Sonntag, 18. Februar 2018

[Lady Diamond 1] Kapitel 1

Die Uhr schlug Punkt Mitternacht. Es war eine klare Nacht. Die Sterne funkelten am Himmel und der Mond leuchtete hell. Plötzlich erschienen kleine Lichtblitze wie Sternschnuppen am Firmament. Doch es handelte sich um etwas anderes: Funkelnde Steine sausten mit einer hohen Geschwindigkeit zur Erde. Einer dieser Steine leuchtete weiß. Zielsicher raste er auf ein Haus zu. In diesem Haus schlief ein fünfzehnjähriges Mädchen bei offenem Fenster. Sie ahnte nicht, was auf sie zukam.
Da flog der weiße Edelstein direkt durch das offene Fenster auf das Mädchen zu. Als das Mädchen getroffen wurde, zuckte sie im Bett zusammen und seufzte auf. Doch der Edelstein verletzte sie nicht. Es war so, als ob ihr Körper den Stein in sich aufnahm. Direkt an der Stelle ihres Herzens verschwand er.
Das Mädchen merkte nichts davon und schlief weiter. Allerdings veränderte sich ihr Traum. Sie befand sich in einem dunklen Raum. Sie sah und sie hörte nichts. Egal, wohin sie rannte, kein Licht war in Sicht. Sie bekam panische Angst und rannte so schnell sie konnte. Sie wollte schreien, doch aus ihrem Mund ertönte kein Laut. Plötzlich spürte sie etwas. Es war etwas Böses. Ihre Panik stieg weiter an. Sie hatte Angst, sich umzudrehen, obwohl es stockfinster war. Sie schloss ihre Augen und blieb starr stehen. Sie wünschte sich so sehr, dass das Licht zurückkehrte. Sie öffnete ganz langsam ein Auge. Da war das Licht wieder. Sie war erleichtert und öffnete ihre Augen komplett. In diesem Moment sah sie ein schreckliches, dunkles Monster mit großen, roten Augen und fiesen Reißzähnen vor sich. Vor Schreck brüllte sie laut los.

Da erwachte sie aus ihrem Schlaf. Auf ihrer Stirn war Schweiß. Ihre Kehle war trocken. Sie wollte ins Badezimmer, weil sie einen Schluck Wasser brauchte. Als sie das Licht im Bad anmachte und in ihr Spiegelbild sah, kriegte sie erneut einen Schreck. Die vorderste Strähne ihres eigentlich hellbraunen Haars war weiß wie Schnee. Wie konnte das sein? Für einen kurzen Moment überlegte sie, sich die Schere zu schnappen und die Strähne einfach abzuschneiden. Doch dann ließ sie es sein. Vielleicht bildete sie es sich ja nur ein, weil sie noch schlaftrunken war.
Morgen früh ist bestimmt wieder alles normal, dachte sie sich. Sie spritzte sich ein wenig Wasser ins Gesicht und legte sich dann wieder ins Bett.
Am nächsten Morgen war die Strähne allerdings noch da. Sogar ihre Mutter wunderte sich:
„Wie ist das denn passiert, mein Schatz?“
„Ich weiß es nicht“, antwortete Lorena wahrheitsgemäß.
„Vielleicht sollten wir damit zum Arzt“, schlug ihre Mutter vor. „Könnte eine Art Vitaminmangel sein.“
Doch Lorena schüttelte den Kopf:
„Lass es gut sein, Mama. Ich gehe jetzt erst mal zur Schule.“
„Wie du meinst, aber wir behalten das im Auge.“

In der Schule starrten sie alle an und tuschelten.
„Was ist denn mit dir passiert?“, fragte sie ein gemeiner Mitschüler. „Hat dir ein Vogel auf den Kopf gekackt?“
Alle fingen zu lachen an. Lorena schämte sich. Sie traute sich nicht, etwas zu antworten und lief schnell in den Klassenraum. Doch den ganzen Morgen hörte sie das Gerede hinter ihrem Rücken. Alle nannten sie nun nur noch VKK – Vogelkackkopf.
„Wie geht es dir, VKK?“
„Ist das dein neuer Style, VKK?“
„Wo kann man sich das machen lassen, VKK?“
„Gibt es dazu ein Tutorial auf Youtube, VKK?“
Lorena hätte heulen können, aber sie verkniff es sich. Seit sie diese Schule besuchte, versuchte sie, unscheinbar zu sein. Ja nicht auffallen. Mit einem Schlag hatte sie es sich versaut. Nun wusste jeder, wer sie war. Sie war VKK.

Währendessen näherte sich eine dunkle Wolke der Erde. Auch das geschah blitzschnell. Innerhalb weniger Sekunden war der schwarze Nebel am Fuße eines Berges angelangt. Ein Loch wurde in den Berg gerissen und die Wolke bohrte sich einen langen Tunnel bis zur Mitte. Darin entstand in kurzer Zeit eine riesige Halle mit einigen Säulen aus Stein. Ebenfalls aus einem der Felsen gehauen, erhob sich ein Thron. Als der Nebel sich auflöste, waren sechs Gestalten zu erkennen.
Einer dieser Gestalten war ein furchteinflößender Mann mit einer goldenen Krone auf dem Kopf. Er trug eine schwarze Uniform mit einem langen, tiefschwarzen Umhang. Seine Augen waren ebenfalls dunkel und sein finsterer Blick verstärkte sich durch seine buschigen Augenbrauen. Sein Alter war nicht benennbar, aber er musste schon sehr lange gelebt haben, denn unter seinen Augen und auf seiner Stirn zeichneten sich tiefe Falten ab. Seine Haut war bleich und schimmerte fast transparent durch.
Mit erhabenen Schritten lief er zum Thron und nahm darauf Platz. Er schaute sich seine Begleiter an. Vier Männer in einer Rüstung und eine Frau in einem langen Kleid.
„Kniet nieder!“, befahl er und seine Untertanen gehorchten. „Auf diesen Planeten müssen die magischen Edelsteine gefallen sein. Wir müssen sie um jeden Preis finden.“
„Jawohl“, antworteten die vier Männer im Chor.
„Erst wenn ich die Macht dieser magischen Edelsteine besitze, kann ich der einzig wahre Herrscher über das komplette Universum werden. Niemand wird mich je wieder aufhalten können.“
„Jawohl“, sprachen die ergebenen Diener erneut gemeinsam.
„Die Reise hat mich sehr geschwächt. Ich brauche nun etwas Ruhe. Lasst mich allein. Zieht euch zurück!“
Die fünf Gestalten erhoben sich und verließen den neuen Thronsaal. Etwas abseits beschlossen sie, sich ebenfalls ihre Gemächer einzurichten. Vom Tunnel ab wurden weitere fünf Räume im Innern des Bergs errichtet. Hier würden sie walten und von hier aus würden sie ihren Machenschaften nachgehen. Ihre weite Reise würde nun endlich Früchte tragen.