Dienstag, 9. Dezember 2014

[Märchen by Pero] Schneewittchen


Original: Gebrüder Grimm
 
Schneewittchen

Es war einmal mitten im Winder, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem... äh braunem Eichenholz hatte und nähte. Da stach sie sich mit der Nadel in den Finger und drei Tropfen Blut fielen in den Schnee. Und weil das Rote in dem Schnee so schön aussah, dachte sie sich: Hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so... äh braun wie das Holz an dem Rahmen.
Bald darauf bekam sie ein Töchterchen. Sie hatte eine Haut so weiß wie Schnee, Lippen so rot wie Blut und Haare so... äh braun wie Eichenholz. Sie bekam den Namen Braunkackchen, ward aber seit jeher Schneewittchen genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin.
Der König nahm sich eine neue Frau. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermütig und konnte nicht leiden, dass sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden. Sie hatte einen Zauberspiegel und wenn sie vor ihn trat, sprach sie:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
So antwortete der Spiegel:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“
Da war die Königin zufrieden.
Schneewittchen wuchs aber heran und wurde immer schöner. Als sie sieben Jahr alt war, fragte die Königin erneut ihren Spiegel:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
So antwortete der Spiegel:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“

Da erschrak die Königin. Sie war voller Neid und so schickte sie den Jäger los, das Kind in den Wald zu bringen und es dort zu töten. Doch der Jäger hatte Mitleid mit Schneewittchen und ließ sie davonziehen.
Schneewittchen lief verängstigt durch den Wald und kam an ein kleines Häusschen. Sie ging hinein, um sich dort auszuruhen. Da sah sie ein kleines, gedecktes Tischlein, auf dem sieben kleine Tellerlein und sieben kleine Becherlein standen. Da sie so hungrig war, aß sie von den Tellerlein und trank von den Becherlein. Danach ward sie so müde, dass sie sich hinlegen wollte. Sie legte sich in ein Bettchen, aber das war ihr zu klein. Und so legte sie sich nacheinander in alle Bettchen, bis ihr endlich das siebente Bettchen recht war. Darin blieb sie liegen und schlief ein.
Als es dunkel geworden kam, kamen die Herren des Häusleins. Das waren die sieben Zwerge. Sie sahen sofort, dass jemand von ihren Tellerlein gegessen hatte und von ihren Becherlein getrunken hatte. Schließlich bemerkte der siebte Zwerg, dass jemand in seinem Bettchen schlief. Sofort schauten sich die sieben Zwerge das Kind in dem Bettchen an.
„Was ist das Kind so schön!“, wunderten sie sich. Sie ließen das Kind bis zum nächsten Morgen schlafen.
Als Schneewittchen erwachte, erschrak sie, aber weil die sieben Zwerge so freundlich waren, stellte sie sich vor und erzählte ihre Geschichte.
Die Zwerge hörten zu und sprachen sodann:
„Willst du unsern Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben und es soll dir an nichts fehlen.“
„Ja“, sagte Schneewittchen, „zwar wollte ich schon immer Pädagogin werden, aber Altenpflegerin ist auch irgendwie okay“ und so blieb sie bei ihnen.
Tagsüber gingen die Zwerge in die Berge und suchten Erz und Gold. Deshalb war Schneewittchen den Tag allein, da warnten sie die guten Zwerge und sprachen: „Hüte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen, dass du hier bist. Lass ja niemand herein.“
Eines Tages trat die Königin wieder vor den Spiegel und sprach:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
So antwortete der Spiegel:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen über den Bergen
Bei den sieben Zwergen
Ist noch tausendmal schöner als Ihr.“
Sie erschrak, da sie wusste, dass sie der Jäger betrogen hatte und Schneewittchen am Leben ließ. Also suchte sie nach einem neuen Plan, das Kind zu töten. Sie verkleidete sich und ging zum Haus der sieben Zwerge. Sie klopfte an die Tür und rief: „Schöne Ware feil, feil!“ Schneewittchen öffnete die Tür und ließ sich die Ware von der alten Frau andrehen. Es waren Schnürriemen aus bunter Seide geflochten.
„Kind“, sprach die Alte, „wie du aussiehst! Komm, ich will dich einmal ordentlich schnüren.“ Das Kind ließ es zu und die Alte schnürte ihr die Kehle zu, sodass ihr der Atem verging und hinfiel. „Nun bist du die Schönste gewesen“, sprach die Alte und eilte hinaus.
Kurz darauf wurde Schneewittchen zum Glück von den Zwergen gefunden. Sie schnitten die Riemen auf und das Kind kam wieder zu Atem.
Das böse Weib aber, als es nach Haus gekommen war, ging vor den Spiegel und fragte:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
So antwortete der Spiegel:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen über den Bergen
Bei den sieben Zwergen
Ist noch tausendmal schöner als Ihr.“
Als sie das hörte, lief ihr alles Blut zum Herzen, so erschrak sie, denn sie sah, dass Schneewittchen doch nicht gestorben war. Also musste ein neuer Plan her. Wieder verkleidete sie sich, aber diesmal in eine andere Verkäuferin. Mit Hexenkünsten machte sie einen giftigen Kamm und ging am nächsten Tag wieder zum Haus der Zwerge. Sie klopfte und rief: „Gute Ware feil, feil!“
Das naive, dumme Kind öffnete wieder die Tür und ließ sich den Kamm andrehen. Sie ließ sich sogar von der Frau kämmen und so ist es kein Wunder, dass Schneewittchen erneut umfiel. Freudig verließ die böse Königin das Haus.
Und wieder kamen die Zwerge glücklicherweise rechtzeitig nach Hause und zogen dem Kind den vergifteten Kamm aus dem Haar.
Daheim stellte sich die Königin wieder vor den Spiegel:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
So antwortete der Spiegel:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber raff es doch endlich, Schneewittchen über den Bergen
Bei den sieben Zwergen
Ist noch tausendmal schöner als Ihr.“
Und wieder erschrak die Königin. Und wieder musste sie sich was einfallen lassen. Diesmal sollte es ein vergifteter Apfel sein. So verkleidete sie sich als Bäuerin und ging ein drittes Mal zum Haus der Zwerge.
Wir kürzen das ganze etwas ab, denn wir wissen mittlerweile, dass Schneewittchen strohdoof ist und natürlich den Apfel gegessen hat. Sie fiel wieder um. Was lernen wir daraus: Lasst die Finger von Apple!
Und als die böse Königin diesmal den Spiegel befragte:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
so antwortete er endlich:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“
Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe.
Als die Zwerge diesmal nach Hause kamen, konnten sie nichts mehr für sie tun. Und da taten sie das Kind in einen gläsernen Sarg und brachten sie in den Wald, damit die Tiere Abschied von ihr nehmen konnten. Zufällig kam ein großer Prinz vorbei und sah das schöne Mädchen in dem Sarg. Und da er seine Augen nicht mehr von ihr lassen konnte, bat er die Zwerge darum, den Sarg mitnehmen zu dürfen, um sie sich täglich ansehen zu können.
Die Zwerge wunderten sich zwar über diesen seltsmane Fetisch, stimmten aber schließlich zu und der Prinz ließ den gläsernen Sarg von Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, dass sie über einen Strauch stolperten und von dem Schüttern fuhr der giftige Apfelgrütz aus Schneewittchens Hals. Sie öffnete ihre Augen wieder und blickte in das Gesicht des Prinzen, der sofort sprach: „Ich habe dich lieber als alles auf der Welt, komm mit mir in meines Vaters Schloss, du sollst meine Gemahlin werden.“ Schneewittchen sagte zu, denn sie wollte ja keine 100 Jahre mehr warten.
Zu dem Fest wurde aber auch Schneewittchens Stiefmutter eingeladen. Wie sie sich nun mit schönen Kleidern angetan hatte, trat sie noch mal vor den Spiegel:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
So antwortete er:
„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber die junge Königin ist tausendmal schöner als Ihr. Ätschi Bätsch!“
Die Königin erschrak und bekam große Angst. Und mit dieser Angst ging sie zur Hochzeit. Als sie die junge Braut sah, stand ihr Herz endgültig still und die böse Königin fiel tot um.

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