Sonntag, 28. Februar 2016

[Elementum] Neue Mächte - Kapitel 5

Am nächsten Morgen kam Robin schwer aus dem Bett. Er hatte die halbe Nacht wach gelegen und nachgedacht, sodass es ihm das Aufstehen schwerfiel, als um 07:00 Uhr der Wecker klingelte.
Iggy war munterer und ging sofort ins Bad und duschte. So konnte sich Robin erst einmal im Bett strecken und langsam wach werden. Er schaute auf sein Smartphone und guckte, ob er vielleicht eine Nachricht seiner alten Freunde, die er zurückgelassen hatte, bekommen hatte. Aber diese waren sicherlich auch zur Tagesordnung übergegangen. Sie würden nun auch alle eine normale Oberstufe besuchen. Es war schmerzlich, sie zurückzulassen, aber die Vorfreude auf die kommende Zeit gab ihm Kraft. Die Wege hätten sich sowieso weitgehend getrennt, da sich jeder in seinem Freundeskreis eine andere Schule ausgesucht hatte. Sie versprachen sich zwar, sich trotzdem regelmäßig privat zu sehen, aber Robin wusste, dass sich viel verändern würde, sobald neue Freundschaften auf den neuen Schulen geknüpft wurden. Da machte er sich nichts vor. Das erleichterte ihm den Sprung auf das Internat.

Als Iggy fertig gestylt aus dem Bad kam, sprang Robin schnell unter die Dusche. Gemeinsam machten sie sich dann um 08:00 Uhr auf den Weg in die Mensa zum gemeinsamen Frühstück. Sie stellten sich an die Essensausgabe und suchten sich anschließend einen freien Platz. Um sie herum war ein regelrechter Trubel.
Warum müssen alle am Morgen schon so laut sein“, beschwerte sich Iggy. „Da bekommt man ja Kopfschmerzen.“
Du warst doch heute Morgen auch schon so fit“, wies ihn sein Mitbewohner hin.
Aber ich war nicht laut, oder?“
Um kurz vor 09:00 Uhr machten sie sich dann auf den Weg zu den Unterrichtsräumen. In der ersten Stunde hatten sie Theorie der Elemente und da würden sie zum ersten Mal ihre Klassenkameraden sehen.
Sie betraten den Raum und suchten sich einen Platz. Kurz darauf kam auch schon die Lehrerin herein. Sie stellte ihre Tasche vorne auf dem Pult ab und begrüßte die Schüler:
Guten Morgen! Mein Name ist Terra Bottenberg und ich unterrichte die Theorie der Elemente und Gesellschaftslehre in dieser Klasse. Einige von Ihnen werden mich auch im Praxisschwerpunkt Erde wiedersehen.“
Frau Bottenberg war eine kräftige, untersetzte Frau mit schwarzen, welligen Haaren, die ihr über die Schulter fielen. Sie hatte wache, braune Augen, eine kleine Stupsnase und schmale Lippen.
Sie wird wohl im gleichen Alter sein wie Serafina Funke, dachte sich Robin.
Die Lehrerin trug ein schwarzes Pailletten-Oberteil und einen schwarzen Blazer darüber. An den Ohren trug sie goldene Kreolen und um den Hals hatte sie eine goldene Kette, an der ein Schlüssel hing, auf dem eine Sonne eingraviert war. Untenrum trug sie einen wallenden schwarzen Rock, der ihr bis zu den Knöcheln reichte.
Da Sie sich heute zum ersten Mal sehen“, fuhr Frau Bottenberg fort, „möchte ich zunächst eine Vorstellungsrunde mit Ihnen machen. Den ersten inhaltlichen Punkt verschieben wir dann auf die nächste Unterrichtsstunde.“
Das gefiel der Klasse und so setzten sie sich in einen Stuhlkreis, um etwas über sich zu erzählen.
Den Anfang machte eine blonde Schönheit, wie Robin fand. Sie stellte sich mit dem Namen Aria Himmel vor:
Mein Element ist die Luft“, erzählte sie freudig. „Meine Hobbys sind Malen und Tanzen.“ Sie berichtete davon, dass sie Hip Hop und Streetdance betrieb, doch Robin konnte kaum zuhören. Viel zu sehr war er von ihrem Aussehen überwältigt. Ihre glatten Haare fielen ihr gestuft über die Schultern. Ihre strahlend azurblauen Augen wurden von langen Wimpern umrahmt. Sie hatte ein makelloses Puppengesicht mit wunderschön geformten Lippen. Rechts unter ihrem Mund hatte sie ein kleines Muttermal, welches ihr Robins Meinung nach gut stand. Auch ihre Figur war sportlich, was wahrscheinlich dem Tanzen zu verdanken war. Sie trug eine knappe Hotpants und ein weißes T-Shirt mit einem blassrosa Schriftzug mit dem Namen der Marke. Robin nahm sich vor, sie näher kennen zu lernen.
Boah“, flüsterte Iggy ihm zu, „schau dir mal den Klotz an!“
Robin konnte kaum den Blick von der Schönheit nehmen, als ihn sein neuer Mitbewohner so aus seinem Tagtraum riss. Er folgte der Richtung, die ihm Iggy vorgab und schaute sich den Klassenkameraden an, den er gemeint hatte. Er war ein richtiges Muskelpaket, dessen beiges T-Shirt drohte, aus allen Nähten zu platzen. Später stellte sich heraus, dass sein Name Joris Keller war und er dem Element der Erde zugehöre. Seine wuscheligen braunen Haare und dunklen Augen sahen wild aus. Sein Gesicht hatte markante Züge und sein Kinn zierte ein auffälliges Grübchen, wie es Elvis Presley damals hatte. Als er sprach, strahlte er jedoch eine Ruhe aus, die im Kontrast zu seinem Aussehen stand.
Doch lange konnte er sich den Muskelprotz nicht anschauen. Viel lieber warf er seine Augen auf die hübsche Blondine.
Nach knapp sechzig Minuten war die Vorstellungsrunde beendet. Noch dreißig Minuten waren übrig geblieben. Frau Bottenberg nutzte diese Zeit, um eine kleine Einführung in das Fach zu geben und die Lehrbücher auszuteilen. Danach schloss sie den Unterricht etwas früher.
Heute ist ja Ihr erster Tag. Da möchte ich Sie nicht überfordern“, sprach sie und entließ daraufhin die Schüler in den Mathematikunterricht.
Dieser ging sofort richtig los. Serafina Funke stellte sich lediglich kurz denjenigen vor, die sie noch nicht kannte und teilte sogleich die Mathebücher aus. So nett und sympathisch sie Robin vorkam, so anspruchsvoll war leider auch ihr Unterricht. Und Mathe war nie seine stärke gewesen.
Gleich zu Anfang wollte sie schauen, wie die Vorkenntnisse ihrer Schüler war und stellte ein paar Aufgaben. Auch Iggy war völlig überfordert und so grübelten sie zu zweit über die für sie unlösbaren Aufgaben.
Nur eine Mitschülerin schien keine Probleme mit den gestellten Aufgaben zu haben und so forderte Frau Funke sie auf, ihren Mitschülern die Aufgaben an der Tafel einmal vorzurechnen.
Robin konnte sich noch aus der Vorstellungsrunde an ihren Namen erinnern: Marina Hollenbach. Ihr Aussehen schien sich anscheinend zu bestätigen, denn sie sah tatsächlich wie eine Streberin aus. Sie hatte dunkelbraunes, langes, glattes Haar, welches ihr über den Rücken fiel. Ihr gerade geschnittener Pony verdeckte fast ihre kleinen Augen. Auf ihrer Stupsnase trug sie eine riesige Nerd-Brille. Sie war klein und zierlich. Sie trug ein weites blaues Top, welches ihr über eine Schulter hing, und eine dunkelblaue Leggins. Sie schien sehr schüchtern zu sein, da sie sehr leise zur Klasse sprach. Man musste sich schon sehr konzentrieren, um sie zu verstehen.
Das machen Sie ganz toll, Marina“, lobte sie die Lehrerin. „Seien Sie selbstbewusster und sprechen lauter!“
Das schien der kleinen Wasser-Elementaristin schwer zu fallen, aber sie erklärte alle Aufgaben fehlerfrei. Robin überlegte sich, ob er sich vielleicht Nachhilfe von ihr geben lassen sollte, um seine Lücken aufzuarbeiten.
Nach der Mittagspause hatten sie dann zum ersten Mal ihren Praxisschwerpunkt. Auch da trafen Iggy und Robin ihre Tutorin wieder. Frau Funke erklärte, dass sie heute zunächst einmal Organisatorisches zu klären hatte, bevor sie in der nächsten Stunde mit dem richtigen Unterricht beginnen würde. Ein großer Punkt war die Einwahl für die Arbeitsgemeinschaften, die täglich zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr stattfanden. Sie waren zwar keine Pflicht, aber sie riet den Schülern dennoch zumindest eine AG zu besuchen.
Auf dem Internat wurden einige AGs angeboten, die sich Robin auf ellenlangen Listen anschauen konnte. Er überlegte erst, ob er die Englisch-AG besuchen wollte. Aber schließlich wählte er sich in die Gitarren-AG ein, damit er darin nicht einrostete. Zwar gab es auch das Fach Musik im Internat, aber da würden sie wohl kaum dazu kommen, Instrumente zu spielen. Jedenfalls war das auf seiner alten Schule so. Und so anders würde das Haus 4E auch nicht sein.
Iggy hingegen entschied sich für die Koch-AG. Robin war erstaunt darüber:
Du kochst?“
Ja“, gab der Rotschopf schüchtern zu. „Irgendwie kann ich dabei entspannen.“

Damit war auch schon der erste Schultag beendet.

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