Sonntag, 29. April 2018

[Lady Diamond 1] Kapitel 11

Am nächsten Tag bauten sie ihren Stand erneut auf dem Schulhof auf. Heute wollte Lorena auch mehr Engagement zeigen. Diesmal hatte sie die Idee, über den Schulhof zu laufen und die Schüler direkt anzusprechen. Damit schaffte sie tatsächlich auch einige Bereitwillige heran.
„Das war eine super Idee“, sagte Kai stolz.
„Vielen Dank“, antwortete Lorena lächelnd.
„Könnt ihr mal bitte aufhören zu flirten und lieber weiter arbeiten“, mischte sich Nadja ein.
Beide wurden knallrot im Gesicht.
„Entschuldigung“, entgegnete die Schülerin mit dem weißen Haar und fuhr mit ihrer Arbeit fort.
Als die Pause vorüber war, begutachteten Janine, Kai und Lorena ihre Arbeit.
„Das war heute ein voller Erfolg“, sprach Kai hoch erfreut.
„Es wäre noch ein viel größerer Erfolg, wenn du nicht ständig mit dem Instagram-Star flirten würdest“, meckerte Nadja und blickte die beiden dabei böse an.
„Was soll denn das jetzt?“, hakte Janine verwirrt nach.
„Wir flirten doch gar nicht“, verteidigte sich Kai. „Was ist denn mit dir los, Nadja?“
„Ihr konzentriert euch nicht auf die Sache“, fuhr sie mit ihren Anschuldigungen fort.
„Das stimmt doch garnicht“, wehrte sich der Schulsprecher weiter.

Lorena war zu baff, um etwas sagen zu können. Sie traute ihren Ohren nicht.
„Ich finde, Lorena sollte aus dem Organisationsteam austreten“, schlug Nadja vor.
„Wie bitte?“, warf Janine entsetzt ein. „Ich glaube, du spinnst wohl.“
Nadja trat auf Janine zu und stieß sie gegen den Arm.
„Willst du mich blöd von der Seite anmachen oder was?“
„Hör auf damit!“, rief Kai. „Was ist denn in dich gefahren?“
„Seid ihr jetzt alle gegen mich?“, schrie die hübsche Südländerin wütend los. „Ihr seid doch alle bescheuert.“ Als sie das aussprach, warf sie einen der Tische um und lief davon.
Kai und Janine schauten Lorena verwirrt an, doch die Fünfzehnjährige ahnte, was dies zu bedeuten hatte.
Da steckt doch bestimmt wieder das Böse dahinter.

Nach der Schule hielt Lorena Ausschau nach ihrer Mitschülerin Nadja. Sie hatte das Gefühl, dass etwas nicht mit ihr stimmte und davon wollte sie sich überzeugen.
Sie benimmt sich wie Anielle oder Janine, als sie besessen waren.
Da sah sie, wie das südländische Mädchen aus dem Schulgebäude stampfte. Ihr Blick verriet, dass sie nach wie vor schlecht gelaunt war. Sofort fielen Lorena ihre blutunterlaufenen Augen auf. Heimlich verfolgte sie Nadja.
Als sie irgendwann an einem verlassenen Feldweg angekommen waren, traute sich Lorena, ihre Mitschülerin anzusprechen:
„Nadja, warte mal bitte kurz.“
„Du?“
„Ich möchte nur kurz mit dir sprechen.“
„Mit dir will ich aber nicht mehr reden“, schimpfte Nadja, die mittlerweile gar nicht mehr so hübsch aussah. Ihr Gesicht war zu einer fiesen Grimasse geworden.
„Irgendwas stimmt doch nicht mit dir“, sprach Lorena mit Gewissheit.
„Vielleicht stimmt etwas nicht mit dir“, brüllte Nadja los und rannte auf Lorena zu.
Die Fünfzehnjährige machte vor Schreck einen Sprung zurück, doch da war Nadja schon bei ihr angekommen und holte mit der Faust zu einem Schlag aus. In letzter Sekunde konnte das Mädchen mit den weißen Haaren ausweichen. Sie rannte schnell davon, doch Nadja blieb ihr auf den Fersen. Um so weiter sie rannten, desto schneller wurde Nadja. Da sah Lorena, wie sich ihre Mitschülerin veränderte. Sie gewann an Größe und an den Füßen hatte sie plötzlich Turnschuhe aus Stahl. Ihre Haut verfärbte sich zu einem dunklen Grün. Ihre Augen wurden rot und überhaupt ähnelte ihr Gesicht einem katzenartigen Wesen. Ihr Körper gewann an Muskeln und die Kleider rissen auseinander. Darunter kam ein Joggingdress zum Vorschein. Nun sah sie wie eine katzenartige Marathonläuferin aus.
Lorena umschloss beim Rennen ihr Amulett mit dem weißen Diamanten und rief:
„Kräfte des magischen Diamanten!“
Wieder hüllte sie sich in weißes Licht und einen Moment später war sie verwandelt.
Dann hielt sie an und drehte sich mutig um. Auch das Monster blieb stehen und machte sich kampfbereit.
„Ich habe noch immer keine Ahnung, wie das passieren kann, aber ich werde es nicht dulden, dass du den Körper einer so hilfsbereiten Person einnimmst. Nadja setzt sich für die Nöte von Kindern ein und du beschmutzt ihren Charakter. Ich bin die unbezwingbare Kämpferin der Reinheit – Lady Diamond. Mit den Kräften der Energie besiege ich dich!“
„Das werden wir noch sehen“, knurrte das Monster und rannte los.
Lady Diamond konnte gar nicht reagieren, so schnell war das Monster bei ihr angekommen und umkreiste sie nun. Beim Rennen holte es mit seinen Klauen immer wieder aus und schlug die Kämpferin in den Bauch, in die Seite oder in den Rücken. Sie schrie vor Schmerz.
„Du hast keine Chance“, sprach das Monster.
„Das werden wir noch sehen“, stöhnte Lady Diamond. Dann nahm sie ihre Kraft zusammen und konzentrierte sich. Sodann rief sie:
„Diamantensplitter!“
Die scharfkantigen kleinen Splitter flogen wie kleine Messer durch die Luft, doch sie trafen leider nicht ihr Ziel. Das Monster war ausgewichen und rannte nun einige Meter davon.
Lady Diamond atmetete schwer und riss ihre Augen vor Entsetzen auf.
Ich habe es nicht getroffen! Oh nein!
„Daneben!“, spottete das Ungetüm, was einmal eine hübsche Schülerin gewesen war. „So leicht kriegst du mich nicht.“
Lady Diamond wusste nun nicht mehr, was sie tun sollte. Würde sie noch einmal so viel Energie aufbringen können? Und wenn ja, würde sie dann beim zweiten Mal treffen?
Dann rannte das Monster erneut auf sie zu und holte mit voller Wucht aus. Mit einem heftigen Schlag warf es die Kämpferin der Reinheit zu Boden. Vor Schmerz schrie sie erneut auf.
„Nein!“, flehte sie. „Hör damit auf, Nadja! Ich weiß, du willst das eigentlich garnicht. Du hast ein gutes Herz!“
„Was ein Geschwätz“, brüllte das Ungetüm zurück und machte sich erneut zum Angriff bereit. „Gleich wirst du deinen letzten Atemzug gemacht haben.“
Das katzenartige Wesen baute sich über Lady Diamond auf. Sie hob einen ihrer Füße mit dem stählernem Schuh hoch und bereitete sich darauf vor, auf die Kämpferin einzutreten.
„Nein!“, schrie Lady Diamond. Sie nahm all ihre Kraft zusammen, konzentrierte sich auf ihre Hände und setzte ihre letzte Energie ein, bevor sie zum zweiten Mal rief: „Diamantensplitter!“
Dieses Mal konnte das Monster nicht so schnell ausweichen und die Splitter trafen es direkt und mit voller Wucht. Das Ungetüm stürzte zu Boden und verwandelte sich zurück in das hübsche Mädchen.
Doch dies war zuviel für die junge Heldin und auch sie brach vor Erschöpfung zusammen.

Lorena!“, rief einige Zeit später eine besorgte Stimme. Langsam öffnete die Fünfzehnjährige ihre Augen. Sie blickte in das Gesicht ihrer Mitschülerin Nadja. „Geht es dir gut?“
„Ja“, stöhnte das Mädchen mit dem weißen Haar und ließ sich von Nadja aufhelfen.
„Weißt du, was passiert ist und wie wir hier hergekommen sind?“
„Ich habe keine Ahnung“, antwortete Lorena.
„Das ist echt seltsam. Aber heute war sowieso nicht mein Tag. Es tut mir schrecklich leid, wie ich mich dir gegenüber verhalten habe. Natürlich möchte ich nicht, dass du das Organisationsteam verlässt.“
„Schon gut“, entgegnete Lorena gutmütig. „Wir alle haben mal einen schlechten Tag. Ich hatte mir schon gedacht, dass du es nicht so meinst.“
Nadja lächelte und auch Lorena konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie war froh, dass nun wieder alles in Butter war.