin hatte blutunterlaufene Augen und zog eine fiese Grimasse. Gleich würde sie zu einem Monster werden. Doch dieses Mal war das Mädchen mit dem weißen Haar vorbereitet. Sie umschloss ihr Amulett mit ihrer Hand und rief:
„Kräfte des magischen Diamanten!“
Das Licht des Edelsteins erstrahlte hell und hüllte sie komplett ein. Einen Augenblick später war sie verwandelt.
„Was soll das?“, wollte Stephanie wissen. Sie riss die Augen auf und man sah ihr an, dass Agressionen in ihr aufstiegen. Ihr Gesicht veränderte sich und wurde ganz weiß und hart wie Porzellan. Ihre Hände verwandelten sich in eine riesige Gabel und ein übergroßes Messer. Sie wuchs in die Höhe und Breite, sodass ihre Kleidung auseinander platzte und darunter kam eine Kochschürze zum Vorschein. Nun war sie zu einer monströsen Porzellanpuppe mit Besteck als Hände geworden.
Die Superheldin sah das mit an und sprach anschließend:
„Ich wusste, dass etwas mit dir nicht stimmte. Dein Bruder machte sich nicht umsonst Sorgen um dich. Er weiß, dass du eigentlich ganz anders bist und daher muss ich dafür sorgen, dass du wieder die Alte wirst. Ich bin die unbezwingbare Kämpferin der Reinheit – Lady Diamond. Mit den Kräften der Energie besiege ich dich!“
„Was soll dieses Gesülze?“, gab das Porzellanmonster zurück. „Du nervst.“
Und dann holte es aus und warf plötzlich mit Tellern nach Lady Diamond.
Die Kämpferin war so überrascht, dass sie sogar von einem direkt am Kopf getroffen wurde und dieser zerschellte.
„Autsch!“, jaulte sie auf. Doch das Monster hörte nicht auf und warf immer weiter mit Tellern. Die Kämpferin schaffte es aber nun, sie entweder mit ihren Armen abzuwehren oder auszuweichen. Doch irgendwie wurde das Monster immer schneller und Lady Diamond merkte, dass es für sie immer anstrengender wurde. Also musste sie zum Gegenschlag ausholen. Sie schnappte sich einen Teller aus der Luft, was das Ungetüm vor Schock erstarren ließ.
„Was soll das?“, quietschte es schrill.
Die Kämpferin holte aus und schleuderte den Teller nun gegen den Kopf des Monsters, was einen Sprung in ihrem Gesicht verursachte.
„Was?“, schrie es. „Das darf nicht wahr sein.“
Dann rief Lady Diamond:
„Diemantensplitter!“
Die scharfkantigen Mini-Geschosse flogen direkt auf das Ungetüm aus Porzellan zu, was sogleich ohnmächtig zu Boden stürzte und sich in die junge Kellnerin zurückverwandelte.
„Geschafft“, rief die Kämpferin der Reinheit aus und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Noch lange nicht“, rief dann eine männliche Stimme hinter ihr. Sie drehte sich um und blickte einen Mann in einer dunkelroten Rüstung und gewelltem, schwarzen Haar an.
Sie erschrak, weil sie nicht damit gerechnet hatte.
„Wer bist du?“, wollte sie wissen.
„Die Frage ist eher, wer du bist“, sprach nun eine weitere Stimme rechts von ihr. Sie drehte ihren Kopf und sah einen weiteren Ritter in einer dunkelblauen Rüstung mit einer Glatze aus dem Schatten treten.
„Noch einer“, wunderte sich die Heldin leicht verunsichert.
„Nun rede schon!“, forderte sie eine dritte männliche Stimme in ihrem Rücken auf. Sie schwang blitzschnell um und sah den Schattenritter mit der dunkelgrünen Rüstung und dem langen, glatten, schwarzen Haar.
Das darf nicht wahr sein, dachte sie voller Anspannung.
„Wir warten“, sagte nun auch noch der letzte der vier Ritter, der sich links von Lady Diamond befand. Er war der Ritter mit der dunkelgelben Rüstung und dem kurzen, struppigen, schwarzen Haar.
Auch diesen schaute die Kämpferin an und dann drehte sie sich um sich selbst, um alle diese vier Fremden im Blick zu behalten. Sie umzingelten sie und so dachte sie, dass sie in der Falle steckte.
Was soll ich jetzt bloß tun?