Sonntag, 9. April 2017

[Er wartet auf dich] Kapitel 24

Sie war echt ein psychisches Wrack, dachte sich Ruth. Wie konnte sie nur so blöd reagieren? Es war doch gerade so schön. Aber als er sie so an­fasste, erinnerte sie das an die Vergewaltigung. Und dann packte sie die Panik. Würde sie jemals wieder einen Mann so an sie heranlassen können? Sie glaubte nicht daran. Und damit hatte Wolff noch mehr in ihr zerstört.
Fakten waren: Sie verließ die Wohnung nicht, ging nicht mehr zur Arbeit, pflegte keine sozialen Kontakte und nun ließ sie auch keinen Mann mehr an sich ran. Eigentlich konnte sie sich gleich er­hängen. Jedenfalls fühlte sie sich gerade so.
Sie verstand nun, dass sie ganz dringend eine Therapie brauchte. Mit ihrem Smartphone suchte sie sich nach Psychologen im Umkreis. Einige Telefonnummern hatte sie gleich gespeichert. Am nächsten Tag würde sie diese anrufen.
Dann öffnete sie ihren SMS-Verlauf und las noch einmal alle Nachrichten von Tobias durch. Er war so süß und nett und gut zu ihr. Wie konnte sie ihm das nur antun. Sie beschloss, ihm zu schrei­ben:


Es tut mir so leid! Ich wollte dich nicht ver­graulen.

Es dauerte nicht lange und dann kam schon seine Antwort. Sie klang besser, als sie es sich er­hofft hatte:

Dir muss es nicht leidtun, sondern mir. Ich war zu schnell. Nach deinen Erlebnissen hätte ich es ruhiger angehen müssen. Ich war total blöd.

Gib dir nicht die Schuld. Ich bin diejenige, die dringend zum Psychologen muss. Du hast es hier wohl mit einer Gestörten zu tun.

Na ja, ich bin wegen dieser 'Gestörten' nach Frankfurt gekommen und wohne derzeit in der Wohnung eines Mörders. Ich weiß nicht genau, ob ich nicht derjenige mit dem größeren Knall bin.

Bei dieser Nachricht musste Ruth lächeln. Tobi­as fand tatsächlich immer die richtigen Worte. Er war ein guter Mensch und sie glaubte, sie verlieb­te sich gerade in ihn. Sie beließ es mit der Antwort bei einem Smiley:

:-)

Seine Reaktion daraufhin war auch nur:

:-))

Ruth drückte das Handy an ihre Brust und seufzte. Würde sie jemals eine normale Bezie­hung führen können? Mit Zärtlichkeit und Nähe? Sie hoffte es so sehr. Doch momentan hatte sie immer vor Augen, wie sich Wolff an ihr vergriff. Und dabei fühlte sie sich so dreckig und benutzt. Das hatte Tobias nicht verdient.
Ihr Kopf wusste, dass diese Gedanken total schwachsinnig waren, aber ihr Herz konnte nicht anders.
Ihr Handy vibrierte und sie erschrak kurz. Dann schaute sie auf das Display. Erneut eine SMS von Tobias:

Gibst du mir eine zweite Chance?

Ihr Herz flatterte. War es Traum oder Wirklich­keit? Wollte er wirklich was von ihr?
Sie dachte an den Kuss und ihr wurde es sofort wohl ums Herz. So gern würde sie noch einmal seine Lippen auf ihren spüren. Doch weiter konnte sie in ihrer derzeitigen Verfassung nicht gehen. Würde er es verstehen? Sie hoffte es. Daher schrieb sie:

Wenn du willst, sehr gerne. Aber bitte gib mir ein bisschen Zeit.

Eine Antwort ließ nicht auf sich warten:

Du kriegst alle Zeit der Welt. Versprochen!

Danke. Du bist ein Schatz. <3 font="">

Du auch. <3 font="">

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