Sonntag, 15. Januar 2017

[Er wartet auf dich] Kapitel 13

Hallo? Hören Sie mich?“
Wie durch einen Schleier nahm Ruth die Stim­me war. Sie lag in den Armen eines Mannes mit Polizeiuniform. Er versuchte, sie wach zu bekom­men.
Können Sie mich verstehen?“, versuchte er es erneut.
Ja...“, war ihre zaghafte Antwort. Sie öffnete ihre Augen und versuchte zu sprechen.
Wie ist Ihr Name?“
Die junge Frau überlegte kurz. Dann antwortete sie:
Ruth. Ruth Käppler.“
Frau Käppler, gleich ist der Notarzt da. Er wird Ihnen helfen. Alles wird gut.“
Die Stimme des jungen Polizisten beruhigte sie. Sie kannte ihn zwar nicht, aber sie fühlte sich in seinen Armen in Sicherheit. Alles war wie hinter ei­nem Schleier und sie wusste nicht, ob sie nur träumte.
Vielleicht war das alles nur ein böser Traum und sie war Herrn Wolff nie begegnet. Die Verge­waltigung und der Mord an ihre Großmutter waren ein ganz böser Albtraum. Und bald würde sie zuhause in ihrem Bett erwachen und alles war wieder gut. Doch da irrte sie sich.
Der Polizist half ihr, sich wieder aufzurichten. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und stand auf. Sie sah noch andere Polizisten, die hin- und her­liefen. Einer sprach irgendwas in sein Funkgerät. Doch sie konnte sich nicht konzentrieren.

Der Polizist half ihr ins Wohnzimmer, wo sie sich wieder auf das Sofa setzte. Er gab ihr eine neue, frische Decke, womit sie ihre Scham be­deckte. Sie fühlte sich wie benommen und wollte nur schlafen. So hatte sie sich noch nie gefühlt.
Mein Name ist Jäger“, stellte sich der Polizist vor. „Ich bleibe bei Ihnen, solange Sie möchten.“
Ruth nickte stumm. Sie war froh, dass er da war.
Da betraten Notärzte das Zimmer.
Ihr Name ist Ruth Käppler“, erklärte der Poli­zist.
Hallo, Frau Käppler“, sprach sie der Arzt an. „Können Sie mich verstehen.“
Ruth nickte lediglich.
Wissen Sie, wo Sie sich befinden?“
Die Achtzehnjährige blieb stumm. Der zweite Sanitäter legte ihr ein Blutdruckmessgerät an.
Ich glaube, sie wurde vergewaltigt“, sagte der Polizist.
Wie kommen Sie darauf?“, wollte der Notarzt wissen.
Schauen Sie unter die Decke.“
Das tat er auch und da sah er das ganze Blut zwischen Ihren Beinen.
Frau Käppler, ich gebe Ihnen jetzt ein Beruhi­gungsmittel. Dann legen wir Sie auf unsere Trage und nehmen Sie mit ins Krankenhaus.“
Ruth reagierte nicht, sondern blickte ihn nur stumm an. Sie ließ alles mit sich machen. Sie fühl­te sowieso nichts. In ihr war alles zerbrochen.
Sie hörte nur noch, wie der Polizist mit einem Kollegen sprach:
Horst, benachrichtige bitte Ihre Familie. Schau, ob die Nummern in dem Telefon eingespeichert sind.“
In Ordnung.“
Ich begleite sie ins Krankenhaus“, fügte Herr Jäger hinzu.
Und dann machte sie die Augen zu.

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