Dienstag, 27. September 2016

[Nachgedacht] Viele Freunde eine Zeitverschwendung?

Als Jugendlicher gab es in meinem Leben eine Zeit, in der ich nicht viele Freunde hatte. Demzufolge hatte ich nachmittags viel Zeit, um mich mit mir selbst zu beschäftigen und ich muss sagen, das fand ich nicht schlimm. Ich war schon immer kreaitiv und hatte deshalb genug zu tun, um mir die Langweile zu vertreiben. Ich habe gezeichnet, geschrieben, Musik gehört und gebastelt. Und diese Hobbies habe ich heute auch noch. 

Allerdings habe ich heute weniger Zeit, denn 1. arbeite ich nun Vollzeit und 2. habe ich sehr viele Freunde und Bekanntschaften. Und in letzter Zeit stelle ich mir selbst die Frage, ob meine vielen Freunde mir meine Zeit rauben und sie deshalb eine Zeitverschwendung sind. Diese Frage mag vielleicht jetzt einige irritieren oder sogar ein wenig verärgern, aber für mich ist das gerade tatsächlich eine Frage, die mich sehr beschäftigt.

Auf der einen Seite liebe ich es, neue Kontakte zu knüpfen. Ich bin sehr kommunikativ und neugierig und lerne gerne neue Leute kennen. Und natürlich macht es Spaß, mit Freunden und Bekannten was zu unternehmen. Manche enge Freunde wundern sich zwar, wenn ich mit Arbeitskollegen oder Internetbekanntschaften etwas privat unternehme, aber mir macht das unheimlich viel Spaß und irgendwie ist das ja auch gut genutzte Freizeit - auch wenn ich in der Zeit nicht schreibe, lese oder male.

Andererseits habe ich viele Bekanntschaften geschlossen, die mich enttäuschten und in der ich im Nachhinein eine Zeitverschwendung sah. Vielleicht lag es ein bisschen daran, dass ich mir mehr erhoffte. Ich stecke nämlich in sympathische Menschen Energie und gebe mir Mühe, mich mit ihnen gut zu verstehen. Beispielsweise mache ich mit Freunden Unternehmungen, auf die ich eigentlich keine Lust habe, aber es einer Person zuliebe dann doch mache. Und wenn ich merke, dass diese Person so gar kein Interesse hat, mir genauso entgegenzutreten, dann muss ich mir wirklich Gedanken darüber machen, ob eine Fortführung dieser Beziehung überhaupt Sinn macht.

Wenn ich an all die Situationen denke, auf die ich mich eingelassen habe, aber eigentlich keine Lust dazu hatte und die Person so rein gar nichts mir zuliebe tut, dann hätte ich in der Zeit auch zuhause lesen und schreiben können. 

Ich kenne so einige Menschen, die sagen, sie haben lieber wenige sehr gute Freunde als viele Bekannschaften. Und gerade merke ich, dass da was Wahres dran ist. Wenn ich dahin komme, meinen Freundeskreis mit lediglich den Menschen zu füllen, die so ticken wie ich, dann hätte ich viel Zeit, um mich mal wieder mit mir selbst zu beschäftigen. Denn so was brauche ich. Aber ich brauche für diese Entscheidungen wahrscheinlich noch einige (Bedenk-)Zeit. Diese werde ich nehmen. Ich habe mir lediglich vorgenommen, meine Augen offen zu halten, wenn ich neue Leute kennenlerne und mich nicht sofort auf diese einzulassen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Gedanken zu diesem Thema schreibt. Was meint ihr dazu? Wie geht es euch dabei? Habt ihr wenig gute Freunde oder sehr viele lose Bekannschaften?

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