Dienstag, 17. Mai 2016

[Nachgedacht] Ist der Eurosvision Song Contest politisch?

Als großer Fan des Eurovision Song Contest verfolge ich jedes Jahr dieses große musikalische und visuelle Spektakel. Auch dieses Jahr habe ich mich sehr gefreut. Aber leider muss ich sagen, dass es für mich der schlechteste Contest meines Lebens war. Ich bin total enttäuscht. Und ich stelle mir nun seit neuestem die Frage, ist der ESC tatsächlich politisch?

In den Medien wird das jedes Jahr aufs Neue diskutiert und jeder ist sich einig: Politik spielt beim Contest eine große Rolle. Ich muss zugeben, dass ich das immer bestritten habe. So wird beispielsweise immer gesagt, dass sich die Nachbarländer gegenseitig die Punkte zuschieben. So bekommt Russland regelmäßig von Weißrussland eine hohe Punktzahl, Dänemark von Schweden oder Serbien von Montenegro. Ich habe mir das immer so erklärt, dass Nachbarländer aus ähnlichen ethnischen Kulturkreisen einen ähnlichen Musikgeschmack haben und daher sich so die hohe Punkzahl ergibt. Für mich wollte ich es nicht gelten lassen, das Politik eine Rolle dabei spielt.

Auch bei den Gewinnern war ich mir immer recht sicher, dass das Lied den Geschmack der Zuschauerinnen und Zuschauer trifft und daher das Lied gewinnt. Als Conchita Wurst aus Österreich den ESC gewann, hieß es, dass sie den Nerv der Zeit getroffen hatte, weil zu dem Zeitpunkt gerade beispielsweise in Russland große Kritik gegenüber Homosexualität herrschte. Doch ich fand das Lied und den Auftritt so super, dass ich die Sängerin dahingegen verteidigte. Ich sagte stets, dass sie aufgrund ihrer Leistung gewonnen hatte.

Doch seit diesem Jahr hat sich meine Meinung vielleicht geändert. Ich gerate ins Grübeln. Denn dieses Jahr ist es noch offensichtlicher, dass politische Motive eine Rolle spielen. Jamala aus der Ukraine hat den Eurovision Song Contest 2016 gewonnen. In ihrem Lied 1944 geht es um ihre Urgroßmutter, die im Krieg verschleppt wurde und leiden musste. Dass derzeit - ich nenne es mal - eine negative Stimmung zwischen Russland und Ukraine herrscht, legt den Verdacht nahe, dass mit dem Lied eine Kritik an den russischen Staat geäußert wird. Zwar bestreitet das die Sängerin und auch die EBU ließ das Lied zu, weil sie ein politisches Motiv darin nicht sehen, aber dass sie gewonnen hat, beweißt mir das Gegenteil. Denn dieses Lied ist absolut schlecht. Natürlich gibt es bestimmt da draußen Leute, die das Lied toll finden. Aber ich bezweifle, dass es objektiv gesehen - allein schon für die Jurys der Länder - ein gutes Lied ist.

Ich habe den ESC zusammen mit Freunden zusammen geschaut. Wir alle zelebrieren das und schreiben Listen und vergeben Punkte. Wir alle haben einen unterschiedlichen Musikgeschmack, doch bei einer Sache waren wir uns einig: Die Performance, der Gesang und der Song an sich war grottig. Für uns war der Song auf dem letzten Platz gelandet. 

Bisher konnte bzw. wollte ich mir nicht vorstellen, dass Zuschauer aus politischen Motiven bei so einem Contest für ein Land anrufen. Ich selbst hätte mir überlegt, aus politischen Gründen für Conchita Wurst oder Jamala anzurufen. Ich rufe an, wenn mir das Lied gefällt. Doch scheinbar habe ich mich da geirrt. Der "objektiven" Jury hätte ich das vielleicht noch zugetraut, aber ich glaubte immer an die Zuschauer und dass sie für das Land anrufen, dass ihnen am besten gefällt. Nun muss ich meine Meinung überdenken.

Zudem kommt es mir nun auch seltsam vor, dass Deutschland zweimal hintereinander letzter wird. Beide Male fand ich das Lied nicht so übel, dass es den letzten Platz verdient hätte. Und da wir politisch nicht sehr beliebt sind, kann ich mir nun durchaus vorstellen, dass dies ein Grund ist, dass nicht für uns angerufen wird.

Ich finde das schade, denn ich liebe den ESC. Ich mag grundsätzlich die Musik und die visuelle Show, die mir jedes Jahr geboten wird. Ich hoffe wirklich, dass ich mich irre und dass ich nächstes Jahr ein besseres Gefühl beim Schauen habe.

1 Kommentar:

  1. Hallo!
    Mir ist es ziemlich ähnlich ergangen und kann absolut nicht nachvollziehen, wie die Ukraine gewonnen hat!!!
    Ich habe am Samstag via facebook mit vielen internationalen Freunden geplaudert und jeder hat seine Favoriten genannt. Komischer Weise kam da KEIN einziges Mal die Ukraine vor!!! Und wir (Telefonvoting) sollen dann alle so entschieden haben??? Das waren Freunde aus Holland, Finnland, Slowenien, Serbien, der Schweiz, Deutschland, Schweden und Italien. Und wirklich NIEMAND davon hatte die Ukraine genannt! Dafür fast alle Ungarn und Zypern....und wo sind die geblieben? Sogar noch hinter uns Österreicher!!! Irgendwie kommt mir das wirklich sehr gesteuert vor.....für Australien hatte ich die Daumen gehalten, nachdem Dami In wirklich die beste Stimme hatte und es nur mehr zwischen Russland, der Ukraine und ihr um den ersten Platz ging! Außerdem hätte sie es sich wirklich verdient gehabt: ein super Beitrag, den sie abgeliefert hat!
    Übrigens haben wir uns den letzten Platz letztes Jahr gemeinsam geteilt ;)
    Liebe Grüße aus Österreich
    Martina

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